Oscars: Man hat es schwergewichtig in Hollywood
Gleich am Anfang im Oscar-Epos The Brutalist steht die Freiheitsstatue auf dem Kopf. László Tóth, ein jüdischer Architekt und Überlebender des Holocaust, kommt 1947 auf einem Boot voller Einwanderer in den USA an. Mit wackligen Beinen geht er an Deck und blinzelt Richtung Kamera, gleich wird sein Boot in Ellis Island einlaufen. Tóth aber sieht orientierungslos aus, er lacht ein bisschen irre, und diese Gefühle sind offenbar ansteckend. Mit einem wilden Kameraschwenk zum Himmel nimmt The Brutalist auch seinem Publikum die Orientierung, als hätte irgendetwas dem Dreieinhalbstunden-Film schon nach wenigen Minuten den Boden unter den Füßen weggezogen. An der Freiheitsstatue findet die Kamera schließlich Halt, aber falschrum eben, wie eingefroren im freien Fall.