Naspa-Bilanz: Immer mehr Kunden nutzen Beratung per Video

„Wir sind sehr zufrieden mit dem vergangenen Jahr und haben sehr gute Ergebnisse erzielt, aber ehrlicherweise hatten wir gehofft, dass das Jahr ein bisschen anders abläuft“, sagte Marcus Nähser, Vorstandsvorsitzender der Nassauischen Sparkasse (Naspa), am Mittwoch bei der Präsentation der Bilanz für das vergangene Jahr. Der Naspa gelang es trotz schwieriger Rahmenbedingungen, ihr Betriebsergebnis vor Bewertung auf 144 Millionen Euro zu steigern. Der Gewinn ist allerdings aufgrund höherer Steuern signifikant gesunken. Auch für 2026 rechnet Nähser mit einem herausfordernden Umfeld und erwartet eine „stabile Geschäftsentwicklung auf dem Niveau des Vorjahres“.

2024 hatte der Gewinn der Naspa noch 65 Millionen Euro betragen. Dies war auch durch den Anstieg des Zinsüberschusses um 9,4 Prozent auf 258,7 Millionen Euro und das gute Bewertungsergebnis im Kreditgeschäft gelungen. Im vergangenen Jahr betrug die Zinsmarge 281 Millionen Euro und ist damit um 8,6 Prozent gestiegen. Der Jahresüberschuss sank indes um 38,6 Prozent auf 39,9 Millionen Euro. Das hängt damit zusammen, dass sich die Steuerlast durch Einmaleffekte nahezu verdoppelt hat und das Bewertungsergebnis von 34,5 Millionen Euro auf 47 Millionen Euro stieg. Die Bilanzsumme des Unternehmens beträgt 15,2 Milliarden Euro. Das sind 0,7 Prozent mehr als noch 2024. Bei der Cost-Income-Ratio (Aufwand-Ertrag-Verhältnis) konnte sich das Kreditinstitut um zwei Prozentpunkte auf 61,4 Prozent verbessern.

Die Naspa, deren Geschäftsgebiet vom Westerwald über Limburg und Diez bis nach Frankfurt reicht, beschäftigt derzeit 1652 Mitarbeiter. 2025 wurden 172 neue Arbeitskräfte eingestellt. Laut Nähser ist das ein „Rekord“ und Teil einer vorausschauenden Personalplanung, da die Generation der Boomer in den nächsten Jahren in Rente gehe. Langfristig geht der Vorstandsvorsitzende davon aus, dass die Naspa unter anderem aufgrund des Einsatzes von KI weniger Mitarbeiter beschäftigen wird.

Fünf Millionen Euro für Modernisierung der Filialen

Die Sparkasse betreibt weiterhin 71 Filialen und mittlerweile 29 Selbstbedienungscenter. Im vergangenen Jahr wurde abermals in das Filialnetz investiert, und die Standorte Königstein, Diez, Bad Soden und Wiesbaden-Biebrich wurden für insgesamt rund fünf Millionen Euro modernisiert.

„Das Angstsparen geht weiter, die Menschen haben ihre Reserven liegen lassen“, sagte Nähser zum Privatkundengeschäft. Das sei zwar für die Sparkasse positiv, gleichzeitig wies er darauf hin, dass das Institut seine Kunden gerne stärker dabei unterstützt hätte zu investieren, beispielsweise in Immobilien. Die Kundeneinlagen stiegen um 0,3 Prozent auf mehr als 12,4 Milliarden Euro und bleiben damit auf einem hohen Niveau.

Die Umsätze im Wertpapiergeschäft sind um 20 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro gestiegen. Den größten Anteil machten dabei festverzinsliche Wertpapiere mit rund einer Milliarde Euro aus. Bei den Wohnungsbaufinanzierungen hatte das Geschäft schon 2024 angezogen. Damit hat sich die Prognose von Privatkundenvorstand Michael Baumann, dass die Talsohle bei den Wohnungsbaufinanzierungen durchschritten sei, bestätigt. Laut Baumann stiegen die Finanzierungen von 669 Millionen Euro im Jahr 2024 um 14,1 Prozent auf 763 Millionen Euro im vergangenen Jahr.

2025 vergab die Naspa insgesamt aber weniger Kredite, was Firmenkundenvorstand Frank Diefenbach mit dem Rückgang im Firmenkundengeschäft begründete. Dementsprechend ist der Kreditbestand in Summe um 0,8 Prozent gesunken. „Die Stimmung im Mittelstand war im letzten Jahr einfach schlecht“, sagte Diefenbach. Er hoffe, dass sich das in diesem Jahr ändere, denn in den ersten beiden Monaten seien wieder mehr Investitionen zu beobachten gewesen. Sorge bereitet ihm indes das Kreditwachstum bei der öffentlichen Hand. „Wir bemerken schon die Verzweiflung bei dem ein oder anderen Kämmerer, wie man denn die Löcher stopfen kann“, berichtete er.

Die Naspa baut ihre digitalen Beratungsangebote aus, und dazu gehört auch die Serviceberatung per Video, die in Wiesbaden gestartet wurde und in der es hauptsächlich um Unterstützung bei technischen Problemen geht. 2025 wurden 3500 Videoberatungsgespräche in 23 Sprachen geführt. Wegen der großen Nachfrage sollen die sogenannten Dialog-Inseln nun auch an den Standorten in Diez und Wiesbaden-Biebrich eingerichtet werden. Insgesamt hat die Naspa 276.000 Onlinebanking-Nutzer, etwa 167.000 Kunden haben die S-App auf ihrem Handy.