Mexiko: Regierungskritische Proteste in Mexiko weiten sich aus
Nach dem Mord an einem Provinzbürgermeister haben Tausende junge Menschen in Mexiko-Stadt gegen die grassierende politisch motivierte Gewalt sowie Korruption und Missstände in ihrem Land demonstriert. Bei Ausschreitungen am Rande der weitgehend friedlichen Proteste wurden Polizisten und Demonstranten verletzt.
An der Demonstration im historischen Zentrum der mexikanischen Hauptstadt hatten sich vor allem Angehörige der sogenannten Generation Z beteiligt. Dazu zählen Jugendliche und junge Erwachsene an, die etwa zwischen 1995 und 2010 geboren wurden. Die Protestierenden in Mexiko setzen sich für ein sicheres, gerechtes und korruptionsfreies Land ein.
Rund 120 Verletzte bei Protesten in Mexiko-Stadt
Am Rande der weitgehend friedlichen Demonstration kam es zu Ausschreitungen. Eine kleine Gruppe Vermummter riss Augenzeugen zufolge Metallabsperrungen um die Residenz von Präsidentin Claudia Sheinbaum weg und schleuderte Wurfgeschosse auf die Polizei. Daraufhin setzte die Polizei Tränengas ein.
Das Sicherheitsministerium gab an, Vermummte hätten die Polizei angegriffen. Dabei seien 100 Polizisten verletzt worden, 40 von ihnen mussten demnach ins Krankenhaus gebracht werden. 20 Verdächtige seien festgenommen worden, teilten die Behörden mit. Bei den Ausschreitungen wurden Medienberichten zufolge auch 20 Demonstranten verletzt.
Mord an Bürgermeister als Auslöser
Die Proteste, die auch in anderen mexikanischen Städten stattfanden, waren ausgelöst vom Mord an Carlos Manzo, dem Bürgermeister von Uruapan im Bundesstaat Michoacán. Unbekannte hatten ihn während einer Veranstaltung zum mexikanischen Feiertag Tag der Toten erschossen. Bei der Demonstration in Mexiko-Stadt trugen einige Menschen Hüte wie jenen, den Bürgermeister Manzo getragen hatte. Die Demonstranten hatten auch Plakate mit der Aufschrift „Wir sind alle Carlos Manzo“ bei sich.
Manzo war für seine harte Linie bei der Bekämpfung von Drogenbanden und als Kritiker der linken Präsidentin bekannt. Angesichts der Demonstrationen warf Sheinbaum den Mitgliedern der Generation Z vor, Erfüllungsgehilfen der konservativen Opposition zu sein.
Jugendproteste in vielen Ländern der Welt
In den vergangenen Monaten kam es in verschiedenen Ländern zu Protesten der Generation Z, unter anderem in Nepal, Marokko, Madagaskar und Peru. Die Bewegungen haben das junge Alter der Demonstranten gemeinsam, über soziale Netzwerke organisieren sie spontane Aktionen. Die Generation Z-Bewegung verwendet weltweit zudem die Totenkopfflagge aus einem japanischen Manga als Symbol. Das Motiv stammt aus dem japanischen Anime One Piece, in dem Piraten für die Freiheit kämpfen.
Die Anliegen der Demonstrationen unterscheiden sich. Teilnehmer protestierten bislang gegen verkrustete politische Systeme, fehlende Reformen und Aufstiegschancen sowie gesellschaftliche Ausgrenzung.