Meldungen aus dem Kunstmarkt: Guy Wildenstein, dies Asiengeschäft und sizilianische Ambitionen

Asiatische Investitionen

Erlesene Objekte aus privater Hand sorgten bei der Dezemberauktion asiatischer Kunst von Nagel in Stuttgart für ein Ergebnis von rund 5,8 Millionen Euro brutto, das weit über der Vorab­erwartung lag. Teuerstes Los der Versteigerung und zugleich das am höchsten bewertete Objekt des Auktionsjahrs in dem Unternehmen wurde mit Zuschlag bei 650.000 Euro eine seltene chinesische Figur aus vergoldeter Bronze, die den Buddha des unendlichen Lebens darstellt. Inklusive Aufgeld zahlt der Käufer 842.000 Euro für die mit Halbedelsteinen besetzte Statuette, die im späten 17. oder frühen 18. Jahrhundert in einer kaiserlichen Werkstatt gefertigt wurde. Eine kleine kaiserliche Vase mit Peking-Emaillebemalung wurde von geschätzten 40.000 bis 60.000 Euro auf 510.000 Euro getrieben, ein großes Paar bronzener buddhistischer Löwenfiguren aus dem China der Qing-Dynastie von taxierten 9000 bis 15.000 Euro auf den Zuschlagspreis von 170.000 Euro.

Im Unruhestand

Guy Wildenstein tritt nach 35 Jahren als Präsident von Wildenstein & Company zurück. Das teilte der Achtzigjährige „The Art Newspaper“ mit. Den Posten an der Spitze des Kunsthandelsimperiums in Familienbesitz, das aus einer Gründung seines Urgroßvaters Nathan Wildenstein in Paris hervorging, übernimmt der Sohn David Wildenstein. Vizepräsidentin wird die Tochter Vanessa Wildenstein. Über Jahre hinweg musste sich der französische und amerikanische Staatsbürger Guy Wildenstein in Frankreich immer wieder vor Gericht wegen seiner fragwürdigen Finanzpraktiken verantworten. Im März 2024 wurde er von einem Berufungsgericht in Paris der Steuerhinterziehung in großem Stil für schuldig befunden, zu einer vierjährigen Haftstrafe, von der zwei ohne Bewährung mit elektronischer Fußfessel abzuleisten sind, sowie der Zahlung einer Geldstrafe in Millionenhöhe verurteilt. Das Gericht befand, dass große Teile des Familienvermögens in Trusts in Steuerparadiese verschoben wurden. Mit dem Gerichtsurteil habe sein Rückzug von der Spitze des Kunsthandels nichts zu tun, sagte Guy Wil­denstein nun.

Auf nach Sizilien

Die in Zürich gegründete Megagalerie Hauser & Wirth könnte ihrem Portfolio von bislang 13 internationalen Niederlassungen bald eine Filiale in Italien hinzufügen – nicht in der norditalienischen Finanzmetropole Mailand, wie jüngst der Konkurrent Thaddaeus Ropac, und nicht in der Kapitale Rom oder der Biennale-Stadt Venedig, sondern in Palermo. Dort hat die Galerie, wie „La Repubblica“ zuerst berichtete, bereits im November einen substanziellen Teil des Palazzo De Seta gekauft, eines der früheren Veranstaltungsorte der Manifesta. Noch bis Mitte Januar können die Region Sizilien und das Kulturministerium ihr Vorkaufsrecht geltend machen. Ein Teil des historischen Gebäudekomplexes bleibt Eigentum des Nationalen Verbands der Bauunternehmer Italiens. Unter den Kaufinteressenten soll sich der Emir von Qatar befunden haben; mit dem Umbau zur Nutzung als Galerie soll ein „Stararchitekt“ beauftragt werden.

Source: faz.net