Nahost: Das sind die Mitglieder des „Friedensrats“ für jedes Gaza
Mehrere Monate, nachdem die US-Regierung die Schaffung eines sogenannten Friedensrats für Gaza ins Spiel gebracht hatte, stehen dessen Mitglieder nun fest. Dem Gremium, das die Übergangsverwaltung des Gazastreifens überwachen soll, gehören demnach mehrere prominente Mitglieder aus Donald Trumps Regierung und seinem Beraterkreis an. Aber auch ein ehemaliger Premierminister, ein Unternehmer und ein Ökonom sollen mitwirken. Den Vorsitz will Donald Trump persönlich übernehmen. Zählt man ihn mit, dann besteht der Rat in seiner derzeit geplanten Besetzung zur Hälfte aus Milliardären.
Allerdings könnte sich die Zusammensetzung des Rats noch ändern. Dem ägyptischen Außenminister zufolge hat die US-Regierung Staatschef Abdel-Fattah al-Sissi eingeladen, ebenfalls Teil des Gremiums zu werden. Auch das Büro des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan teilte mit, eine entsprechende Einladung sei an Erdoğan ergangen. Wir stellen die bisher bestätigten Ratsmitglieder vor:
Marco Rubio
US-Außenminister, amtierender Nationaler Sicherheitsberater, Chefarchivar und Chef der Entwicklungsbehörde USAID: Man könnte meinen, Marco Rubio hat bereits mehr als genug zu tun. In Trumps Regierung ist er eine der wichtigsten Figuren, zuletzt soll er maßgeblich das aggressive Vorgehen gegen Venezuela vorangetrieben haben.
Politisch hat der 54-Jährige dabei einen weiten Weg zurückgelegt. Noch im Jahr 2016 hatte der damalige US-Senator den Präsidentschaftskandidaten Trump als „Hochstapler“ bezeichnet, im Gegenzug bezeichnete Trump ihn als „kleinen Marco“. Von der damaligen Kritik ist heute nichts mehr zu hören.
Steve Witkoff
Den Anwalt und milliardenschwere Immobilienunternehmer Steve Witkoff verbindet eine jahrzehntelange Bekanntschaft mit Donald Trump. Angeblich lernten die beiden sich in den Achtzigerjahren kennen, Witkoff soll Trump damals das Geld für ein Sandwich geliehen haben. Spätestens ab den Neunzigerjahren galten die beiden Männer als Freunde.
Für die Karriere des 68-Jährigen hatte das bemerkenswerte Folgen: Im Jahr 2025 ernannte Trump Witkoff, der auf keinerlei diplomatische Vorerfahrungen zurückgreifen konnte, zum Sondergesandten für den Nahen Osten. Auch mit Russland hat Witkoff immer wieder über einen Waffenstillstand in der Ukraine verhandelt. Für Aufregung sorgten dabei zuletzt Berichte, wonach Witkoff der russischen Seite Tipps gegeben hatte, um im Umgang mit Trump ein möglichst gutes Ergebnis zu erzielen.
Jared Kushner
Bereits in Trumps erster Amtszeit entwickelte sich dessen Schwiegersohn Jared Kushner zu einem seiner wichtigsten außenpolitischen Berater. Er erhielt damals ohne jegliche diplomatische Vorerfahrung den Auftrag, für Frieden im Nahen Osten sorgen. In Trumps zweiter Amtszeit ist Kushner unter anderem in die Wirtschaftsverhandlungen mit den arabischen Staaten involviert – obwohl er selbst in der Region investiert hat. Über seine Geschäfte ist Kushner mittlerweile ebenfalls Milliardär geworden.
Der 45-Jährige gilt als höflich – und sehr direkt. An einem Tag sei man Partner und Freund, an einem anderen Gegner und Feind, soll Kushner bei deren Antrittsbesuch zu Angela Merkels sicherheitspolitischem Berater Christoph Heusgen im Jahr 2017 gesagt haben. Im Weißen Haus würden nun Geschäftsleute sitzen, lautete die Ansage. Das gilt nun wohl auch für das Gremium, das für Frieden in Gaza sorgen soll.
