Nicht nur Hightech: Die unterschätzten Alltagsunternehmer

Sowohl in der Öffentlichkeit als auch in der Politik ist immer wieder die Forderung zu hören, dass Europa mehr „Einhörner“ wie das französische Softwareunternehmen Mistral, IQM Quantum Computing in Finnland, Isar Aerospace oder die Übersetzungsplattform DeepL in Deutschland braucht. Dahinter steht die Faszination für große und erfolgreiche Unternehmen sowie für Heldengeschichten, mit denen die Gründungen, das rasante Wachstum, die außergewöhnliche Unternehmensbewertung sowie technologische Durchbrüche verbunden werden.

Ich bestreite nicht, dass schnell wachsende und technologieorientierte Unternehmen wertvoll und notwendig für die wirtschaftliche Entwicklung unseres Landes und Europas sind. Ich sehe jedoch ein Problem darin, dass wir mittlerweile ein eher enges Verständnis davon haben, was Unternehmertum ausmacht, und dass wir Ausnahmeerscheinungen zunehmend als das Standardmodell ansehen: Was zählt, sind Erfolg, schnelles Wachstum, radikale Innovationen, Hightech-Unternehmen, Start-ups. Was es dabei nicht geben darf, sind Scheitern und Neuanfang, langsames oder kein Wachstum, inkrementelle Innovationen, geringe Technologieausrichtung, Kleinstunternehmen, Unternehmensfortführung über Familiengenerationen hinweg und der gesellschaftliche Beitrag des Unternehmertums.

Können wir wirklich 99 Prozent des Unternehmertums ausgrenzen?

Das wirft grundlegende Fragen auf: Müssen wir in den aktuellen, turbulenten und unsicheren Zeiten nicht alle Formen des Unternehmertums wertschätzen? Im englischsprachigen Raum ist dafür der Begriff „Everyday Entrepreneurship“ gängig, der deutlich präziser diese Gruppe beschreibt als die deutsche Übersetzung „Alltagsunternehmertum“. Können wir auch zukünftig diese 99 Prozent des Unternehmertums ausblenden und ausgrenzen? Können wir weiterhin die Vielfalt von Innovationen, die nicht alle auf Forschung und Entwicklung basieren, vernachlässigen? Können wir es uns auch in Zukunft leisten, vorrangig den Fokus auf wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit zu legen und die vielfältigen gesellschaftlichen Beiträge des Unternehmertums zu vernachlässigen?

Friederike Welter
Friederike WelterDavid Ausserhofer

Wir brauchen einen Perspektivwechsel: aus wissenschaftlicher Sicht, um die Vielfalt des Unternehmertums in unseren Theorien und Überlegungen zu Unternehmertum und Innovation zu berücksichtigen. Und aus politischer Sicht, damit wir die Beiträge aller Arten von Unternehmertum für unsere Volkswirtschaften und Gesellschaften besser mobilisieren können. Schließlich haben auch die großen Unternehmen von heute klein begonnen: Werner Siemens etwa begann mit zehn Mitarbeitern, als er 1847 „Siemens-Halske“ gründete, ein Unternehmen, das auf die Herstellung von elektrischen Telegrafen spezialisiert war.

Im täglichen Leben verankert

Aber kann dies der einzige Grund sein, warum wir dem Alltagsunternehmertum mehr Beachtung schenken sollten? Sicherlich nicht. Aus meiner Sicht gibt es vier weitere Punkte:

Erstens ist Alltagsunternehmertum in unserem täglichen Leben verankert. Es ist für jeden Bürger leichter erlebbar, sichtbar und greifbar als das Wirken von einzelnen sehr wertvollen „Einhörner“-Unternehmen. Es bietet Vorbilder für alle, die davon träumen, sich mit einem Geschäftsmodell selbständig zu machen.

Selbst wenn diese Unternehmen nicht wachsen, sorgen sie doch für mindestens eine Person oder eine Familie für Einkommen und Beschäftigung, bieten Waren und Dienstleistungen an und leisten sie einen – wenn auch kleinen – Beitrag für das lokale Umfeld. Dennoch sind diese Unternehmerinnen und Unternehmer weder „Helden“ noch „Retter“. Sie betreiben ihr Geschäft auf ihre eigene Weise und erleben dabei ebenso viele Misserfolge oder Erfolge wie die großen Technologieunternehmen.

