Ohne Warnstreiks: Lokführer bekommen fünf Prozent mehr Gehalt verbleibend zwei Jahre

Die Deutsche Bahn und die Lokführergewerkschaft GDL haben sich auf
deutliche Gehaltserhöhungen verständigt. Die Gehälter sollen in zwei Schritten um insgesamt fünf Prozent zulegen, ⁠wie beide Seiten am Freitag in Berlin mitteilten. Hinzu kommt eine Einmalzahlung in Höhe von 700 Euro im April 2026. Der neue Tarifvertrag hat eine Laufzeit von 24 ‌Monaten bis Ende 2027.

„Wir haben gerade zum Schluss intensiv gerungen, aber es ist immer konstruktiv und sachlich geblieben“, sagte Bahn-Personalvorstand Martin Seiler. „Dadurch konnten wir uns zum ‌ersten Mal seit Jahren ‌ohne Streiks einigen.“ GDL-Chef Mario Reiß sagte, mit dem Abschluss seien Eisenbahnberufe attraktiver geworden. Er verwies unter anderem auf die Einführung einer neuen achten Entgeltstufe für Beschäftigte mit mindestens 35 Jahren Berufserfahrung. Sie gebe einen Anreiz für eine längere Berufstätigkeit.

Zum ⁠August 2026 sollen die Gehälter der Lokführer um 2,5 Prozent angehoben werden, im August 2027 dann noch einmal um 2,5 Prozent. Die Einmalzahlung für Azubis beträgt 350 Euro. Außerdem gibt es laut GDL spürbare ⁠Verbesserungen bei ‌bestehenden Zulagen. Die Tarifverträge der GDL gelten für rund 10.000 Mitarbeiter, etwa fünf Prozent des gesamten Konzerns. Neben dem Staatsunternehmen DB verhandelt die GDL auch mit rund 60 anderen Tarifpartnern.

In der ⁠Vergangenheit waren die ⁠Verhandlungen unter dem mittlerweile ausgeschiedenen GDL-Chef Claus Weselsky immer wieder von langen Streikwellen und scharfen ⁠gegenseitigen Vorwürfen geprägt gewesen. Dieses ⁠Mal liefen sie seit Anfang Januar in mehreren langen Blöcken ab, ohne dass es Streiks ‌gab. Bis Ende Februar galt noch eine Friedenspflicht. Diese soll es auch beim nächsten Mal geben, bis Ende März 2028. Beide Seiten haben also drei Monate Zeit für Verhandlungen nach Auslaufen des Tarifvertrags.

Verhandlungen seit Anfang Januar

Begonnen hatten die Verhandlungen im Januar. Der Tarifvertrag war Ende Dezember ausgelaufen. Insgesamt fünf Verhandlungsrunden waren angesetzt. Bis einschließlich Februar galt eine Friedenspflicht, während der die GDL nicht zu Arbeitskämpfen aufrufen konnte. Wären die Verhandlungen diese Woche gescheitert, hätten im März umfassende Warnstreiks mit erheblichen Auswirkungen auf den bundesweiten Bahnverkehr gedroht.

Als Knackpunkt in den Verhandlungen galten auch Vorschläge der Bahn hinsichtlich des sogenannten Tarifeinheitsgesetzes. Dieses sieht vor, dass in einem Betrieb nur die Tarifverträge derjenigen Arbeitgebervertretung angewendet werden, die dort die Mehrheit der Mitglieder hat.

In den meisten der rund 300 Bahn-Betriebe ist das die größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Die Bahn wollte mit der GDL ein Verfahren vereinbaren, bei dem mit notarieller Hilfe die gewerkschaftlichen Mehrheiten vor allem in umstrittenen Betrieben genauer ermittelt werden können.

Tarifrunde ohne Streiks und nennenswerte Zwischentöne

Die Tarifrunde ging nicht nur ohne Streiks zu Ende, beide Seiten verzichteten auch auf in der Öffentlichkeit ausgetragene Streitereien. Lediglich nach der Vorlage des Arbeitgeberangebots äußerte sich GDL-Chef Mario Reiß kritisch über die Bahn und warf ihr eine Verzögerungsstrategie vor.

Reiß drohte damals auch mit dem Abbruch der Verhandlungen und möglichen Warnstreiks, verhandelte aber in den folgenden Tagen weiter. Die Bahn mit Personalvorstand Martin Seiler verzichtete vollständig auf kritische Äußerungen über den Verhandlungspartner.