Nach Angriffen Irans: Erste gestrandete Urlauber können zurückfliegen

Im Mittleren Osten sitzen bislang wegen der Folgen des Konflikts zwischen Iran, den Vereinigten Staaten und Israel sowie behördlicher Luftraumsperrungen Zehntausende Deutsche fest. „Betroffen sind aktuell rund 30.000 Reisende von deutschen Reiseveranstaltern, die sich derzeit in der Region aufhalten oder Flüge über diese Drehkreuze in der Region haben“, teilte der Deutsche Reiseverband (DRV) mit. Zu den Urlaubern kommen Geschäftsreisende hinzu.
Zur großen Zahl an Betroffenen trägt bei, dass Tausende Urlauber, die mit Fluggesellschaften wie Emirates aus Dubai, Etihad aus Abu Dhabi und Qatar Airways aus Doha über deren Drehkreuze reisen wollten, zum Umsteigen an den Flughäfen waren, als wegen iranischer Vergeltungsangriffe Luftraumsperrungen in Kraft traten. Wie lange diese Sperrungen andauern werden, sei unklar, heißt es vom DRV. Pauschalreisende würden von ihren Reiseveranstaltern betreut und notfalls sicher untergebracht.
Am Montagnachmittag keimte Hoffnung für die Betroffenen, mit Sonderflügen heimkehren zu können. Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) kündigte an, die Bundesregierung wolle gecharterte Flugzeuge nach Maskat im Oman und nach Riad in Saudi-Arabien schicken. Mit den Flügen sollen in einem ersten Schritt Kinder, Kranke und Schwangere nach Deutschland gebracht werden.
Bevorstehende Urlaube storniert
Auch in Dubai und Abu Dhabi stehen Lockerungen der Flugbeschränkungen an. Eine begrenzte Zahl an Flügen zur Rückführung gestrandeter Passagiere sei möglich. Erste Flieger der Gesellschaft Emirates aus Dubai sollten am Montagabend abheben können.
Auch die israelische Gesellschaft El Al kündigte „Rettungsflüge“ für ausländische Staatsangehörige an. El Al listete 22 Ziele in Europa, Asien und den USA auf, die angesteuert werden sollen. Für Deutschland ist München dabei. Die Flüge würden „gemäß den Anweisungen der Sicherheits- und Luftfahrtbehörden durchgeführt, sobald die Genehmigung zur Wiedereröffnung des israelischen Luftraums erteilt ist“.
Deutsche Reiseanbieter haben für die nächsten Tage Urlaubsanreisen in Emirate abgesagt. Bei Dertour gilt das für Reisen, die bis Donnerstag beginnen sollten, ab. Der Urlaubskonzern TUI zieht die Absagefrist bis Freitag und für Israelreisen bis Sonntag. Die Absagezeiträume können sich aber noch verlängern. Urlauber, die wegen bevorstehender Reisen in Sorge seien, wurden um Geduld gebeten: „Wir priorisieren derzeit die Buchungen in der Reihenfolge des Abflugdatums“, hieß es von TUI. „So können wir sicherstellen, dass wir sofortige Unterstützung für diejenigen bieten können, die in den Zielgebieten betroffen sind oder deren Urlaub in den nächsten Tagen beginnen soll.“
Tourismusaktien unter Druck
Die Aussicht über mögliche längere Einschränkungen ließ am Montag die Börsenkurse von Reiseunternehmen und Fluggesellschaften sinken. Die TUI-Aktie verlor im Handelsverlauf acht Prozent an Wert. Der Konzern hat zwei Kreuzfahrtschiffe vor Ort, die die Region bislang nicht verlassen können.
Der Kurs der Lufthansa-Aktie sank um fünf Prozent. Lufthansa sagte für alle Marken des Konzerns bis Sonntag alle Flüge nach Israel und Jordanien ab. Für die Emirate hält man sich eine Wiederaufnahme des Betriebs am Donnerstag offen, vornehmlich wohl, um Passagiere dort abzuholen. Ausstehende Flüge bis zum 15. März in die Region dürfen Kunden kostenfrei stornieren.
Unklar ist, wie stark die Nahostkrise die Reisebranche treffen wird. JP-Morgan-Analyst Harry Gowers schrieb, der Konflikt sei negativ für die Profitabilität von Airlines, wegen Flugstreichungen, operativer Behinderungen, steigender Ölpreise und einer vielleicht geringeren Nachfrage. Die deutschen Urlaubsanbieter hatten sich nach einem Frühbuchervolumen, das sieben Prozent über dem Vergleichswert des Vorjahres lag, zum Auftakt der Reisemesse ITB auf eine gute Saison eingestellt. Die ITB beginnt an diesem Dienstag in Berlin.
Nur eine Minderheit wählt Fernziele für den Urlaub
Der Großteil der Kunden wählt traditionell Ziele in Europa. 2025 reisten nach Zahlen der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen 44 Prozent in Mittelmeeranrainerstaaten, 22 Prozent blieben in Deutschland. Der Anteil der Fernreisen an den Haupturlauben, die fünf oder mehr Tage dauerten, belief sich 2025 auf neun Prozent – wovon wiederum die Hälfte nach Amerika oder Afrika führte. Auf dem Weg nach Fernost nutzen Reisende auch Nonstop-Flüge aus Europa, die die Golfregion nicht durchqueren.
Härter als europäische Fluggesellschaften hat die Krise Airlines vom Persischen Golf getroffen, deren Betrieb fast vollständig zum Erliegen gekommen ist. In Dubai, wo nach Behördenangaben insgesamt 20.000 Passagiere strandeten, scheint die Sorge um das Ansehen des Drehkreuzes der staatlichen Gesellschaft Emirates groß zu sein. Die Regierung erklärte, sie wolle alle Kosten für Unterbringung und Versorgung der betroffenen Passagiere übernehmen.
Eine Halle des Flughafens in Dubai war nach Angaben des Airports durch die Folgen eines Angriffs leicht beschädigt worden. Wegen zuvor ergriffenerer Notfallmaßnahmen sollen sich in den meisten Terminals keine Passagiere mehr aufgehalten haben. Vier Flughafenbeschäftigte seien verletzt worden. Auf dem Gelände des Flughafens von Abu Dhabi starb ein Beschäftigter, als Teile einer durch die Luftabwehr abgefangenen Drohne zu Boden stürzten.
Das Luftfahrtportal „Aerotelegraph“ berichtete, dass Lufthansa am Montag einen Großairbus vom Typ A380 von Abu Dhabi nach München geflogen habe – an Bord nur zwei Piloten, aber keine Reisenden. Eine Beförderung vor Ort wartender Passagiere sei geprüft worden, aber „leider nicht möglich“, wurde eine Sprecherin zitiert. Der A380 sei von einem Wartungsaufenthalt abgeholt worden. Vor Ort seien aber weder ausreichend Flugbegleiter für einen Passagierflug gewesen, noch wären Check-in, Kontrollen und Einstieg unter den Umständen verlässlich planbar gewesen.