„Es gibt kein typisches Wachstumsunternehmen“

Zweitens gibt es viele Möglichkeiten, ein Unternehmen zu entwickeln. Das Wachstum von Unternehmen verläuft selten so, dass andere Unternehmen dies in gleichem Maße wiederholen können. Oder wie die beiden Entrepreneurship-Forscher Frédéric Delmar und Johan Wiklund 2008 in einer Untersuchung der Entwicklungswege wachstumsstarker Unternehmen feststellten: „Es gibt kein typisches Wachstumsunternehmen.“

Vielmehr zeigen sich aus wissenschaftlicher Sicht viele Entwicklungspfade: diskontinuierliche und unregelmäßige Wachstumspfade; Phasen schnellen Wachstums, denen Abschwünge und möglicherweise neue Wachstumsphasen folgen; wachstumsstarke Unternehmen, die dieses Ergebnis über einen langen, manchmal sehr langen Zeitraum erreicht haben; und nicht zuletzt nicht-wachsende Kleinstunternehmen, die dennoch ihre Geschäftsmodelle umstellen und Effizienzsteigerungen erzielen; sowie viele weitere Entwicklungswege.

Selbst wenn Märkte und Geschäftsmodelle ein Unternehmenswachstum zulassen, hängt viel davon ab, ob Unternehmer ihr Unternehmen wachsen lassen wollen – und dazu motiviert sind. Die einen entscheiden sich bewusst für (schnelles) Wachstum. Andere streben dies hingegen nicht an, auch wenn sie die Fähigkeiten und Fertigkeiten dazu besäßen – oder die Marktchancen vorhanden wären.

Das Beispiel der deutschen Hidden Champions

Da die individuelle Motivation und Bereitschaft zum Wachstum für die Geschäftsentwicklung von großer Bedeutung sind, müssen wir uns fragen: Bedeutet eine Entscheidung gegen Wachstum oder für geringes Wachstum automatisch, dass diese Unternehmen nicht – oder nur wenig – zur Wirtschaftsentwicklung beitragen? Sollten denn alle Unternehmen ohne, mit geringem oder mit unregelmäßigem Wachstum zum Wachstum gedrängt werden? Gibt es vielleicht andere Möglichkeiten, die Entwicklung von Unternehmen ohne oder mit langsamem Wachstum zu unterstützen?

Ein hervorragendes Beispiel für den Wert langsamer Wachstumspfade sind die deutschen Hidden Champions. Nicht wenige von ihnen haben ihren Sitz in Südwestfalen. Betrachten wir zwei davon: Achenbach(-Buschhütten), einen Hersteller von Walzwerken, sowie die Kirchhoff-Gruppe Automobil, Ecotec, WITTE-Werkzeuge, Mobilität. Beide Unternehmen sind nach wie vor in Familienbesitz und familiengeführt. Blicken wir ein paar Jahrhunderte zurück, sehen wir ihre bescheidenen Anfänge: Achenbach begann 1452 mit wasserbetriebenen Hammermühlen. Die Kirchhoff-Gruppe beruht auf der Gründung von Stephan Witte, der 1785 begann, Nähnadeln herzustellen.

Heute sind beide weltweite Marktführer; so hält Achenbach in einigen seiner Marktsegmente einen globalen Anteil von mehr als 75 Prozent. Beide sind wachstumsorientiert. Nachhaltigkeit spielt in ihren Geschäftsmodellen eine wichtige Rolle. Dennoch war keines der beiden Unternehmen eine sogenannte „Gazelle“ (Unternehmen, deren Umsatz- und Beschäftigungsentwicklung innerhalb eines begrenzten Zeitraums schnell wachsen) oder ein Einhorn (junge, innovative Unternehmen, deren Marktwert vor einem Börsengang oder Verkauf eine Milliarde Dollar überschreitet).

