Nahost-Krieg sorgt pro Stimmungsdämpfer in dieser Wirtschaft
Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im März wie erwartet deutlich verschlechtert. Der ifo-Index fiel wegen des Kriegs im Nahen Osten auf den tiefsten Stand seit über einem Jahr.
Der Iran-Krieg drückt die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Unternehmen deutlich. Der ifo-Geschäftsklimaindex sank im März auf 86,4 Punkte, nach 88,4 Zählern im Februar, wie das Münchner ifo-Institut heute zu seiner Umfrage unter rund 9.000 Führungskräften mitteilte. Dies ist der tiefste Stand seit Februar 2025. Von Reuters befragte Ökonomen hatten mit einem Rückgang auf 86,1 Punkte gerechnet.
Die Firmen blickten ähnlich skeptisch wie zuletzt auf ihre Lage, bewerteten ihre Aussichten aber spürbar schlechter. „Der Krieg im Iran beendet vorerst die Hoffnung auf einen Aufschwung“, sagte ifo-Präsident Clemens Fuest. Der ifo-Index trübte sich in allen untersuchten Bereichen ein – in der Industrie, bei den Dienstleistern, im Handel und am Bau. „Insbesondere im Tourismus und der Logistik haben sich die Aussichten massiv verschlechtert“, so Fuest.
Industrie rechnet mit höheren Preisen
Den Rückgang beim ifo-Index hatten die meisten Fachleute erwartet. „Das kommt angesichts der Eskalation am Golf mit dem scharfen Anstieg der Energiepreise nicht überraschend“, sagte Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank Baden-Württemberg. „Die Fortsetzung des verhaltenen Aufschwungs in der deutschen Industrie ist damit erst einmal vom Tisch.“
Der Einbruch der Geschäftserwartungen spiegele die berechtigten Sorgen der deutschen Unternehmen über den Nahost-Konflikt wider, betonte auch Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer. „Wenn der Krieg und die Sperrung der Straße von Hormus noch ein, zwei Monate anhielten, wäre der wirtschaftliche Schaden für Deutschland deutlich spürbar.“
Israel und die USA bombardieren seit dem 28. Februar Iran, der wiederum die Ölwirtschaft in mehreren Golfstaaten angreift. Das hat die Energiepreise deutlich nach oben getrieben und schürt Sorgen vor anziehender Inflation und Lieferengpässen. Vor allem die energieintensive Industrie, etwa die Chemiebranche, rechnet dem ifo-Institut zufolge mit höheren Preisen.
Ökonomen senken Prognosen
„Der Krieg im Iran bremst die deutsche Konjunktur aus“, erklärte ifo-Umfragechef Klaus Wohlrabe im Reuters-Interview. Im laufenden ersten Quartal dürfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) daher bestenfalls um 0,1 Prozent wachsen. Und auch im Gesamtjahr werde es im „Eskalationsszenario“ nur noch um 0,6 Prozent zulegen, heißt es in der Frühjahrsprognose. Im Fall eines schnellen Kriegsendes wird ein Wachstum von 0,8 Prozent erwartet.
Eigentlich sollten die Mehrausgaben der öffentlichen Hand für Infrastruktur und Verteidigung der Wirtschaft nach zwei Rezessionsjahren und einem Mini-Wachstum 2025 wieder Schwung verleihen. Auch viele andere Ökonomen haben jedoch bereits ihre Konjunkturprognosen gesenkt. So prognostiziert zum Beispiel das Institut für Weltwirtschaft Kiel für 2026 nur noch ein BIP-Plus von 0,8 Prozent – im Dezember hatte es noch 1,0 Prozent erwartet.
Source: tagesschau.de