Nach Rekordjahr 2025: Wie sich die Deutsche Bank steigern will
Nach einem Jahr der Rekorde rechnet der Vorstand der Deutschen Bank für 2026 mit einem weiteren Gewinnzuwachs und mehr Dividenden für die Aktionäre. Die Präsentation der Ergebnisse für 2025 und der Ausblick auf 2026 am Donnerstag wurden jedoch getrübt von der Razzia, die Beamte des Bundeskriminalamts im Auftrag der Staatsanwaltschaft Frankfurt am Tag zuvor in der Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt und in ihren Geschäftsräumen in Berlin durchgeführt hatten.
Der seit April 2018 amtierende Vorstandsvorsitzende Christian Sewing versuchte zu Beginn der Pressekonferenz, die unangenehme Nachricht abzumoderieren, indem er die „Ermittlungsmaßnahme“ bestätigte und als Grund „eine vorgeblich zu spät abgegebene Geldwäscheverdachtsanzeige“ nannte. Es gehe um Transaktionen in den Jahren 2013 bis 2018. Selbstverständlich kooperiere die Deutsche Bank mit den Behörden. Auch nach mehreren Nachfragen wollte Sewing nicht über dieses Eingangsstatement hinausgehen. Am Ende tat er es doch. Er könne nicht sagen, ob die Bank einen Fehler gemacht habe, sagte Sewing, dagegen gebe es grundsätzlich keine Garantie. „Das müssen wir aufarbeiten“, sagte er. „Aber unsere Kontrollen insgesamt sind deutlich besser geworden, das sagen uns auch die Aufsichtsbehörden.“ In seiner Rede zuvor hatte Sewing „mit der Erfahrung aus fast 35 Jahren in der Deutschen Bank“ beteuert: „Ich habe keine Zeit erlebt, in der wir so robust aufgestellt waren wie heute.“
Kein Zweifel, da arbeitet jemand an seinem Lebenswerk. Der Aufsichtsrat hat den Vertrag des in diesem Jahr 56 Jahre alt werdenden Sewing bis April 2029 verlängert. Im November 2025 hat er der Deutschen Bank neue Ziele bis 2028 gesteckt. Dafür sei das Jahr 2025 der Ausgangspunkt, wie Sewing am Donnerstag erläuterte.
Diese Basis ist gemessen an den Gewinnen so hoch wie nie zuvor. Die Deutsche Bank beendete das Jahr 2025 mit einem Rekordquartal. Zwischen Anfang Oktober und Ende Dezember verdiente sie glatt zwei Milliarden Euro vor Steuern, gut dreimal mehr als im vierten Quartal des Jahres 2024, das von Rechtsstreitigkeiten mit Postbank-Aktionären geprägt war. Der Jahresgewinn vor Steuern sprang damit um 84 Prozent auf 9,7 Milliarden Euro, nach Steuern blieben mit 7,1 Milliarden Euro doppelt so viel übrig wie 2024.
Die Gewinnbeiträge der Sparten
Alle vier Geschäftsbereiche verzeichneten Gewinnsprünge. Am meisten zum Vorsteuergewinn von 9,7 Milliarden Euro trug die Investmentbank mit vier Milliarden Euro bei. Bezogen auf die Rendite auf das materielle Eigenkapital (Rote) landete sie auf Rang drei: Die „Unternehmerbank“ genannte Firmenkundensparte, die von Sewing seit 2019 als Herz der Bank betrachtet wird, lieferte mit 2,6 Milliarden Euro den zweithöchsten Gewinnbeitrag und schlug wie schon im Vorjahr die Investmentbank mit einer Rote von 15,3 Prozent. Und die Vermögensverwaltung, also im Wesentlichen die Fondsgesellschaft DWS, trug mit knapp einer Milliarde zwar den kleinsten Gewinn aller vier Sparten bei, arbeitete aber bezogen auf den Kapitaleinsatz am rentabelsten und kam auf 29,1 Prozent Rote. Die Privatkundensparte verdoppelte ihren Gewinnbeitrag nahezu auf 2,3 Milliarden Euro, wies aber mit einer Rote von 10,5 Prozent die niedrigste Rentabilität auf.
Zwei Fünftel des Wachstums im Heimatmarkt geplant
Die Rote ist für Sewing ein entscheidendes Maß auf dem Weg nach vorn. Mindestens 13 Prozent Eigenkapitalrendite soll die Deutsche Bank 2028 erreichen, nachdem 2025 das bisher geltende Ziel von mindestens zehn Prozent Eigenkapitalrendite von allen Sparten erstmals geschafft wurde. Der Privatkundensparte gelang dies auch, indem sie nicht rentables Geschäft etwa in Teilen der Baufinanzierung einstellte und mit der Vergabe von Konsumentenkrediten vorsichtiger wurde. Sewing nannte die Privatkundensparte beispielhaft für das, was auch anderswo zu tun sei: fokussiertes Wachstum.