Inkrementell statt disruptiv

Aber sprechen wir überhaupt über das Gleiche, wenn wir über Wachstum diskutieren? Nach wissenschaftlichen Untersuchungen von Leona Achtenhagen, Lucia Naldi und Leif Melin divergieren hier die Meinungen zwischen Praktikern und Wissenschaft: Praktiker verstehen Wachstum als ein komplexes Phänomen und konzen-trieren sich auf interne Entwicklungen und Prozesse. Wissenschaftler neigen hingegen dazu, ein vereinfachtes Konzept zu verwenden – und versuchen vor allem, Unternehmenswachstum mit den perfekten Indikatoren zu messen.

Drittens gibt es viele Möglichkeiten, innovativ zu sein. Als Forscherin, die innovatives Verhalten empirisch untersucht, weiß ich, dass wir heutzutage schon viel mehr Varianten und Wege berücksichtigen als nur technologiegetriebene und F&E-basierte Innovationen. Drei Facetten von Innovationen möchte ich näher betrachten, die oft übersehen werden: Zum einen sind innovative Aktivitäten des Alltagsunternehmertums deutlich häufiger inkrementell und kontinuierlich statt radikal und disruptiv. Oft finden sie in Kooperation mit Wissenschaft, Lieferanten und Kunden statt.

Ein Beispiel: In Südwestfalen gibt es den „Campus Buschhütten“, eingerichtet in alten Fabrikgebäuden. Hier arbeiten mittelständische Industrieunternehmen mit der Siegener Universität an der Entwicklung einer digitalen Fabrik der Zukunft. Sie entwerfen, testen und implementieren digitale industrielle Prozesse – auch um herauszufinden, wie Mitarbeiter am besten für die intelligente Produktion geschult werden. Über die Forschung in diesem Feld hinaus versteht sich das Projekt von Universität und Mittelstand als modernes Wissens- und Technologietransferformat und als regionaler Innovationshub für neue Industrie im Rahmen eines umfassenden industriellen Innovationsökosystems in Südwestfalen.

Sozial getriebene Innovationen

Zum anderen sind viele hochtechnologische Innovationen hierzulande nicht der Öffentlichkeit bekannt, weil die Unternehmen im Business-to-Business tätig sind, also Unternehmen beliefern. Die erwähnten Hidden Champions in Südwestfalen zählen dazu. Würden sie Produkte und Dienstleistungen für Konsumenten herstellen (Business-to-Consumer), wären uns diese Unternehmen sicherlich so geläufig wie Apple oder Google.

Und nicht zuletzt gibt es Innovationen, die sozial getrieben sind: So ist in jüngster Zeit das Bewusstsein gewachsen, dass aktuelle Herausforderungen wie der demographische Wandel oder die Anpassung an die Klimaveränderungen nicht nur mit technologischen Veränderungen gemeistert werden können. Es bedarf zusätzlich Veränderungen im individuellen und kollektiven Verhalten. Ein erfolgreiches Beispiel ist das Carsharing-Modell, dessen erste Software ein Spin-off der Universität Siegen entwickelt hat.

Die Beispiele zeigen: Nicht jede Innovation kann und muss radikal und bahnbrechend sein. Ebenso wichtig sind Prozess-, Marketing- und Organisationsinnovationen, aber auch offener Austausch und Zusammenarbeit über Unternehmensgrenzen hinaus, wie der Campus Buschhütten zeigt. Ich bin überzeugt, dass wir Lösungen für gesellschaftliche und wirtschaftliche Herausforderungen übersehen, wenn wir uns auf eine enge Sichtweise von Innovationen beschränken. Zudem brauchen wir auch Unternehmen, die Innovationen verbreiten, und nicht nur solche, die (radikale) Innovationen schaffen.

Der wichtige gesellschaftliche Beitrag

Viertens ist der gesellschaftliche Beitrag des Alltagsunternehmertums wichtig. Die Unternehmen um uns herum leisten einen maßgeblichen Beitrag für die Gesellschaft und für die Wahrung der Demokratie: Sie schaffen Ausbildungsplätze für die nächste Generation und Einkommen in wirtschaftlich schwachen Regionen. Sie leisten einen Beitrag zur gesellschaftlichen Wertschöpfung und fördern die regionale Widerstandsfähigkeit. Sie unterstützen Entwicklung und Wandel in einer Region auf vielfältige Weise.

