morgenstern: Weltglücksreport: Was macht uns Deutsche glücklich?
Wo wir im weltweiten Glücksranking stehen – und was wir für unser Glück tun können. Humanitäre Katastrophe auf Kuba. Trumps Krieg ohne Grund. Die Lage am Morgen.
Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,
hatten Sie gestern oder heute Morgen schon ein Glückserlebnis?
Ich frage das, weil heute ein internationales Team von Forschern seinen Weltglücksreport präsentiert – und um es gleich zu sagen: Deutschland ist nur auf Platz 17. Dabei erfüllt unser Land wichtige Kriterien der Studie: hoher Wohlstand, sehr gute Krankenversorgung, wenig Korruption.
Vielleicht ist schon ein Grund, warum wir weiter hinten liegen, dass wir Deutschen uns immer vergleichen, immer gleich fragen: Geht es nicht noch besser? (Wie ich es gerade tue.)
Die Studie beruht auf Umfragen zu Kriterien für ein glückliches Leben. Und wo wir Deutschen wirklich schlecht abschneiden, sind Fragen wie „Haben Sie im vergangenen Monat einem Fremden geholfen?“ (Platz 88, Platz 1 hält Kenia) und „Hatten Sie gestern eine positive Emotion wie Lachen, Freude, Interesse?“ (Platz 68, Platz 1 hält Guatemala).
Kleines Glück: Lachen über Despoten
Die gute Nachricht ist, dass wir diese beiden Kriterien selbst in der Hand haben. Ich persönlich denke viel über das Thema nach, weil mir die Weltlage seit einiger Zeit doch sehr aufs Gemüt schlägt, insbesondere seit der Wiederwahl Donald Trumps. Ich habe festgestellt, dass es mir hilft, abends auf Youtube die zehnminütigen Stand-up-Einlagen der amerikanischen Late-Shows von Jimmy Kimmel und vor allem Steve Colbert zu schauen. Lachen über den Despoten, eine gute Medizin.
Freunde, Bewegung, Natur, Ruhepausen – es gibt viele Tipps, wie wir glücklicher sein könnten. Aber am Ende ist das natürlich eine sehr individuelle Sache. Ich habe festgestellt, dass ich viel häufiger in düstere Gedanken verfalle, seit meine Kinder erwachsen sind. Offenbar habe ich jetzt mehr Zeit dafür.
Ich habe außerdem festgestellt, dass mich wenig so glücklich macht wie Höhenwanderungen in den Alpen. Ich weiß, dass ich mich stets spätnachmittags todmüde an irgendeinem Schotterhang frage, warum zum Teufel ich die Idee hatte, hier zu wandern. Aber einmal angekommen in der nächsten Hütte kann ich mich daran nicht mehr erinnern, sondern bin einfach nur glücklich. Offenbar gehört die Mühe zum Glück dazu. Vielleicht brauche auch nur ich das.
Was macht Sie glücklich? Ich hoffe jedenfalls, dass Sie heute noch mindestens einen glücklichen Moment haben.
Falls es Sie interessiert, welches Land das glücklichste ist und was die offenbar richtig machen, dann lesen Sie einfach hier weiter:
Wie die USA gerade Kuba aushungern
Am Dienstag hatte ich Ihnen davon berichtet, wie der US-Präsident den Kubanern mit der Intervention in Venezuela den Ölhahn abdrehen konnte. Heute möchte ich Ihnen ein Interview von meinem Kollegen Jan Christoph Wiechmann dazu ans Herz legen. Er hat mit der Kuba-Forscherin Katrin Hansing gesprochen, die lange auf Kuba lebte und regelmäßig vor Ort ist.
Ihr Bericht ist erschütternd. Viele Kubaner leiden inzwischen unter Unternährung, in Havanna gibt es nur noch wenige Stunden am Tag Strom, der Müll wird nicht abgeholt, Lebensmittel kommen kaum noch in die Stadt, einfach, weil es keine Transportmöglichkeiten gibt. Und ohne Strom lässt sich nichts mehr kühlen, viele Lebensmittel verderben.
