morgenstern: Keine Rede mehr von Demokratie – wohin führt jener Irankrieg?
Die USA greifen den Iran ohne Plan an. Ausgerechnet heute steht Merz’ Besuch bei Trump an. Und: Die Sünden des Spitzenkandidaten der AfD. Die Lage am Morgen.
Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,
auch am vierten Tag nach Beginn der Angriffe Israels und der USA auf den Iran ist noch nicht klar, wohin dieser Krieg führen wird. Klar ist nur: Auf die Aussagen des US-Präsidenten ist in Kriegszeiten kein Verlass. Hatte er am Samstag noch von Regime Change und Demokratie im Iran gesprochen, war davon gestern Mittag im Weißen Haus keine Rede mehr.
Sein Vize, J. D. Vance, legte in der Nacht im Haussender Fox News nach, wurde ganz deutlich: Es sei letztlich nebensächlich, was mit der Führung im Iran passiere. So zynisch das ist, so war es irgendwie erwartbar, nach der Erfahrung mit Venezuela. Doch sind die Risiken des Irankrieges ganz andere als die der Entführung Maduros. Mein Kollege Marc Etzold beschreibt in seiner Analyse, wo die Trump-Regierung nun steht.
Gesten der Macht auf allen Seiten
Wahrscheinlich ist es in dieser neuen Weltlage nur logisch, dass Frankreich anbietet, die europäischen Partner stärker in seine atomare Abschreckung einzubinden, vor allem Deutschland. Auffällig dabei war für mich, wie sich Frankreichs Präsident Emmanuel Macron dabei präsentierte: In einer gewaltigen Halle vor einem der vier französischen U-Boote, die Atomraketen abschießen können.
An solche Gesten der Macht werden wir uns wohl auch bei den europäischen Partnern gewöhnen müssen. Mir fällt es schwer.
Will auch seine Stärke zeigen: Macron bei der Vorstellung seiner Nuklearpläne © MAXPPP/Lionel Le Saux / Imago Images
Bleiben Sie auf dem Laufenden
Meine Kollegen werden weiter die aktuellen Ereignisse im Nahen Osten nach dem Angriff von Israel und den USA auf den Iran protokollieren. In unseren Analysen, aber auch im stern-Liveblog, der kontinuierlich die neuesten Ereignisse beschreibt.
Von wegen Alternative: Die Wahlkampfsünden des AfD-Spitzenkandidaten
Am Sonntag sind Landtagswahlen in Baden-Württemberg, und abseits der Frage, ob die Grünen es womöglich doch noch schaffen, erneut den Ministerpräsidenten zu stellen, wird auch spannend, wo die AfD landet. Es könnte eine Vorschau sein auf das, was im September bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern möglich sein könnte. Hält der positive Gesamttrend der Partei an?
Eigentlich spräche viel dafür, wäre da nicht der AfD-Spitzenkandidat Markus Frohnmaier. Er legt trotz Kandidatur sein Bundestagsmandat nicht nieder, hat also offenbar wenig Interesse an Baden-Württemberg. Seine Frau arbeitet im Bundestag für einen anderen AfD-Abgeordneten. Und statt in der letzten Woche vor der Wahl kräftig Wahlkampf zu machen, weilt er in Washington und knüpft dort Kontakte mit Ultrarechten. Oder ist das seinen potenziellen Wählern egal?
5-Minuten-Talk: Besuch bei Trump, was Merz vermeiden muss
Beim ersten Besuch war alles gut gegangen. Friedrich Merz war vorsichtig. Es gelang ihm, den launischen US-Präsidenten nicht zu reizen. Heute ist der Bundeskanzler erneut im Oval Office. Wird es wieder ein freundliches Treffen? Donald Trump bleibt schwer berechenbar – außerdem ist er nun ein „President at War“.
Was sollte Merz tun, damit auch dieses Treffen erfolgreich wird? Darüber sprechen meine Kollegen Veit Medick und Jan Rosenkranz.
Und sonst? Weitere Schlagzeilen
Das passiert am Dienstag, dem 3. März 2026
- Die Weltorganisation der Meteorologen (WMO) gibt eine Prognose ab, wie wahrscheinlich das Auftreten des Klimaphänomens El Niño dieses Jahr ist. Das würde neue globale Hitzerekorde bedeuten.
- Der Wehrbeauftragte Hennig Otte stellt heute seinen Bericht über den Zustand der Bundeswehr vor.
- Fußball: Die Nationalelf der Frauen spielt in Dresden ihr erstes WM-Qualifikationsspiel gegen Slowenien, Anstoß 17:45 Uhr. (Das Erste überträgt.)
Unsere stern+-Empfehlung des Tages
Eigentlich bilde ich mir ein, als Journalist in meinem professionellen Alltag recht abgebrüht zu sein. Aber ich muss doch sagen: Die unübersichtliche Weltlage und vor allem diese chaotische Ausübung von Macht durch die USA aktuell, das alles schlägt mir aufs Gemüt. Aber was hilft einem da?
Viele schwören auf positives Denken. Zumindest um die eigenen Ziele zu erreichen. Und tatsächlich hilft es einem, mit Zuversicht auf das eigene Leben zu schauen. Falsche Zuversicht kann einem aber auch schaden. Sehr lesenswert dazu finde ich den Report meiner Geo-Kollegin Miriam Eichhorn-Zachariades:
Zum Schluss dieses Newsletters möchte ich noch um Entschuldigung bitten dafür, dass ich mich gestern an dieser Stelle nicht richtig vorgestellt habe. Nach Patrick Rösing habe ich jetzt das Vergnügen, Sie die kommenden vier Wochen in den Tag zu führen. Ich arbeite sonst für die Wirtschaftsredaktion von stern und Capital in Berlin – vielleicht haben Sie schon den ein oder anderen Text von mir zur Rente, zu Verbraucherfallen oder Wirtschaftspolitik gelesen. Ich freue mich sehr auf die kommenden Wochen – und auf Ihr Feedback!
Wie hat Ihnen dieser morgenstern gefallen? Schreiben Sie es mir gerne: matthias.urbach@stern.de. Sie können dieses Morgen-Briefing auch als Newsletter in Ihr Postfach erhalten. Melden Sie sich einfach unter folgendem Link an.
Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag!
Matthias Urbach
Source: stern.de