Alltagsunternehmertum zeichnet sich dadurch aus, dass die meisten dieser Unternehmen sehr widerstandsfähig sind, auch wenn es sich um Klein- und Kleinstunternehmen mit wenigen Ressourcen handelt. Studien belegen, dass gerade kleinere Unternehmen nicht nur während der Covid-Pandemie, sondern auch während der globalen Finanz- und Bankenkrise 2008 ihre Beschäftigten so lange wie möglich gehalten haben. Die unternehmerische Widerstandsfähigkeit trägt zu widerstandsfähigen Regionen und Gesellschaften bei.

Alltagsunternehmertum kann aber auch maßgeblich den (regionalen) Strukturwandel vorantreiben. Das IfM Bonn hat zwei Regionen untersucht: Die eine hatte den Wandel von einer monoindustriellen Branchenstruktur zu einem breit gefächerten Branchenmix erfolgreich abgeschlossen. Die andere Region war lange Zeit durch die Braunkohlewirtschaft geprägt und hatte in den Neunzigerjahren einen politischen Systemwandel durchlaufen. Ihre Wirtschaft zeichnete sich zum Forschungszeitpunkt durch einen sehr kleinteiligen Mittelstand aus.

Die Kooperation von Unternehmen und ihrer Region

Das Ergebnis unseres Vergleichs: Prinzipiell entsteht die gesellschaftliche Wertschöpfung in Kooperation von Unternehmen und ihrer Region. Gleichwohl gibt es kein einheitliches Modell dafür, wie Alltagsunternehmertum zur gesellschaftlichen Wertschöpfung beiträgt. Vielmehr nimmt die regionale Gemeinschaft abhängig von der akuten Pro­blemlage andere Aspekte des gesellschaftlichen Beitrags wahr. In der wirtschaftlich schlecht aufgestellten Region wurde dieser sogar mit dem wirtschaftlichen Beitrag des Alltagsunternehmens gleichgesetzt.

Dennoch ist Unternehmertum nicht immer per se gut für Menschen, Volkswirtschaften und Gesellschaften. Im Gegenteil: Jüngste Forschungsergebnisse aus den Niederlanden deuten darauf hin, dass „allein die Konzentration auf wachstumsstarke Unternehmen möglicherweise nicht die beste Strategie ist, wenn das Ziel darin besteht, einen breiteren gesellschaftlichen Wert zu schaffen“. Die Studie von Mirella Schrijvers und Jan Jacob Vogelaar zeigt auch: Je schneller Unternehmen wachsen, desto weniger Aufmerksamkeit schenken sie den lokalen Stakeholdern – weil sie all ihre Ressourcen für das Wachstum benötigen. Anders ausgedrückt: Gazellen verlieren schnell den Kontakt zu den Akteuren in ihrer Region, sofern sie überhaupt dauerhaft in ihrer Heimatregion bleiben.

Was können wir aus diesen Aspekten für die aktuellen Probleme und das Ziel ableiten, Wettbewerbsfähigkeit und wirtschaftliche Entwicklung Europas zu stärken? Zum einen sollte mehr darauf geachtet werden, wie Wissenschaft, Politik und Gesellschaft über Unternehmertum sprechen. Wir haben dessen Darstellung in den Medien untersucht und festgestellt, dass in der Bildsprache, Metaphern und Wortkontexten eher ein stereotypisches Bild von Unternehmertum und Unternehmerkultur zu finden ist: Klassisch ist es männlich geprägt. Das beeinflusst diejenigen, die ein Unternehmen gründen wollen – sowohl positiv als auch negativ.