Auch die Krankenhäuser können kaum noch arbeiten. „Senioren stürzen in der Dunkelheit, brechen sich Knochen und bekommen nicht rechtzeitig Hilfe. Solche Situationen sind alltäglich geworden“, berichtet Hansing. Und auf Druck von Donald Trump fehlt nicht nur Öl, viele Nachbarländer haben auch andere Kooperationen eingestellt:
US-Geheimdienstchefin: Irans Atomprogramm ruhte
Es ist schon bemerkenswert, dass es hier und da noch US-Offizielle gibt, die Donald Trump offen widersprechen. So erklärte die Geheimdienstchefin Tulsi Gabbard gestern Abend, der Iran habe seine Nuklearanlagen zur Urananreicherung seit den vernichtenden US-israelischen Luftangriffen vom vergangenen Juni nicht wieder aufgebaut. Trump aber hatte den erneuten Angriff auf den Iran damit begründet, dass Teheran kurz vor dem Bau von Atomwaffen stehe und damit „bald“ sogar die USA angreifen könne.
Wir halten Sie weiter im Blog zum Irankrieg auf dem Laufenden:
5-Minuten-Talk: Kippen die Grünen das 500-Milliarden-Sondervermögen?
Bis zu 95 Prozent der bisherigen Ausgaben aus dem Sondervermögen für Infrastruktur sollen zweckentfremdet worden sein. Das werfen gleich zwei Wirtschaftsforschungsinstitute der Bundesregierung vor. Die Ausgaben seien entweder in gar keine oder zumindest in keine zusätzlichen Investitionen geflossen.
Ein unangenehmer Vorwurf für die schwarz-rote Koalition, und die Grünen erhöhen noch den Druck: Sie drohen mit dem Gang nach Karlsruhe. Bringen sie am Ende das Sondervermögen vor Gericht zu Fall? Und wie rechtfertigt sich die Koalition? Meine Kollegen Veit Medick und Jan Rosenkranz sortieren den Streit:
Und sonst? Weitere Schlagzeilen
Das passiert am Donnerstag, dem 19. März
- Verdi hat heute wieder in mehreren Bundesländern zum Warnstreik aufgerufen. Betroffen ist der Nahverkehr vor allem in Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt. Auch in München bleiben Busse und Bahnen in den Depots, dort wird schon seit gestern gestreikt. Die S-Bahnen fahren. In anderen Bundesländern gab es bereits Tarifeinigungen.
- Die Fußball-WM der Männer rückt langsam näher. Bundestrainer Julian Nagelsmann verkündigt heute, wen er zu den nächsten Testspielen gegen die Schweiz (27.3.) und Ghana (30.3.) mitnimmt.
- In den Achtelfinal-Rückspielen der Europa League müssen der VfB Stuttgart (21 Uhr, RTL) und der SC Freiburg (18.45 Uhr, RTL+) jeweils einen Rückstand aufholen. Mainz 05 hat es in der Conference League etwas leichter (18.45 Uhr, RTL+).
Unsere stern+-Empfehlung des Tages
„Bei den Jungs ist in der Pubertät im Kopf manchmal einfach das Licht ausgeknipst“, so beschreibt das eine befreundete Lehrerin. Und auch ich musste feststellen, dass das bei meinem Sohn gelegentlich der Fall war. Plötzlich konnte er sich total dumm anstellen.
Das Merkwürdige daran: Ich fand es sehr schwer, gelassen zu bleiben, selbst wenn es nur um Kleinigkeiten ging. Denn es ist, als würde man sein eigenes Kind nicht mehr kennen. Natürlich hilft es, wie meistens, die Ruhe zu bewahren. Hier ein paar konkretere Tipps von der Erziehungsberaterin Inke Hummel, im Gespräch mit meiner Kollegin Claudia Minner:
Wie hat Ihnen dieser morgenstern gefallen? Schreiben Sie es mir gerne: matthias.urbach@stern.de. Sie können dieses Morgen-Briefing auch als Newsletter in Ihr Postfach erhalten. Melden Sie sich einfach unter folgendem Link an.
Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag!
Matthias Urbach
Source: stern.de