Neuer Test sagt Alzheimer mit erstaunlicher Genauigkeit vorne

Ein neuer Test könnte künftig mit minimalem Aufwand vorhersagen, ob und wann erste Alzheimer-Symptome auftreten. Bislang war die Diagnose – meist über invasive Hirnscans – aufwendig und teuer.

Die Alzheimer-Krankheit zählt zu den häufigsten Formen von Demenz. Stück für Stück kommt es bei Betroffenen zu fortschreitendem Gedächtnisverlust. Bisher ließ sich nicht sagen, ob und wann die Krankheit ausbrechen wird. Das könnte sich nun ändern. Forscher haben einen Bluttest entwickelt, der mit einer Abweichung von drei bis vier Jahren voraussagt, wann die ersten Alzheimer-Symptome auftreten könnten.

Die Studie wurde kürzlich im Fachmagazin „Nature Medicine“ veröffentlicht. Für die Untersuchung analysierte das Forscherteam Daten aus zwei langjährigen Alzheimer-Forschungsinitiativen. Insgesamt nahmen 603 ältere Erwachsene teil.

„Unsere Arbeit zeigt die Machbarkeit von Bluttests zur Vorhersage des Ausbruchs von Alzheimer-Symptomen. Diese sind deutlich günstiger und leichter zugänglich als bildgebende Verfahren des Gehirns oder Untersuchungen der Rückenmarksflüssigkeit“, wird die leitende Autorin der Studie Suzanne E. Schindler in einer Mitteilung zitiert.

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Um abzuschätzen, in welchem Alter Alzheimer-Symptome auftreten, analysierten die Forscher das Protein p-tau217 im Blutplasma. Die Untersuchung zeigte, dass sich mit steigender Konzentration des Proteins im Plasma auch mehr Amyloid und Tau im Gehirn ansammeln. Amyloid und Tau sind Hauptmerkmale der Alzheimer-Krankheit. Beide Proteine häufen sich viele Jahre vor dem Auftreten von Alzheimer-Symptomen im Gehirn.

„Amyloid- und Tau-Werte verhalten sich ähnlich wie Baumringe – kennt man die Anzahl der Ringe, weiß man, wie alt ein Baum ist“, sagt Kellen Petersen in einer Mitteilung. Sie ist ebenfalls Autorin der Studie. „Es hat sich herausgestellt, dass sich Amyloid und Tau ebenfalls in einem regelmäßigen Muster ansammeln und dass das Alter, in dem sie nachweisbar sind, stark vorhersagt, wann jemand Alzheimer-Symptome entwickeln wird. Wir haben festgestellt, dass dies auch für das Plasma-p-Tau217 gilt, das sowohl Amyloid- als auch Tau-Werte widerspiegelt.“

Im Schnitt erst rund 20 Jahre später Symptome

Die Modelle des Forschungsteams sagten mit einer Abweichung von drei bis vier Jahren voraus, in welchem Alter erste Symptome auftreten würden. Ältere Personen wiesen im Vergleich zu jüngeren Teilnehmern eine kürzere Zeitspanne zwischen dem Auftreten erhöhter p-tau217-Werte und dem Beginn der Symptome auf. Das Gehirn jüngerer Menschen ist demnach möglicherweise widerstandsfähiger gegenüber neurodegenerativen Erkrankungen. Ältere Menschen hingegen entwickeln bereits bei geringerer Alzheimer-Pathologie Symptome.

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So entwickelten Personen, bei denen erhöhte p-tau217-Werte bereits mit 60 Jahren gemessen wurden, im Schnitt erst rund 20 Jahre später Symptome. Waren die p-tau217-Werte erst im Alter von 80 Jahren erhöht, traten die Symptome bereits elf Jahre später auf.

„Mit weiterer Verfeinerung haben diese Methoden das Potenzial, den Symptombeginn so genau vorherzusagen, dass wir sie in der individuellen Patientenversorgung eingesetzt werden könnten“, wird Petersen zitiert. Mitautorin Schindler hofft, dass der Bluttest dazu beitragen könnte, die Art und Weise der Diagnose zu revolutionieren und so schon frühzeitig zu therapieren: „Langfristig ist das Ziel, einzelnen Patienten sagen zu können, wann sie voraussichtlich Symptome entwickeln werden. Dies wird ihnen und ihren Ärzten helfen, einen Plan zur Vorbeugung oder Verlangsamung der Symptome zu entwickeln.“

Derzeitige Untersuchungen zu Alzheimer sind teuer, aufwendig und invasiv. Ein Beispiel ist die spezielle PET-Untersuchung, bei der mit radioaktiven Stoffen Gehirnprozesse sichtbar gemacht werden.

Source: welt.de