„Notizen für John“ von Joan Didion: Was wir den Kindern mitgeben
Was wirft man weg, was behält man von den Dingen, die uns von unserem Leben erzählen? Was möchten wir bei uns haben, bis zum Schluss, was ist so intim, dass es in Sicherheit gebracht werden muss, bevor andere unser Zuhause ausräumen, nach unserem Tod? Dringliche Fragen, besonders für Leute, die ihr Privates hüten, Leute wie die amerikanische Kulturkritikerin Joan Didion, die 2021 hochbetagt starb, mit 87 Jahren.
Didion wird verehrt, wegen der Präzision ihrer Texte, etwa in den Reportagen, die im Band Stunde der Bestie versammelt sind, unter Zeilen von W. B. Yeats: „Alles zerfällt, die Mitte hält nicht mehr“. Klarsichtig sah sie, schon Mitte der Sechzigerjahre, wie der Amerikanische Traum zerbrach. Didionesk nennt man sowohl Stil und Style, hier der spröde, klare Ton, dort das Corvette-Cabrio und die riesigen Sonnenbrillen, hinter denen sie sich versteckte – und die, welche Ironie, ihr Markenzeichen wurden, bis hin zu dieser Céline-Werbung von 2015, man sieht eine fragile Greisin, beschattet von einem Mega-Schildpattimitat. Und nun: 150 getippte Seiten. Ein Fundstück aus ihrem Office, das Stundenprotokoll einer Psychotherapie aus dem Jahr 2000.