Meta qua Kunden: Chiphersteller Arm im Höhenflug

Mit einem steilen Kurssprung hat die Aktie des britischen Halbleiterkonzerns Arm Holdings Plc. auf die Ankündigung reagiert, dass das Unternehmen neben seinen traditionellen Geschäften fortan auch seine eigenen Prozessoren anbieten wird. Damit will sich das Unternehmen neue Betätigungsfelder und Umsatzquellen erschließen, Infrastrukturen für KI-Entwicklungen legen und mittel- bis langfristig eine Verdreifachung seines Konzernerlöses von derzeit knapp fünf Milliarden Dollar anpeilen.
Wie viele Chiphersteller arbeitet auch Arm derzeit hochprofitabel. Die Gewinnspanne beträgt mehr als 25 Prozent, die Konzernkasse ist gut gefüllt und das Auftragsbuch randvoll. Der freie Mittelzufluss beträgt bei einem Betriebsgewinn von knapp einer Milliarde Dollar 977 Millionen Dollar. Der Kassenbestand beläuft sich auf 2,8 Milliarden Dollar, abzüglich der Verbindlichkeiten ist Arm mit 1,8 Milliarden Dollar im Plus.
Der Vorstand von Arm wartet seit Jahren immer wieder mit genügend Ideen, Plänen und Konzepten auf, die freien Mittel im Unternehmen gewinnträchtig in eigenen Projekten anzulegen. Was einst als Designer für Handy-Chips begonnen hatte, ist heute bereits ein Kraftzentrum der gesamten Computerindustrie. Die neuen Arm-Chips sind Zentrale-Prozessoren-Einheiten. Diese sogenannten CPUs gelten als Gehirn eines Computers. Sie arbeiten Befehle nacheinander ab und haben in KI-Systemen koordinierende Funktionen. So dirigieren sie das rechenintensive Datenorchester der großen Grafik- und Neuronal-Chips eines KI-Systems.
„Wir haben Kunden, die Schlange stehen“, sagte der Vorstandsvorsitzende René Haas. Ganz vorn in der Reihe steht der Facebook-Konzern Meta. Er wird als erster großer Kunde die AGI-CPUs von Arm in seinen KI-Rechenzentren verbauen. Die Chips sind nicht nur leistungsstark, sie gehen bei ihrer Arbeit auch besonders sparsam mit Strom um. In der Technologie-Szene ist das ein großes Thema. Denn die neuen KI-Rechenzentren haben einen Stromverbrauch haben, der in etwa dem Bedarf einer Millionenmetropole entspricht. Arm sieht für seine kleinen Rechenwundern da große Möglichkeiten.
Bei den Investoren kamen die jüngsten Pläne der Briten gut an. Das an der US-Technologiebörse Nasdaq gelistete Papier von Arm zog nach der Bekanntgabe 16 Prozent an, bevor der Kurs wieder leicht nachgab. Derzeit kostet ein Anteilsschein 157 Dollar. Das bringt den Marktwert von Arm auf 166 Milliarden Dollar. Damit liegt das Unternehmen bereits deutlich über den Kurszielen der Analysten großer Bankhäuser wie Santander, Deutsche Bank und Morgan Stanley.
Vom Handy zum KI-Rechenzentrum
Allerdings hat Arm schon eine außerordentlich hohe Bewertung an der Börse. Der Kurs der Aktie entspricht derzeit fast dem Zweihundertfachen des jährlichen Gewinns. Der KI-Chiphersteller AMD kommt auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 85; Nvidia hat ein KGV von 35. Das heißt: Viele Aktionäre sehen im Kurs noch Luft nach oben. Sie trauen Arm in absehbarer Zeit jenseits des traditionellen Geschäfts mit Design und Lizenzen einiges zu.
Der Chiphersteller war Ende der 1980er Jahre als Acorn RISC Machines gegründete worden. Er setzte auf ein Chipdesign, das relativ einfach und energiesparend war. Mit dem Aufschwung der Handy- und später der Smartphonebrache erlebtem Arm als einer der wenigen europäischen Chiphersteller einen anhaltenden Höhenflug. Der setzte sich fort, als die Ingenieure daran gingen, die Arm-Designs auf Chips für Rechenzentren zu optimieren.
Greifen Kunden heute auf Arm zu, müssen sie je nach Produkt oder Service gestaffelte Nutzungs- und Lizenzgebühren zahlen. Bei einem Programmsatz für einen Chip sind das fünf Prozent des Endpreises, bei einem Bauplan zehn Prozent. Lässt Arm künftig Bausteine unter eigenem Namen fertigen, fließen 50 Prozent des Preises in die Kasse. Diese Aussicht hat die Phantasie vieler Anleger gerade zum Blühen gebracht.
Großaktionär von Arm ist Softbank, die japanische Technologieholding des Selfmade-Milliardärs Masayoshi Son. Der hatte Arm 2016 über seine Dachgesellschaft für 32 Milliarden Dollar gekauft, die Aktien von der Börse genommen und sie 2023 zum Teil wieder aufs Parkett gebracht. Damals wurde Arm mit 52 Milliarden Dollar bewertet. Heute hält Softbank rund 86 Prozent der Aktien. Kleinere Pakete liegen bei institutionellen Investoren. Acht Prozent sind in Streubesitz.
Source: faz.net