Missbrauchsskandal: US-Justizministerium soll 47.000 Epstein-Dateien fern nach sich ziehen

Das US-Justizministerium soll zehntausende Dokumente aus den
veröffentlichten Akten im Missbrauchsfall von Jeffrey Epstein offline genommen haben.
Wie das Wall Street Journal und CBS berichten, wurden ihren Analysen zufolge mehr
als 47.000 Dateien aus der öffentlich zugänglichen Datenbank entfernt.

Das US-Justizministerium will einer Sprecherin zufolge keine
Dateien gelöscht haben. Die Dokumente seien lediglich zur weiteren Überprüfung
vorübergehend offline gestellt worden. Das Wall Street Journal zitierte eine
Sprecherin mit der Angabe, 47.635 Dateien seien zu diesem Zweck entfernt worden,
sollten aber bis Ende der Woche wieder online gehen.

Nach Angaben des Wall Street Journal betreffen einige der
zurückgehaltenen Unterlagen FBI-Vermerke zu Befragungen einer Frau aus dem Jahr
2019. Sie habe ausgesagt, in den 1980er-Jahren als Minderjährige von Epstein
missbraucht worden zu sein und offenbar auch Vorwürfe sexuellen Fehlverhaltens
gegen den späteren US-Präsidenten Donald Trump erhoben.

Ministerium befindet Vorwürfe gegen Trump als „unbegründet“

In der Datenbank veröffentlicht wurden demnach eine
Zusammenfassung der Aussagen und ein erstes FBI-Vernehmungsprotokoll. Drei
weitere Berichte, in denen auch über Trump gesprochen worden sein soll, sind
laut Wall Street Journal derzeit nicht online. 

Bei der Veröffentlichung der Dokumente hatte es in einer
Pressemitteilung vom Ministerium geheißen, die Angaben in den Unterlagen seien nicht
verifiziert. Einige Vorwürfe gegen Trump seien dem FBI kurz vor der
Präsidentschaftswahl 2020 vorgelegt worden und „unbegründet und falsch“. Hätten
sie jegliche Glaubwürdigkeit gehabt, „wären sie sicherlich bereits gegen
Präsident Trump instrumentalisiert worden“, teilte das Ministerium mit.

Die Veröffentlichung der mehr als drei Millionen Seiten erfolgt
auf Grundlage des sogenannten Epstein Files Transparency Act, der das Justizministerium
verpflichtet, große Teile der Ermittlungsakten öffentlich zugänglich zu machen.
Nach Angaben von CBS News wurden aus der Sammlung auch etwa Fotos aus Epsteins
Gefängnis sowie Bilder von Computern und anderen Beweisstücken entfernt.

Das Ministerium begründete dies mit dem Schutz persönlicher
Daten und von Opfern. Abgeordnete kritisierten jedoch, einige Schwärzungen
könnten eher einflussreiche Personen schützen.