Nach Trumps Drohungen: Asiens Anleiheinvestoren werden nervös – Ölpreis steigt obig 100 Dollar

Der große Crash an den asiatischen Aktienmärkten blieb dieses Mal aus. Am ersten Handelstag nach dem Scheitern der Friedensgespräche zwischen den Vereinigten Staaten und Iran am Wochenende starteten die großen Börsen in Fernost mit moderaten Verlusten in die Woche. Die japanische Börse in Tokio tendierte schwächer, wobei der 225 Werte umfassende Nikkei-Index ein Prozent auf 56.357 Punkte nachgab. ⁠In Seoul gab der südkoreanische Leitindex Kospi im frühen Handel um 1,2 Prozent nach.

Auch in China hielten sich die Investoren zurück: Die Börse Shanghai verlor 0,1 Prozent auf 3.981 Stellen. Nach den heftigen Turbulenzen, die frühere überraschende Wendungen in der Iran-Krise ausgelöst hatten – nach oben wie nach unten – waren das vergleichsweise schwache Kursbewegungen.

Deutlich stärker reagierten dieses Mal die Anleihe-Märkte, was dafür spricht, dass sich die Anleger eher vor den langfristigen Folgen der neuen Unsicherheit für die Straße von Hormus sorgen. Der amerikanische Präsident Donald Trump hatte nach dem Scheitern der Gespräche mit Iran angekündigt, dass die USA ihrerseits die Meerenge blockieren wollten. Schiffe, die aufgrund „illegaler“ Gebühren an Iran durch die Straße von Hormus fahren würden, würden die Amerikaner beschlagnahmen.

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Die Ölpreise ließ diese drohende Doppel-Blockade der wichtigen Handelsroute, über die der Großteil der täglichen Energieversorgung Asiens fließt, abermals in die Höhe schnellen. Am Rohstoffmarkt verteuerte sich die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee ⁠um 7,3 Prozent auf 102,17
Dollar je ⁠Barrel (159 Liter). Das amerikanische Öl der Sorte West Texas Intermediate notierte sogar 8,6 Prozent höher bei
104,91 Dollar.

Anleiherenditen auf höchstem Stand seit 1997

Anleger in Japan sorgen sich daher vor einem weiteren Inflationsschub durch rasant steigende Energiekosten. Das ließ die Rendite der zehnjährigen japanischen Staatsanleihen auf den höchsten ​Stand seit 29 Jahren auf 2,49 Prozent steigen. Auch in Australien und Neuseeland stiegen die Renditen. „Die Unsicherheit über die Aussichten für die Lage im Nahen ⁠Osten bleibt hoch“, kommentierte Anleihestratege Keisuke Tsuruta von Mitsubishi UFJ Morgan Stanley Securities die Bewegung.

Ein Hintergrund ist, dass die japanische und viele andere asiatische Regierungen, die derzeit sehr hohen Energiepreise subventionieren, um ihre Bürger vor den Kostensteigerungen zu bewahren. Tokio hat schon am 11. März Notfallzuschüsse für Kraftstoffe eingeführt, um den Benzinpreis bei rund 170 Yen (0,91 Euro) je Liter zu deckeln. Alle weiteren Anstiege will sie aus staatlichen Mitteln ausgleichen. Doch solche Aktionen sind teuer und könnten das Land, das ohnehin schon so hoch verschuldet ist wie keine andere Industrienation, dazu zwingen, weitere Staatsschulden aufzunehmen. Höhere Zinsniveaus machen das Schuldenmachen allerdings zugleich teurer.

Teebauern sollen bevorzugt Öl bekommen

Schon vor den nun abgebrochenen Friedensgesprächen hatte die weiterhin bestehende Unsicherheit über die Sicherheit der Straße von Hormus die Lage an den asiatischen Energiemärkten angespannt belassen. Von 45 Schiffen „mit Japanbezug“ hatten sich laut japanischen Medienberichten in der kurzen Phase der Waffenruhe gerade einmal drei Schiffe durch die Straße von Hormus getraut. Keines von ihnen hat Energierohstoffe nach Japan geliefert. In normalen Zeiten erhält die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt 95 Prozent seiner Ölimporte aus dem Nahen Osten, einen Großteil davon durch die nun blockierte Meerenge.

Japans Ministerpräsidentin Sanae Takaichi hatte am Freitag angekündigt, dass die Regierung Öl aus den staatlichen Notreserven für weitere 20 Tage freigeben werde. Grundsätzlich sei genug Öl bis ins nächste Jahr hinein da, hieß es von der Regierung. Die Verteilung von Erdölprodukten wie Schweröl und Diesel sei aber in einigen Regionen gestört, wodurch Kraftstoff teilweise nicht schnell genug an seine Bestimmungsorte gelange. Das Wirtschaftsministerium in Tokio rief daher die drei größten Ölkonzerne des Landes dazu auf, besonders wichtige Abnehmer wie Krankenhäuser und auch die Teebauern, die gerade ihre Ernte beginnen, direkt und ohne die üblichen Zwischenhändler zu beliefern.