Ostertraditionen in Rom: Papst Leo setzt sich von seinem Amtsvorgänger ab

Papst Leo XIV. hat bei seinen Predigten und Ansprachen zu Ostern zwar ausdrücklich und mehrfach Bezug auf seinen Amtsvorgänger Franziskus genommen, sich aber liturgisch abermals erkennbar von diesem distanziert. In seiner Osterpredigt, verlesen von der Mittelloggia des Petersdoms, zitierte Leo am Sonntag seinen Vorgänger mit der Klage über die „Globalisierung der Gleichgültigkeit“ und forderte die Menschen auf, sich nicht an die Gewalt zu gewöhnen.

„Wer Waffen in der Hand hält, lege sie nieder! Wer die Macht hat, Kriege zu beginnen, entscheide sich für den Frieden!“, sagte der Papst bei strahlendem Sonnenschein vor gut 40.000 Gläubigen. Der Petersplatz war mit 70.000 Blumen aus den Niederlanden geschmückt. Seit nunmehr 40 Jahren beschenken holländische Blumenzüchter den Papst zu Ostern mit der Blütenpracht.

Papst Franziskus starb am Ostermontag

Nach dem Segen „Urbi et Orbi“ (Der Stadt und dem Erdkreis) wünschte Leo den Christen in aller Welt frohe Ostern – in insgesamt zehn Sprachen, darunter Arabisch, Chinesisch, Polnisch, Portugiesisch und auch Deutsch. Damit nahm Leo die polyglotte Tradition der Ostergrüße wieder auf. Die hatte Papst Johannes Paul II. während seines Pontifikats von 1978 bis 2005 begründet, von Benedikt XVI. war sie fortgesetzt worden.

Papst Franziskus war am Ostermontag 2025 – dem 21. April vorigen Jahres – nach langer Krankheit im Alter von 88 Jahren gestorben. Am 8. Mai bestimmte das Konklave den heute 70 Jahre alten amerikanisch-peruanischen Kardinal Robert Francis Prevost zu dessen Nachfolger.

Leo trug das Holzkreuz selbst auf allen 14 Stationen

Bei den Feiern zum ersten Osterfest seines Pontifikats zeigte sich Leo XIV. in fast schon jugendlicher Vitalität. An Karfreitag trug Leo das leichte Holzkreuz auf allen 14 Stationen des traditionellen Kreuzwegs am Kolosseum. Die Kreuzwegprozession, zu der sich 30.000 Gläubige um das Kolosseum versammelt hatten, erinnert an den letzten Gang Christi durch Jerusalem hinauf zur Kreuzigungsstätte Golgatha. Mit dem Verfassen der Texte und Gebete zu den Kreuzwegstationen hatte Leo den italienischen Franziskanerpater Francesco Patton betraut.

Franziskus hatte die Meditationen für den Kreuzweg von verschiedenen Gruppen verfassen und auch von diesen während des Kreuzweges verlesen lassen. Unter ihnen waren Strafgefangene, Migranten, Kriegsflüchtlinge und Menschen mit Behinderung. Franziskus hatte letztmals 2022 am Kreuzweg in Rom teilgenommen. In den letzten drei Jahren seines Pontifikats verfolgte er wegen seiner fragilen Gesundheit das Ritual vom Vatikan aus. Das Kreuz auf allen 14 Stationen des Kreuzwegs hatte zuletzt Johannes Paul II. von 1979 bis 1994 getragen, später dann nur noch auf ausgewählten Sektionen.

Franziskus wusch Häftlingen die Füße

Mit der bewussten Rückkehr zu Traditionen, namentlich am höchsten Fest der Christenheit, bringt Leo XIV. seine Achtung für die bewährten Institutionen und Liturgien der Weltkirche zum Ausdruck. Die hatte sein Vorgänger Franziskus als Zeichen der Verknöcherung gebrandmarkt und mit vielen davon gebrochen.

Beim Mittagsgebet am Ostermontag erinnerte Papst Leo XIV. ein weiteres Mal an seinen Vorgänger. „Im Licht des Auferstandenen denken wir heute mit besonderer Zuneigung an Papst Franziskus, der am Ostermontag des vergangenen Jahres sein Leben in Gottes Hand zurückgegeben hat“, sagte das Oberhaupt von 1,4 Milliarden Katholiken in aller Welt.

Gerade zu Ostern seien die Gläubigen dazu aufgerufen, die Frohe Botschaft der Auferstehung Jesu in die Welt zu tragen – namentlich zu jenen, die vom Bösen unterdrückt würden. „Ich denke dabei an die vom Krieg geplagten Völker, an die wegen ihres Glaubens verfolgten Christen, an die Kinder, denen der Zugang zu Bildung verwehrt bleibt“, so der Papst. „Die Auferstehung Christi in Wort und Tat zu verkünden bedeutet, der Hoffnung eine neue Stimme zu verleihen, die sonst durch die Hände der Gewalttätigen erstickt wird.“

Source: faz.net