Wie im November 2025 bekannt gegeben, will die Deutsche Bank die Erträge von 32 Milliarden auf 37 Milliarden Euro bis 2028 steigern. Dabei spiele Deutschland eine zentrale Rolle. „Zwei Fünftel unseres Wachstums erwarten wir auf unserem Heimatmarkt“, sagte Sewing nun erstmals. Noch stärker als bisher gehe es um profitables Wachstum, also um den rentablen Einsatz des Eigenkapitals. „Es gibt noch zu viele Geschäftsbereiche, in denen wir unsere Kapitalkosten nicht verdienen“, sagte Sewing und nannte das Geschäft mit Handelsfinanzierungen für Unternehmen (Trade Finance). Hier sei der Kreditprozess noch zu lang und kostspielig, aber ein besserer Prozess mithilfe von Künstliche-Intelligenz-Agenten sei gerade im Vorstand vorgestellt worden. Wenn aber die Kapitalkosten von 13 Prozent nicht erreichbar seien, müsse Geschäft auch eingestellt werden, wie eben die Baufinanzierungsmarke DSL.

Die gesamten Erträge der fast 20 Millionen Privatkunden betreuenden Sparte lagen mit 9,6 Milliarden Euro im Jahr 2025 fast exakt auf dem Niveau, das die Deutsche Bank allein mit dem Handel und der Finanzierung von Anleihen und Währungen erlöst. In diesem FIC-Geschäft sei sie Weltklasse, sagte Sewing. Im gesamten Investmentbanking habe sie in Asien so hohe Erträge wie zuletzt 2019. US-Banken, die noch besser abschnitten, hätten 2025 den Vorteil gehabt, dass das Geschäft in den USA zuerst angezogen habe. Die Deutsche Bank habe sich verstärkt, um nun in anderen Regionen zu profitieren.
Raja Akram, der künftige Finanzvorstand, wollte bei seinem ersten Auftritt in Frankfurt an der Seite von Sewing lediglich einen Gewinnzuwachs für 2026 zusagen, sich aber nicht auf einen Anstieg des Vorsteuergewinnes auf mehr als zehn Milliarden Euro festlegen. Immerhin soll die Dividende, die im Mai 2025 um 50 Prozent auf einen Euro je Aktie erhöht wird, auch fürs Geschäftsjahr 2026 um 50 Prozent steigen. Über das schon von der Bankenaufsicht genehmigte Aktienrückkaufprogramm hinaus will die Deutsche Bank auch im zweiten Halbjahr 2026 weitere eigene Aktien zurück kaufen und damit den Kurs stützen. Statt bisher 50 Prozent des Gewinns sollen 60 durch Dividenden und Aktienrückkäufe an die Aktionäre „zurückgegeben“ werden.

Allerdings nur dann, wenn es die Marktgegebenheiten zulassen. Und hier werden die Abhängigkeiten von den USA schnell ein Thema, etwa durch den schwachen Dollar. Akrams Vorgänger, der im März ausscheidende Finanzvorstand James von Moltke, sagte, die Deutsche Bank selbst habe für 2025 mit einem Euro-Dollar-Wechselkurs von 1,08 geplant, sie sichere sich gegen Währungsschwankungen ab und habe durch den starken Wertverlust des Dollars von 1,03 auf zuletzt 1,20 Euro nur sehr geringfügige Verluste gemacht. Sorgen der Bankenaufsicht Bafin über das Refinanzierungsprofil deutscher Banken in Dollar konterte von Moltke so: Die Deutsche Bank habe hohe Einlagen durch ihr USA-Geschäft, und sie begebe auch Dollaranleihen, sodass ihre Kapitalbasis in Dollar sehr solide sei.
Sewing indes machte mit den Stichworten „Grönland“ und „Venezuela“ von sich aus zum Thema, dass die USA „den Wandel hin zu einer Weltordnung, in der Macht und Einflussfaktoren wieder stärker zählen als internationale Regeln“, beschleunigten. Die Deutsche Bank nutze nicht nur US-Technologieunternehmen und sei nicht von ihnen abhängig. Die 2019 eingegangene Partnerschaft mit Google sei richtig gewesen. Es gebe von Google auch „dezidiert europäische Lösungen“.