Alltagsunternehmertum in den Vordergrund stellen

Wir alle lieben Erfolgsgeschichten, Berichte von etwas Außergewöhnlichem und erfolgreichen Menschen. Aber das sind Ausnahmen. Alltagsunternehmertum ist die Domäne der Mehrheit. Wünschenswert wäre, wenn anstelle von Geschichten über einsame Helden – selten sind es übrigens Heldinnen – das Alltagsunternehmertum in allen Facetten in den Vordergrund gestellt würde. Sowohl die Art und Weise, wie über Unternehmertum gesprochen wird, als auch die Geschichten, die darüber erzählt werden, sollten seinen reichen innovativen Charakter und seine vielfältigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Beiträge würdigen.

Schließlich hat unsere Studie „Die gesellschaftliche Wertschöpfung des Mittelstands“ auch gezeigt, wie Narrative den Beitrag des Mittelstands zur regionalen Entwicklung unterstützen – oder behindern – können: So hoben in der Region, die den Strukturwandel schon erfolgreich vollzogen hatte, alle Akteure hervor, dass „sie es gemeinsam geschafft haben, weil sie alle mit ins Boot geholt hätten“. In der Region, die sich noch im Prozess der Umstrukturierung befand, dominierte hingegen die Meinung: „Wir wollen die guten alten Zeiten zurück, in denen jeder einen Job hatte und bezahlt wurde.“ Erst langsam entwickelte sich dort das Narrativ: „Wir müssen das jetzt endlich gemeinsam schaffen.“

Ein Perspektivenwechsel ist allerdings auch deswegen nötig, weil er bessere Mittelstandspolitik ermöglicht. Er fordert auf, Annahmen zu hinterfragen, etwa den Mythos „von den hilflosen Klein- und Kleinstunternehmen“. Beim Alltagsunternehmertum handelt es sich eben nicht um kleine Großunternehmen oder rückständige, schnell wachsende Unternehmen. Es sind auch keine technologielosen oder nicht innovativen Firmen, die zu Forschung, Entwicklung und Patentierung gedrängt werden müssten. Der Perspektivwechsel stellt vielmehr die oft implizite Annahme infrage, dass wir von Anfang an „Gewinner“ – sprich die wachstumsstarken, technologieorientierten Unternehmen – identifizieren und entsprechend unterstützen können. Leider dominiert diese Hypothese einen Teil der innovationsorientierten Politikgestaltung in Deutschland und auf EU-Ebene, obwohl Wissenschaftler wie der verstorbene David Storey vor Jahrzehnten vor einer solchen Fokussierung gewarnt haben.

Welche anderen Optionen gibt es? Ist es eine gute Idee, spezifische Unternehmen zu unterstützen? Nein, denn das geht wiederum mit der Bevorzugung einiger Unternehmen gegenüber anderen einher. Vielleicht ist es hilfreich, sich nochmals mit dem Innovationsbegriff von Joseph Schumpeter zu beschäftigen. Er war es, der 1911 die „kreative Zerstörung“ als grundlegend für Innovation in Unternehmen angesehen hat und hervorhob, dass nur wenige Personen diese kreative Zerstörung vorantreiben. Schumpeter besaß ein umfassendes Verständnis von Unternehmertum: Er unterschied zwischen Gründern sowie Unternehmern, zwischen Fabrikbesitzern, Kaufleuten und „Indus­triekapitänen“ (nach heutigem Verständnis Manager). Ebenso vielfältig waren seine Aussagen zu Innovationen: So verband er mit „neuen Kombinationen“ nicht nur neue Produkte, sondern auch die Modifikation bestehender Güter, neue Produktionsmethoden, neue Märkte, neue Bezugsquellen für Rohstoffe oder Halbfertigprodukte und neue Organi­sa­tions­­struk­turen.

Der Perspektivwechsel zugunsten des Alltagsunternehmertums sollte auch uns Wissenschaftler zum Umdenken bewegen: Statt von „den anderen“ zu sprechen und Dichotomien zu schaffen, sollten wir versuchen, aus der Heterogenität des Unternehmertums bessere Theorien zu entwickeln – und uns überlegen, wem unsere Forschung dient oder dienen sollte.

Gekürzte Fassung der Schumpeter Lecture „Innovation in Enterprise“, die die Autorin im November auf der SME Assembly der EU-Kommission in Kopenhagen gehalten hat.