Neue KI-Allianz: Open AI und AMD verbünden sich

Im Geschäft mit Künstlicher Intelligenz geht es Schlag auf Schlag mit milliardenschweren Allianzen. Open AI , der Entwickler des KI-Systems ChatGPT, hat jetzt seine zweite große Kooperation mit einem Anbieter von KI-Chips innerhalb weniger Wochen angekündigt. Im September war das Nvidia, jetzt ist es der Wettbewerber Advanced Micro Devices (AMD).

In beiden Fällen geht es Open AI darum, sich Chips für den Ausbau seines Netzes an Rechenzentren zu sichern, die für die Entwicklung und den Betrieb von KI-Systemen notwendig sind. Und in beiden Fällen handelt es sich nicht einfach nur um Aufträge, sondern es wurde auch eine Kapitalverflechtung vereinbart. Dabei sind die Transaktionen allerdings unterschiedlich strukturiert: Nvidia will bis zu 100 Milliarden Dollar in Open AI investieren. Die jetzt verkündete Vereinbarung sieht vor, dass Open AI einen Anteil von bis zu zehn Prozent an AMD bekommen könnte.

Die Börse zeigte sich von dem Schulterschluss von Open AI und AMD begeistert. Der Aktienkurs von AMD stieg am Montag zeitweise um 35 Prozent auf ein neues Rekordhoch von mehr als 220 Dollar. Damit hat die Aktie nun seit Jahresbeginn mehr als 80 Prozent an Wert gewonnen, und der Börsenwert übersteigt 350 Milliarden Dollar. AMD gilt als einer der wichtigsten Wettbewerber von Nvidia im Geschäft mit KI-Chips, hat aber bisher noch einen gewaltigen Rückstand.

Open AI nennt AMD jetzt einen „Kernpartner“

Das Bündnis mit Open AI bringt AMD in diesem Geschäft nun einen namhaften Partner. Der Chipspezialist sagte am Montag in einer Mitteilung, es seien mehrere zehn Milliarden Dollar Umsatz aus dieser Kooperation zu erwarten. Nvidia ist im Moment mit einer Marktkapitalisierung von mehr als 4,5 Billionen Dollar das wertvollste Unternehmen der Welt. Am Montag notierte der Aktienkurs von Nvidia leicht im Minus.

Im Rahmen der Allianz von Open AI und AMD sollen Rechenzentren mit einer Leistung von sechs Gigawatt entstehen. Das erste Gigawatt soll in der zweiten Hälfte 2026 ans Netz gehen. Open AI soll Optionsscheine bekommen, die das Unternehmen zum Kauf von AMD-Aktien zu einem Preis von einem Cent je Aktie berechtigen, wenn bestimmte Meilensteine erreicht werden.

Die erste Tranche soll zum Beispiel fällig werden, wenn das erste Gigawatt an Kapazität installiert ist. Zu den Meilensteinen gehört es auch, dass der Aktienkurs von AMD bestimmte Zielgrößen erreicht, bis hinauf zu 600 Dollar. Die Kapitalverflechtung diene dazu, „die strategischen Interessen weiter in Einklang zu bringen“, hieß es in der Mitteilung.

Open AI nennt AMD jetzt einen „Kernpartner“ mit Blick auf den Ausbau von Computerkapazitäten. Nvidia wurde vor wenigen Wochen sogar ein „bevorzugter Partner“ genannt. Die Allianz mit Nvidia sieht den Ausbau der KI-Infrastruktur von Open AI um zehn Gigawatt vor. Nvidia-Vorstandschef Jensen Huang hat unlängst gesagt, der Aufbau eines Gigawatts an Rechnerkapazität koste zwischen 50 Milliarden und 60 Milliarden Dollar. Mehr als die Hälfte davon entfalle auf Chipsysteme. Die im September verkündete Allianz zwischen Open AI und Nvidia ist offenbar so strukturiert, dass Open AI das Geld von Nvidia für den Kauf von Nvidia-Chips verwendet.

Neben Nvidia und AMD arbeitet Open AI mit dem Chipanbieter Broadcom auch an der Entwicklung eigener KI-Chips. Auch jenseits von Chips schließt Open AI hoch dotierte Bündnisse. Kürzlich hat das Unternehmen einen Megaauftrag an den Softwarekonzern Oracle vergeben, der ebenfalls auf die Erweiterung seiner Computerkapazitäten abzielt und nach einem Bericht des „Wall Street Journal“ ein Volumen von 300 Milliarden Dollar haben soll.

Open AI ist mit ChatGPT an der vordersten Front im Rennen um KI-Technologien. Allerdings übersteigen die Summen, die das Unternehmen in seine technische Infrastruktur investieren will, die bisherigen Einnahmen bei Weitem. Berichten zufolge erzielte es zuletzt einen Umsatz von rund einer Milliarde Dollar im Monat, und es dürfte noch hohe Verluste erwirtschaften. ChatGPT hat derzeit nach Angaben von Open AI rund 700 Millionen Nutzer in der Woche. Das Programm ist in seiner Basisversion kostenlos, allerdings gibt es auch kostenpflichtige Varianten.