Ostafrika: Vizepräsident des Südsudan offenbar festgenommen

Inmitten anhaltender Gewalt im Südsudan ist offenbar der Vizepräsident des afrikanischen Landes, Riek Machar, festgenommen worden. Das teilte ein Mitglied von Machars Partei auf Facebook mit. Demnach drang ein Konvoi von 20 schwer gepanzerten Fahrzeugen in Machars Residenz in der Hauptstadt Juba ein und setzte Machar fest. Damit spitzt sich der erneut aufgeflammte Konflikt zwischen Machar und Präsident Salva Kiir gefährlich zu.

In der auf Facebook veröffentlichten Erklärung hieß es weiter, Machars Partei verurteile „auf das Schärfste das verfassungswidrige Vorgehen des Verteidigungsministers und des Chefs der nationalen Sicherheit“. Beim Eindringen der bewaffneten Sicherheitskräfte in Machars Residenz seien dessen Leibwächter entwaffnet worden. Die Anschuldigungen in dem Machar zugestellten Haftbefehl seien unklar.     

50.000 Menschen auf der Flucht vor Gewalt

Für den Südsudan gilt schon seit Jahren eine Reisewarnung Deutschlands. Wegen der erneuten Gewalt schloss Deutschland vergangene Woche seine Botschaft in Juba.

Unterstützer von Präsident Kiir werfen Truppen von Vizepräsident Machar vor, im Nordosten des Landes mit Verbündeten Regierungstruppen angegriffen zu haben. Kiirs Armee reagierte mit Luftangriffen im Bundesstaat Obernil, bei denen nach örtlichen Angaben mehrere Zivilisten getötet wurden.

Nach UN-Angaben sind seit Februar mindestens 50.000 Menschen vor den Kämpfen geflohen. Der wieder aufgebrochene Konflikt bedroht ein zwischen Kiir und Machar geschlossenes Friedensabkommen von 2018, das zuletzt immer fragiler geworden war.

UN befürchten Bürgerkrieg

Das Abkommen hatte einen fünfjährigen Bürgerkrieg beendet, bei dem rund 400.000 Menschen getötet worden waren. Der Südsudan hatte sich 2011 vom Sudan abgespalten und gilt trotz großer Ölvorkommen als einer der ärmsten Staaten der Welt.

Die UN-Blauhelm-Mission UNMISS warnte angesichts der schweren Unruhen vor einer Rückkehr zum Bürgerkrieg. Die Anführer des Landes stünden „kurz davor, in einen umfassenden Konflikt zurückzufallen“, sagte UNMISS-Chef Nicholas Haysom mit Blick auf Machars Festnahme.

Die UN-Mission rief alle Seiten zur Zurückhaltung auf. Ein Bruch des Friedensabkommens von 2018 würde nicht nur den Südsudan verwüsten, „sondern auch die gesamte Region in Mitleidenschaft ziehen“.