Neue Recherche: Wurde Banksys Identität irreversibel enthüllt?

Ein schwarz-weißes Streetart-Gemälde zeigt einen Gorilla, der Tiere, unter anderem eine Robbe und Vögel frei lässt

Stand: 16.03.2026 • 19:43 Uhr

Eine detaillierte Recherche enthüllt offenbar den bürgerlichen Namen des Graffiti-Künstlers Banksy. Dessen Fans sind jedoch nicht begeistert – denn die Anonymität ist Teil von Banksys Kunst.

Der frühere BBC-Journalist Nigel Wrench führte 2003 ein Interview mit einem Künstler, der in einem Warenlager in Ost-London seine Graffiti-Arbeiten ausstellte: Antiautoritäre Motive, Schweine in Polizeihosen, Winston Churchill mit Irokesenhaarschnitt aus Gras.

Der Künstler erklärte damals, er feiere mit seinen Wandsprühereien den Vandalismus, es sei die effektivste Art, Kunst zu machen. Und der Künstler erklärte weiter, er werde bei der Eröffnung seiner Ausstellung am Abend nicht dabei sein. Als Graffiti-Künstler könne man sich eben nicht lächelnd neben seine Werke stellen. Man werde eher als „Typ“ wahrgenommen, wenn die Leute nicht wüssten, wer man ist.

Als Wrench den Künstler bat, seinen Namen zu bestätigen, sagte der: „Robbie Banks“.

Jahrzehntelange Spekulationen – und ein Deckname

Dies ist eines der wenigen Interviews, von denen ziemlich sicher ist, dass der echte Künstler, der hinter Banksy steckt, wirklich Auskunft gab. Über Banksys richtigen Namen wird seit Jahrzehnten spekuliert. Und laut einer intensiven Recherche der Nachrichtenagentur Reuters soll Bansky aktuell David Jones heißen.

Das ist natürlich nicht sein ursprünglicher Name. Den Namen David Jones soll er etwa zu der Zeit angenommen haben, als die Mail on Sunday 2008 geschrieben hatte, dass sich hinter Banksy der Künstler Robin Gunningham aus Bristol verberge. David Jones ist die Männernamen-Kombination, die es im Vereinigten Königreich am häufigsten gibt, würde sich also gut als Deckname eignen.

Kunstwerk in der Nähe von Butscha

Ausgegraben hat den Namen Simon Gardner von der Agentur Reuters, der in der Ukraine recherchierte, nachdem Banksy dort 2022 nach Kriegsbeginn Graffitis gesprüht hatte. Eines davon im Dorf Horenka nahe Kiew. Das Motiv an einer zerbombten Häuserwand zeigt einen Mann, der sich in einer Badewanne den Rücken schrubbt.

Gardner schilderte in der BBC, wie er dazu kam: Die Sprüherei sei nur ein paar Meilen entfernt von Butscha aufgetaucht, wo er die Gräueltaten der russischen Armee untersuchte. Ihn habe dieser harte Kontrast zwischen dem Horror und dem surrealen Graffiti getroffen. Und als großer Banksy-Fan habe er den Plan gefasst, mehr über Banksys Identität zu erfahren.

Dieses Graffiti in der Ukraine soll von Banksy stammen.

Zeugenaussagen geben Hinweise

Gardner konnte mit Hilfe von Zeugenaussagen schließlich drei Männer identifizieren, die in Horenka wohl das Wandbild anbrachten: Darunter war ein Fotograf namens Giles Duley, den man wegen seiner Beinprothesen gut identifizieren konnte.

Dann Robert Del Naja, der Frontman der Trip-Hop-Band Massive Attack, der auch lange verdächtigt wurde, hinter Banksy zu stecken. Und der Dritte war eben ein Mann namens David Jones, der laut Papieren am selben Tag Geburtstag hat wie Robin Gunningham.

Kunst – oder Sachbeschädigung?

Banksys Anwalt sagt, nicht alles, was in dem Reuters-Artikel steht, entspreche der Wahrheit. Und er hatte Reuters offenbar gebeten, die Geschichte nicht zu veröffentlichen – mit dem Hinweis, das gefährde Banksys Privatsphäre und seine Arbeit. Gardner hält dem entgegen, Banksys Anonymität berge die Gefahr, dass er über dem Gesetz stehe.

So habe Bansky unlängst in London ein provokantes Schablonenbild an die Außenwand eines denkmalgeschützten Gerichtsgebäudes gesprüht. Das sei Sachbeschädigung, die Entfernung habe rund 25.000 Euro gekostet, aber das Justizministerium wolle nicht sagen, ob Banksy belangt wurde.

Banksy-Fans sind sauer

Andere Streetart-Künstler monieren schon länger, dass ihre Malereien als Vandalismus geahndet würden. Nur wenn Banksy etwas sprüht, dann sei das Kunst.

Doch Banksy-Fans reagieren im Internet überwiegend sauer auf die Enthüllung. Banksys Anonymität sei eben Teil seiner Kunst. Und sie ist natürlich auch wichtiger Bestandteil seiner lukrativen Vermarktungsstrategie.

Trotzdem nennt auch James Peak, der die BBC-Podcast-Reihe „The Banksy Story“ veröffentlicht hat, das Outing durch Reuters „Spielverderberei“. „Banksy muss doch weiterhin die Möglichkeit haben, überall unerkannt plötzlich aufzutauchen, seine brillante provokative Kunst zu hinterlassen und wieder zu verschwinden. Und das geht nicht mehr, wenn die Leute ihn kennen.“

Source: tagesschau.de