Tony Blair
Als Premierminister von Großbritannien ist Tony Blair vor allem als der Begründer von „New Labour“ in Erinnerung geblieben. Unter seiner Führung schwenkte die linksliberale Labourpartei wirtschaftspolitisch nach rechts – eine Veränderung, die danach viele weitere sozialdemokratische Parteien in Europa mitmachten.
Blair war außerdem in die Verhandlungen über einen Frieden in Nordirland involviert, die im Jahr 1998 im Karfreitagsabkommen mündeten, und galt als einer der schärfsten Befürworter eines Nato-Einsatzes auf dem Balkan – wofür ihm im Kosovo noch heute viele Menschen dankbar sind. Vehement unterstützte er allerdings auch den Irakkrieg. Gerade unter den arabischen Staaten war seine Nominierung für den „Friedensrat“ in Gaza darum zeitweise umstritten.
Marc Rowan
Auf rund 7,5 Milliarden Euro schätzte das Wirtschaftsmagazin Forbes im Jahr 2024 das Vermögen von Marc Rowan. Unter den Unternehmern, die nun Teil des sogenannten Friedensrats sind, dürfte der Vermögensverwalter damit einer der reichsten Männer sein.
Der 63-Jährige tut sich seit Jahren mit Spenden an Trump und andere republikanische Politiker hervor. Im Jahr 2024 zog das Trump-Team ihn kurzzeitig für das Amt des US-Finanzministers in Erwägung. Daneben hat Rowan sich öffentlich unter anderem als Kritiker der Universitätsdirektorin Liz Magill einen Namen gemacht, die im Jahr 2023 wegen Antisemitismusvorwürfen von ihrem Amt an der University of Pennsylvania zurücktrat.
Robert Gabriel
Als Redenschreiber der US-Regierung war Robert Gabriel in die offizielle Kommunikation rund um den Sturm auf das Kapitol am 6. Januar 2021 eingebunden. In der Funktion sorgte er laut einem Kollegen zufolge persönlich dafür, dass Vizepräsident Mike Pence in einer Rede mit herber Kritik bedacht wurde. Pence hatte sich zuvor der Weigerung Trumps widersetzt, die Auszählung der Wählerstimmen zu stoppen. Hinter den Kulissen äußerte Gabriel sich noch deutlicher. „Ich bin sicher, der Präsident liebt das“, soll er in einer SMS geschrieben haben, während Anhänger von Trump das Kapitol stürmten. An wen sich die Worte richteten, ist nicht bekannt, der Wortlaut selbst wurde in einem Untersuchungsbericht des Repräsentantenhauses dokumentiert (PDF).
Nebenbei fungierte Gabriel als Produzent der Talkshow The Ingraham Angle der rechtskonservativen Fox-News-Moderatorin Laura Ingraham. In Trumps zweiter Amtszeit hat er bisher als stellvertretender Sicherheitsberater der Regierung gearbeitet. Sein direkter Vorgesetzter war damit Marco Rubio.
Ajay Banga
Als Präsident der Weltbank ist Ajay Banga das einzige designierte Ratsmitglied, das auf eine Laufbahn in einer internationalen Institution zurückblicken kann. Vor seiner Ernennung im Jahr 2023 arbeitete der 66-Jährige in verschiedenen Unternehmen, unter anderem bei der Citigroup und Mastercard.
Banga war außerdem Handelsberater des früheren US-Präsidenten Barack Obama und Wirtschaftsberater der ehemaligen Vizepräsidentin Kamala Harris für Zentralamerika. Damit ist er auch der Einzige, der in der Regierung der oppositionellen Demokraten gearbeitet hat – für Donald Trump ist Bangas Ernennung also in doppelter Hinsicht ungewöhnlich.