Niederländischer Discounter: Action steckt Hunderte Millionen in Sprung nachdem USA

Während sich der Discounter Kik in Europa mit seinem Wachstum überfordert zeigt, expandiert der niederländische Konkurrent Action ungebremst. Die Kette will nicht nur Hunderte neue Filialen in Europa eröffnen, sondern bald auch nach Amerika vordringen. Bis Ende 2030 sollen in den USA 100 Geschäfte eröffnen, wie Action am Donnerstag ankündigte. Den Anfang soll ein Standort im Südosten machen, und zwar bis Ende 2027 oder Anfang 2028.

Action baut dazu gerade eine Landesorganisation auf, die aus angestammten Action-Managern und Kräften mit örtlicher Expertise besteht. „Wir beabsichtigen, zwischen 350 und 400 Millionen Euro zu investieren in der Periode zwischen 2026 und 2030“, sagte die Vorstandsvorsitzende Hajir Hajji im F.A.Z.-Gespräch. Nach der Expansion in Europa habe man die Erfahrung und das Wissen und Können, um auch in Amerika den Schritt zu unternehmen. North Carolina, South Carolina und Georgia – „das ist die Region, wo wir beginnen wollen“. Dort gebe es eine wachsende und diverse Bevölkerung – und damit ein geeignetes Testgebiet.

Der Textil- und Haushaltswaren-Discounter Kik hatte dagegen diese Woche angekündigt, in Deutschland und anderswo Filialen zu schließen. Man habe zu dicht expandiert, hieß es zur Begründung. Manche Filialen lägen zu nah beieinander.

Der Komet im Einzelhandel

Action, 1993 in der Provinz Nordholland gegründet, ist eine Art Mischung aus Woolworth, Drogerie- und Baumarkt. Das Unternehmen ist der Komet im europäischen Einzelhandel und eine extrem lukrative Mehrheitsbeteiligung für das britische Private-Equity-Haus 3i. Es betreibt momentan 3300 Filialen in 15 europäischen Ländern. Im laufenden Jahr sollen mindestens 400 neue Filialen in Europa die Tür öffnen, erstmals auch welche in Kroatien und Slowenien. Im kommenden Jahr will Action Bulgarien erschließen. Action steigerte im vergangenen Jahr den Umsatz um ein Sechstel auf 16 Milliarden Euro und das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) annähernd proportional auf 2,4 Milliarden Euro.

Dazu trugen 384 neue Geschäfte bei. Darum bereinigt zog der Umsatz um fünf Prozent an. Im laufenden Jahr ist der Umsatz in den ersten zwölf Wochen etwa im selben Umfang gewachsen, nämlich um 14,5 Prozent, flächenbereinigt um vier Prozent. Investoren hegen extrem hohe Erwartungen an Actions Dynamik, wie sich in der Vergangenheit schon am Aktienkurs des Eigentümers 3i zeigte. Fällt das Wachstum nicht hoch genug aus, stürzt der Kurs ab. Am Donnerstag verlor die 3i-Aktie in London acht Prozent an Wert – Hajji sah keinen Zusammenhang mit den US-Plänen, sondern verwies auf die derzeitige Wachstumsschwäche in Frankreich, die Marktstimmung und auf die Weltpolitik. „Ich kann mir vorstellen, dass es mit allem, was im Nahen Osten geschieht, gerade unsichere Zeiten sind.“

In der Private-Equity-Branche hat kaum ein Einzelunternehmen ein derartiges Gewicht im Portefeuille wie Action in jenem von 3i. Der Mehrheitsanteil an der Schnäppchenkette steuert mehr als zwei Drittel zum Portfoliowert in dem Beteiligungshaus bei. 3i hatte im Jahr 2011 ein Mehrheitspaket an Action erworben und baut seitdem den Anteil immer weiter aus. Zuletzt bezifferte der Finanzinvestor den Anteil auf 62 Prozent und maß ihm umgerechnet etwa 26 Milliarden Euro Wert bei.

Das Management nennt als Gründe für den Erfolg unter anderem den Einkauf in hohen Volumina, niedrige Zentralen-Kosten, einheitliche Prozesse und Gestaltung in den Läden. Auch begnügt sich Action nach eigener Darstellung mit moderateren Margen als andere und hält so die Preise niedrig. Vom Shampoo über Bürobedarf und Handtücher bis zu Pfannen ist alles zu haben. Als Besonderheit besteht das Sortiment zu einem bedeutenden Teil aus wechselnden Waren.

Source: faz.net