Neues Dokument in Akten: Trump könnte von Epsteins Taten gewusst nach sich ziehen

Während seiner ersten Präsidentschaft versicherte Donald Trump vor Journalisten, er habe „keine Ahnung“ gehabt, dass Jeffrey Epstein junge Frauen sexuell belästigt habe. Eine Passage aus der jüngsten Tranche von Dokumenten über den Sexualstraftäter stellt das jedoch in Frage. Darin heißt es, Trump habe die Polizeidirektion in Palm Beach angerufen und gesagt, „Gott sei Dank“ hätten sie Epstein gestoppt. Nach Informationen des „Miami Herald“ war das im Juli 2006, kurz nach Bekanntwerden der ersten Ermittlungen gegen Epstein.

Trump soll in dem Gespräch, das der damalige Polizeichef Michael Reiter dem FBI 2019 wiedergab, gesagt haben: „Jeder wusste, dass er [Epstein] das tat.“ Leute in New York hätten gewusst, dass er widerlich sei. Außerdem sei Ghislaine Maxwell Epsteins Komplizin und eine „böse“ Person, auf die man sich konzentrieren solle. Trump gab auch an, er sei einmal anwesend gewesen, als Epstein Teenager bei sich hatte. Er habe sich aber „sofort aus dem Staub gemacht“.

Zuletzt heißt es in der Passage, Trump sei „einer der Allerersten“ gewesen, die sich nach dem Bekanntwerden der Ermittlungen gemeldet hätten. Aus dem Justizministerium hieß es dazu, es lägen keine Beweise dazu vor, dass Trump vor zwanzig Jahren Kontakt zu den Strafverfolgungsbehörden aufgenommen habe.

Lutnick aß 2012 mit Epstein zu Mittag

Trumps Handelsminister Howard Lutnick gab am Dienstag derweil zu, er habe – anders als ursprünglich angegeben – auch nach dessen Verurteilung als Sexualstraftäter noch Kontakt zu Epstein gehabt. In der Anhörung im Senat sollte es eigentlich um die Rolle des Handelsministeriums beim Breitbandausbau gehen. Die Demokraten im Haushaltsausschuss nutzten die Gelegenheit jedoch, um Lutnick nach kürzlich bekanntgewordenen Verbindungen zu Epstein zu befragen. Senator Chris van Hollen warf dem Handelsminister vor, er habe behauptet, 2005 alle Kontakte zu Epstein abgebrochen zu haben; die Epstein-Akten zeigten jedoch ein „ganz andere“ Geschichte.

Nach Lutnicks Darstellung lernte er Epstein kennen, als er in dessen Nachbarhaus in New York zog. Vor dem Kongress gab er an, er habe den Milliardär in den nächsten 14 Jahren jedoch nur noch zwei Mal gesehen und „vielleicht zehn E-Mails“ mit ihm ausgetauscht. Er habe „keinerlei Beziehung“ zu ihm gehabt.

Auf die Frage, ob er auf Epsteins Privatinsel in der Karibik gewesen sei, sagte Lutnick jedoch, er habe 2012 mit ihm auf einem Boot zu Mittag gegessen. Er sei zu diesem Zeitpunkt eigentlich mit der Familie im Urlaub gewesen; seine Frau, seine vier Kinder und seine Nannys seien bei dem Essen dabei gewesen. „Ich weiß nicht mehr, warum wir das gemacht haben“, sagte Lutnick am Dienstag. Nach einer Stunde seien alle gemeinsam aufgebrochen.

Im vergangenen Oktober hatte der Handelsminister in einem Podcast gesagt, er habe 2005 beschlossen, sich nicht mehr mit Epstein zu treffen. Dieser habe gegenüber Lutnick und dessen Frau während einer Führung durch sein Haus Andeutungen über seine sexuellen Begegnungen mit Frauen gemacht. Danach hätten sie „nie wieder mit diesem widerlichen Menschen in einem Raum“ sein wollen.

Senator van Hollen warf Lutnick am Dienstag vor, die amerikanische Öffentlichkeit mit diesen Aussagen „völlig in die Irre“ geführt zu haben. Dass er den Eindruck vermittelt habe, keinen weiteren Kontakt zu Epstein gehabt zu haben, untergrabe seine Glaubwürdigkeit. Der Besuch auf der Insel zeuge von „extrem schlechten Urteilsvermögen“. Der Minister habe „noch viel zu erklären“.

Mehrere Demokraten und einzelne Republikaner fordern Lutnicks Rücktritt angesichts seines Kontakts zu Epstein. Doch die Regierung steht bislang weiter hinter ihm. Ein Sprecher des Handelsministerium sagte in einer ersten Reaktion auf die Veröffentlichung der Dokumente, das Augenmerk der Medien auf Lutnick sei ein Versuch, „von den Errungenschaften der Regierung abzulenken“. Trumps Sprecherin Karoline Leavitt hob am Dienstag hervor, Lutnick bleibe ein „sehr wichtiges Mitglied“ des Teams des Präsidenten und genieße die volle Unterstützung Trumps.

Source: faz.net