Mehrheit nutzt Handy fürs Banking – Jüngere bevorzugen nebst zwei Themen die Filiale
Erstmals nutzen mehr Menschen für Finanzgeschäfte eine App auf dem Smartphone als das Online-Banking auf dem Computer. Für Jüngere gilt dies umso mehr, doch gleichzeitig suchen diese bei bestimmten Fragen besonders häufig die Beratung vor Ort bei einer Bank.
Die Art und Weise, wie die Menschen in Deutschland ihre Finanzangelegenheiten regeln, hat sich zuletzt grundlegend verändert. Erstmals greifen mehr Kunden zur Banking-App auf dem Smartphone als zum klassischen Online-Portal ihrer Bank am Computer oder Tablet. Dies zeigen die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage im Auftrag der Postbank, die WELT AM SONNTAG vorliegen. Befragt wurden im Sommer vergangenen Jahres 3050 Personen.
Nach den aktuellen Erhebungen verwalten 39 Prozent der Befragten ihre Konten bevorzugt per App. Das Online-Portal kommt nur noch auf 33 Prozent. Noch im Jahr zuvor lag die Browser-Variante knapp vorn. Der Wechsel an der Spitze verdeutlicht, wie stark sich das Smartphone als ständiger Begleiter etabliert hat – nicht nur für Kommunikation und Unterhaltung, sondern auch für Überweisungen, Kontostandabfragen oder Depotübersichten.
Fast jeder Zweite unter 39 nutzt Banking-Apps
Besonders ausgeprägt ist die Vorliebe für das Smartphone naheliegenderweise bei den 18- bis 39-Jährigen. In dieser Altersgruppe setzt mit 46 Prozent fast jeder Zweite in erster Linie auf die App. Bei den über 40-Jährigen fällt der Anteil mit 36 Prozent deutlich geringer aus. Ältere Kunden greifen also noch wesentlich häufiger auf das Online-Portal zurück oder suchen eher die Filiale auf.
Dass Online- und App-Banking so stark verbreitet sind, hat offenbar vor allem praktische Gründe. Die große Mehrheit schätzt den Zeitgewinn und die Unabhängigkeit von Öffnungszeiten. Zudem vertrauen viele Nutzer den etablierten Sicherheitsverfahren wie Zwei-Faktor-Authentifizierung oder biometrischen Verfahren. Die Sorge vor Datenmissbrauch scheint die Nutzung digitaler Angebote nur noch in geringem Maße zu bremsen.
Ein Fünftel geht weiter lieber in die Filiale
Gleichzeitig bleibt der persönliche Kontakt nicht bedeutungslos. Rund ein Fünftel der Deutschen erledigt Bankgeschäfte weiterhin direkt in der Filiale. Hinzu kommen kleinere Gruppen, die telefonisch oder schriftlich mit ihrer Bank kommunizieren. Insgesamt wird mehr als ein Viertel aller Bankangelegenheiten nach wie vor offline abgewickelt.
Zudem zeigt sich bei genauerer Betrachtung ein interessantes Detail: Denn bei komplexeren Finanzthemen suchen ausgerechnet jüngere Kunden überraschend oft den persönlichen Austausch mit einem Bankberater. Ob es um Kreditanträge, Geldanlage oder die Verwaltung von Kreditkarten geht – in diesen Bereichen setzen unter 40-Jährige häufiger auf das Gespräch in der Filiale als die Generation darüber. Besonders deutlich wird dies beim Kreditkartenmanagement, wo der Anteil der Jüngeren, die eine persönliche Beratung wünschen, mit 14 Prozent doppelt so hoch ist wie bei Älteren.
Dieser Artikel wurde für das Wirtschaftskompetenzzentrum von WELT und „Business Insider Deutschland“ erstellt.
Frank Stocker ist Wirtschafts- und Finanzkorrespondent in Frankfurt. Er berichtet über Geldanlage, Finanzmärkte, Konjunktur und Zinspolitik. Zudem hat er Bücher zur Inflation von 1923 und zur Geschichte der D-Mark veröffentlicht.
Source: welt.de