Nach Trumps Klage-Ankündigung: „Die Jagdsaison auf die BBC ist eröffnet“
US-Präsident Trump will die BBC wegen einer umstrittenen Doku auf eine Milliardensumme verklagen. In Großbritannien wird diskutiert, wie der Sender damit umgehen soll – möglicherweise kommt es auch auf Premier Starmer an.
Die Plattform, die US-Präsident Donald Trump nutzte, um sein Beharren auf einer Klage gegen die BBC anzukündigen, war ausgerechnet der britische Fernsehsender GB News. Der rechtspopulistische Meinungssender ist nach dem Vorbild von Trumps Lieblingssender Fox News gestrickt. Einer der Moderatoren bei GB News ist Nigel Farage, Chef der rechten Partei Reform UK in Großbritannien, und ein Freund von Donald Trump.
Dass Trump die BBC nun in Grund und Boden klagen will, dürfte Farage also nicht nur ideologisch gefallen, sondern steht auch mit seinen geschäftlichen Interessen bestens in Einklang.
Trump will BBC verklagen
Trump erklärte im GB-News-Interview, warum seine Anwälte in der kommenden Woche die BBC auf eine Summe zwischen einer und fünf Milliarden Dollar verklagen wollen: Es sei ungeheuerlich, was der Sender ihm angetan habe. Man müsse herausfinden, ob auch andere so behandelt worden seien und wie oft die BBC das mit ihm gemacht habe.
Vergangene Woche hatte die Sprecherin von Trump von einer gezielten Diffamierungskampagne der BBC gegen den Präsidenten gesprochen und dem britischen Publikum empfohlen, doch lieber GB News zu gucken.
Bei Trumps Vorwürfen geht es um eine BBC-„Panorama“-Dokumentation, ausgestrahlt wenige Tage vor den US-Wahlen im November 2024, in der eine Trump-Rede so zusammengeschnitten worden war, dass es so klang, als habe er am 6. Januar 2021 einen direkten Aufruf zum Sturm auf den Parlamentssitz, das Kapitol, formuliert. Die rechtskonservative Zeitung The Telegraph hatte den Fall öffentlich gemacht und entdeckte inzwischen eine zweite BBC-Sendung von 2022, in der ein ähnlicher Schnitt zu sehen ist.
Der BBC-Aufsichtsratsvorsitzende Samir Shah hatte Trump in einem persönlichen Brief um Entschuldigung gebeten. Darüber hinaus wies die BBC Trumps Forderung nach Entschädigung zurück: Der Film sei nie in den USA ausgestrahlt worden und Trump habe die Wahlen gewonnen.
Prozess könnte Albtraum für BBC sein
Auch wenn Rechtsexperten Trump so gut wie keine Chancen einräumen, einen möglichen Prozess zu gewinnen, sei die Aussicht auf ein Gerichtsverfahren ein Albtraum für die BBC, sagte Craig Oliver, ehemaliger BBC-Journalist und später Kommunikationschef in der konservativen Regierung von David Cameron, in der BBC: „Sie glauben bestimmt daran, im Recht zu sein. Aber das Problem ist, dass sie nun das öffentlich bereitgestellte Geld der Rundfunkbeitragszahler nehmen müssen, um diese Klage abzuwehren. Und um Trump möglicherweise eine Vergleichszahlung zu leisten“.
Das werde dem Ruf der BBC weiter schaden, so Oliver. „Und es gibt hier ja politische Akteure, die der BBC weiter schaden wollen. Trump hat ja gesagt, man wird nach mehr Beispielen suchen. Die Jagdsaison auf die BBC ist eröffnet.“
Trump überzog mehrere US-Medien mit Klagen
Seit seinem Amtsantritt hat Trump schon eine ganze Reihe von US-Medien mit Klagen überzogen und dabei zum Teil auch erhebliche Vergleichssummen eingestrichen. Dem US-Sender CBS News warf er vor, eine Aussage seiner Konkurrentin Kamala Harris im Wahlkampf zu ihren Gunsten gekürzt zu haben. CBS News kostete der Vergleich 16 Millionen Dollar.
Sam Nunberg, ein ehemaliger Berater von Trump, musste dem Präsidenten später ebenfalls eine Vergleichssumme zahlen, nachdem Trump ihn vor Gericht zerren wollte. Nunberg sagte in der BBC, er rechne, dass die öffentlich-rechtliche Anstalt Trump vermutlich einen siebenstelligen Betrag anbieten müsse, vielleicht etwas unterhalb von 15 Millionen Pfund.
BBC kämpft bei Briten um Vertrauen
Donald Trump ist in Großbritannien nicht sehr beliebt, und wenn er nun Millionen Rundfunkbeitragsgelder absahnen würde, dürfte das den Ärger auf die BBC verstärken. Denn außer gegen Trumps Forderungen muss die BBC auch gegen eine enorme Vertrauenskrise bei den Briten kämpfen.
Nach dem Rücktritt des Intendanten und der Nachrichtenchefin, die in den vergangenen Monaten mit einer ganzen Reihe von Fehlern und Kritikpunkten unsouverän umgegangen waren, kamen heute in der Sendung „BBC Newswatch“ auch Zuschauerinnen und Zuschauer zu Wort. Ein Zuschauer sagte, der „Panorama“-Bericht habe Trump beschädigen sollen. Er könne der BBC nicht länger vertrauen, dass sie Ereignisse aus aller Welt wahrheitsgerecht darstelle. Andere verteidigten die BBC, forderten aber größere Transparenz über die interne Führung und schnellere Reaktion bei Fehlern.
In einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov sagen 50 Prozent der befragten Briten, die BBC berichte politisch tendenziös. Doch in welche Richtung, da gehen die Meinungen auseinander: 31 Prozent meinen, politisch linke Sichtweisen würden bevorzugt, 19 Prozent sagen, die BBC bevorzuge rechte Narrative stärker.
Trump will mit Starmer telefonieren
Die Labour-Regierung stellte sich zuletzt sehr deutlich hinter die BBC, doch natürlich ist es auch delikat, wenn die öffentlich-rechtliche Anstalt mit Überparteilichkeitsverpflichtung jetzt stark vom Wohlwollen der Regierung abhängig wird.
Trump kündigte an, bald mit dem britischen Premierminister Keir Starmer telefonieren zu wollen und das könne durchaus hilfreich sein, meint Craig Oliver. Schließlich habe Starmer ein gutes Verhältnis zu Trump, aber es bleibe ein sehr großes Problem für die BBC, dass sie ihre Probleme nicht rechtzeitig in den Griff bekommen habe und sich jetzt auf den Premierminister verlassen müsse, der sie bei Trump raushauen soll.
Source: tagesschau.de
