Mehr Ertrag ist dies Ziel: ING setzt aufwärts KI und vermögende Kunden

Die Geschäfte der ING in Deutschland sind im vergangenen Jahr nicht mehr ganz so gut gelaufen. Vor Steuern verdiente die Direktbank-Tochtergesellschaft der niederländischen Großbank 1,9 Milliarden Euro, 233 Millionen Euro weniger als noch ein Jahr zuvor. Grund dafür war ein Rückgang im Zinsergebnis. In Summe lag es bei 3,2 Milliarden Euro, und damit um elf Prozent niedriger. Der Anstieg des Provisionsergebnisses um 42 Prozent auf nun 715 Millionen Euro konnte dies nur zum Teil auffangen. Auch andere Finanzkennzahlen waren 2025 rückläufig. So sank die Eigenkapitalrendite um 1,7 Prozentpunkte auf nun 13,5 Prozent. Dabei hat die Direktbank von ihrer Effizienz etwas ein­gebüßt. Die Aufwand-Ertrag-Relation stieg von 39,4 Prozent in 2024 auf 42,8 Prozent im vergangenen Jahr. Die ING musste also 0,43 Euro aufwenden, um einen Euro Ertrag zu generieren.

Der ehemalige Deutsch-Banker Lars Stoy, der seit rund einem Jahr an der Spitze der Direktbank steht, sprach von einem Jahr der Weichenstellungen. Der Einsatz Künstlicher Intelligenz soll die Bank in ihren Entscheidungen schneller machen, was laut Stoy ein Wettbewerbsvorteil ist. Beispiel Bau­finanzierung: Hier soll die Technologie helfen, Kreditanträge innerhalb nur einer halben Stunde zu prüfen und gegebenenfalls eine Finanzierung zuzusagen. Kunden sollen Krypto-ETN, bei denen man auf die Wertentwicklung setzt, ohne Kryptowährungen selbst zu kaufen, ohne Ordergebühren angeboten werden.

Fokus auf vermögende Kunden

Grundsätzlich wolle man sich auf vermögende Kunden konzentrieren, also diejenigen, die über liquide Mittel von mehr als 100.000 Euro verfügen. Anstelle auf pures Wachstum zu setzten, soll mehr Geschäft mit bestehenden Kunden gemacht werden. Im vergangenen Jahr gewann die ING in Deutschland 200.000 neue Kunden, deren Gesamtzahl sich nun auf 10,1 Millionen beläuft. Auch die Kreditkarte, welche die Direktbank hierzulande noch gar nicht im Angebot hat, soll in diesem Jahr kommen, bekräftigte Stoy frühere Ankündigungen. Im Großkundengeschäft setzt die ING nun mehr auf deutsche Kunden, will aber ihre Netzwerkmöglichkeit in anderen Ländern ausspielen.

Die ING gilt in Deutschland als Erfinderin des Tagesgeldkontos für Privatkunden. In dem nach dem Markteintritt der BBVA im vergangenen Jahr und dem für dieses Jahr geplanten der US-Großbank J.P. Morgan aggressiver gewordenen Wettbewerb im Privatkundenmarkt will das Ins­titut nicht um jeden Preis mitspielen. „Wir konzentrieren uns auf uns, indem wir die Grundlage für weiteres Wachstum legen“, sagte Stoy. Das wird er brauchen. Denn die ING-Gruppe will ihre Eigenkapitalrendite bis 2027 auf 15 Prozent steigern. Da wird auch das Deutschlandgeschäft, das 20 Prozent des Gesamtergebnisses ausmacht, liefern müssen, weiß Stoy.

Thema in Deutschland für die Muttergesellschaft sind auch Verbraucherkredite, in denen die Bank hierzulande klein ist. „Wir schauen uns eine Reihe Spieler an, übrigens in vielen Märkten“, sagte van Steven van Rijswijk, CEO der ING-Gruppe, am Donnerstag anlässlich der Jahresbilanzvorlage des Konzerns in Amsterdam. Um eine Akquisition abzuschließen, müsse aber unter anderem die Kultur passen.

Konzernweit profitiert die größte nie­derländische Bank von höheren Zinserträgen und Einnahmen aus Dienstleistungen. Im vierten Quartal stieg der Gewinn um mehr als ein Fünftel auf 1,41 Milliarden Euro. „Wir sehen weiterhin ein gutes Kreditwachstum im Privat- und Firmenkundengeschäft“, sagte van Rijswijk: „Wir sehen weiter steigende Einlagen – alles wächst.“ Das Ertragsplus im vergangenen Jahr sei auch auf eine wachsende Kundenzahl zurückzuführen.

Source: faz.net