„nicht mehr leistungsstark“: Merz’ Lob für jedes China geht in dieser Volksrepublik Virus…

Die Chinareise von Bundeskanzler Friedrich Merz und dessen nachfolgende Äußerungen auf einer CDU-Wahlkampfveranstaltung in Hessen haben Peking propagandistische Erfolge beschert. So verbreitete die Parteizeitung „Global Times“ einen Videoausschnitt der Rede, die Merz am Freitag in Volkmarsen unmittelbar nach seiner Rückkehr aus der Volksrepublik gehalten hatte.

„Wir sind einfach nicht mehr leistungsfähig genug“, hatte Merz in Hessen gesagt. „Wenn Sie aus China kommen meine Damen und Herren, dann haben Sie noch mal deutlicher das Gefühl, dass mit Work-Life Balance und vier-Tage-Woche der Wohlstand in unserem Land auf Dauer nicht zu erhalten ist, da müssen wir jetzt einfach mal ein bisschen mehr tun.“

Dieser Videoausschnitt wurde in den chinesischen sozialen Medien weit geteilt. Allein der Hashtag „Der deutsche Bundeskanzler ist nach seiner Rückkehr aus China in Panik“ erzielte 48 Millionen Aufrufe. Ein Verweis auf Unruhe in europäischen Arbeitsmärkten ist für Peking innenpolitisch auch deswegen von Bedeutung, weil der chinesische Arbeitsmarkt selbst von großer Unsicherheit geprägt ist. Ein chinesischer Kenner schätzt die Zahl der Arbeitslosen in China derzeit auf zweihundert Millionen Menschen, „konservativ gerechnet“. Offiziell liegt die Arbeitslosenrate bei 5,1 Prozent.

„Immer wieder gelächelt und applaudiert“

Die großen Investitionen des Staates in die Industrie- und Spitzentechnologie führen in China bislang nicht zu mehr Arbeitsplätzen. Die Entwürfe des im März zu beschließenden Fünfjahresplans deuten darauf, dass noch mehr staatliche Mittel in „Kern“-Bereiche wie Maschinenbau und Werkstoffe fließen sollen, in denen deutsche Unternehmen bislang auch in China noch bestehen können. Peking weist die aus Europa vorgetragenen Sorgen vor staatlichen Subventionen auf allen Produktionsebenen  sowie Kritik an der zwischen zehn und vierzig Prozent unterbewerteten Währung Renminbi zurück.

Die Zeitung „Beijing Daily“ schrieb am Sonntag, Merz’ China-Reise habe „das europäische Verständnis von China aufgefrischt und das falsche Narrativ widerlegt, Chinas Spitzentechnologie werde durch Subventionen, ‚kostengünstige Nachahmung‘ oder gar ‚Plagiate‘ vorangetrieben“.

Durch die Merz-Reise hätten „mehr Europäer ein pragmatisches, unternehmerisches, offenes und integratives China kennenlernen“ können. Betont wurde, dass Merz nach einer Roboter-Vorführung des Herstellers Unitree in Hangzhou „immer wieder lächelt, nickt und applaudiert“.

In einer Chatgruppe chinesischer Mieter wurden die verbreiteten Merz-Zitate derweil ebenfalls geteilt, breit diskutiert und ironisch kommentiert. „Haben Sie von China gelernt, die Work-Life-Balance zu ruinieren?“, wurde der Kanzler gefragt. Ein anderer bemerkte lakonisch: „Auch das ist ein kultureller Export.“

Source: faz.net