Myanmar ein Jahr nachdem dem Erdbeben
Vor einem Jahr erschütterte ein schweres Erdbeben Myanmar. Millionen Menschen leben bis heute in provisorischen Unterkünften. Und die Eskalation in Nahost macht die Lage in dem Land noch schwieriger.
An einer Tempelanlage ragt die Statue eines weiß-goldenen Buddhas aus einem sorgfältig aufgeschichteten Haufen von Trümmern hervor. Die Figur blieb unbeschädigt, als drumherum in der Stadt Mandalay fast alles einstürzte. Zahlreiche Häuser, ganze Straßenzüge.
Der 70-jährige Hsan Tun erinnert sich noch täglich an den Moment, als die Erde bebte und allein im Tempel vier Menschen starben. „Es ist jetzt ein Jahr her. Die Lage in der Nachbarschaft hat sich beruhigt. Einige bauen ihre Häuser wieder auf, während andere noch damit kämpfen und Unterstützung brauchen, um überleben zu können“, sagt Tun.
Auch wenn es sich beruhigt habe, hätten die Menschen immer noch große Angst, wenn sie allein das Wort „Erdbeben“ hörten. „Wir geraten in Panik, sobald es wackelt“, so Tun.
Wiederaufbau ist schwierig
Das Epizentrum des Erdbebens mit einer Stärke von 7,7 lag in der Nähe von Mandalay. Viele Trümmer von eingestürzten Wohngebäuden wurden mittlerweile weggeräumt. Aber die vielen eingezäunten, leeren Grundstücke zeugen noch von dem verheerenden Unglück.
Hteik Htar Oo von der Welthungerilfe in Mandalay erklärt, dass der Wiederaufbau in einem Land wie Myanmar schwierig ist. „Das Erdbeben hat viel Infrastruktur zerstört und viele Menschenleben gekostet. Die Überlebenden sind immer noch dabei, das zu verarbeiten. Und gleichzeitig sind sie ja weiter ständig mit Unsicherheit konfrontiert, die der Krieg in Myanmar mit sich bringt.“
Die Preise für Grundnahrungsmittel seien sehr hoch, und die Menschen hätten kaum Arbeitsmöglichkeiten und kein regelmäßiges Einkommen.
Seit fünf Jahren Bürgerkrieg
Seit einem Militärputsch vor fünf Jahren herrscht in zahlreichen Regionen Myanmars Bürgerkrieg, die Fronten sind nicht immer klar.
In Myanmar ist der Großteil der Bevölkerung sehr arm. Laut dem Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen können sich mehr als zwölf Millionen Menschen – ein Viertel der Bevölkerung – nicht mit ausreichend Nahrungsmitteln versorgen.
Hilfe auch aus Deutschland
Im einem Dorf in der Region Mandalay erzählt die 40-jährige Ma Moe Moe, dass sie davon träume, ihr Haus wieder aufzubauen und ihren ältesten Sohn zur Universität zu schicken. Aber das Geld reiche nicht. Mittlerweile könne sie aber zumindest wieder mit ihrer Nachbarin an der Wasserstelle lachen und erzählen. „Die meisten Brunnen in unserem Dorf wurden durch das Erdbeben beschädigt“ sagt sie.
Jetzt haben sie hier eine Trinkwasseranlage, mehrere Brunnen und Wassertanks. Auch durch Hilfe aus Deutschland, erläutert Hteik Htar Oo von der Welthungerhilfe. „Unsere Organisation konnte unmittelbar nach dem Erdbeben vor Ort sein. Wir konnten uns auch Dank der Hilfe von privaten und staatlichen Spendengeldern aus Deutschland auf die Lebensrettung konzentrieren.“ Sie hätten im Erdbebengebiet viele Menschenleben retten können und Lebensmittel, Gas, Hilfsgüter bereitgestellt.
Eskalation in Nahost verschärft die Lage in Myanmar
Nach den Ersthilfemaßnahmen konzentrieren sich die Hilfsorganisationen nun auf die nachhaltige Unterstützung der Bevölkerung. Zugang zu Trinkwasser sei dabei grundlegend.
Aber die Eskalation des Krieges im Nahen Osten macht auch in Myanmar die Situation noch schwieriger. Die Treibstoffpreise sind deutlich gestiegen. An den Tankstellen bilden sich lange Schlangen, und Transportkosten ziehen an. Das verteuert den Alltag der Menschen ebenso wie die Lieferung von Hilfsgütern.
Hilfsorganisationen wie Caritas International warnen davor, dass humanitäre Krisen wie die in Myanmar aus dem Blickfeld der Weltöffentlichkeit geraten.
Source: tagesschau.de
