Neue Mobilitätsstudie: Ans Homeoffice gefesselt

Deutschland ist gut zu Fuß. Rund ein Viertel der Wege legen die Bürger auf ihren zwei Beinen zurück, das ist die uneingeschränkt gute Nachricht der neuen Mobilitätsstudie des Bundesverkehrsministeriums. Die groß angelegte Untersuchung legt die Vorlieben der Menschen schonungslos offen. Sie ist nicht nur ein wichtiger Bestandteil der Verkehrsplanung, sondern gibt auch einen Einblick in die Volksseele.
Ärzte und Krankenkassen dürfte dieser Hang zum „schreitenden Individualverkehr“ freuen, ebenso die Tatsache, dass es immer noch deutlich mehr Fahrräder als Autos gibt, auch wenn die Zahl der Pkw unablässig steigt. Sie liegt inzwischen bei knapp 50 Millionen; damit leistet sich jeder Haushalt rechnerisch 1,2 Autos. Mit rund 81 Millionen ist die Fahrradflotte jedoch deutlich größer. Dort ist auch die E-Mobilität weiter verbreitet: Ein Sechstel der Räder ist mit einem Elektromotor ausgestattet.
Die Büros verwaisen immer mehr
Über die schiere Zahl der Autos darf man sich hingegen wundern. Sie zeigt zum einen, dass die Menschen offensichtlich völlig unbeeindruckt waren von der Anti-Auto-Kampagne, die die Grünen in der Ampelkoalition geführt haben. Andererseits werden Autos zwar gekauft, aber offensichtlich nicht mit der gleichen Leidenschaft gefahren: Die Verkehrsleistung ging in den vergangenen Jahren zurück. Die Deutschen bleiben häufiger zu Hause und nutzen die Vorzüge des Homeoffice, während ihre Autos viel mehr öffentlichen Parkraum verbrauchen als noch im Jahr 2017.
Die Bürger sind also deutlich weniger mobil als früher. Dass viele Büros verwaisen, kann man als notwendige Konsequenz einer zunehmend digitalen Welt sehen und sicher auch als einen Zugewinn an Lebensqualität. Allerdings besteht auch der berechtigte Verdacht, dass es allzu oft eine erzwungene Heimeligkeit ist: Der miserable Zustand der Deutschen Bahn hält immer mehr Pendler zurück, und ellenlange Staus durch Baustellen machen auch das Pendeln mit dem Pkw zur Tortur. Die marode Infrastruktur wird in Deutschland schon lange beklagt, und diese Studie ist – allen guten Nachrichten zum Trotz – kein Zeichen für Entwarnung.