Max Martin – dieser Hit-Architekt hinter The Weeknd und Taylor Swift

Max Martin

Stand: 26.02.2026 • 14:45 Uhr

Britney Spears, Katy Perry, The Weeknd oder Ariana Grande: Allen hat Max Martin zu Nummer-1-Hits verholfen. Der Schwede hat die Hitformel geknackt – bleibt aber gern im Hintergrund. Ein Porträt zum 55. Geburtstag.

Von Christoph Ohrem, WDR

Man könnte eine ganze Partynacht lang nur seine Hits spielen – und doch würde keiner der Gäste den Namen desjenigen kennen, der die Musik gemacht hat: Max Martin. Niemand hat mehr Nummer-1-Hits produziert als der schwedische Songwriter und Produzent.

Anlässlich seines 55. Geburtstages ein Blick auf das Phänomen Max Martin: Wie hat er die Hitformel geknackt hat und warum fühlt er sich im Studio wohler als im Scheinwerferlicht?

„Baby One More Time“: Pop-Stern Britney glänzt

1998 sorgte Max Martins Song „Baby One More Time“ dafür, dass der Pop-Stern von Britney Spears einen Sommer lang heller strahlte, als alle anderen. Es war der große Durchbruch. Für die Interpretin, wie auch für ihren Produzenten und Songwriter. Der endgültige Start seiner beispiellosen Karriere im Pop-Business.

Bis heute verhalf Martin neben den Backstreet Boys Ende der 90er-Jahre unter anderem Katy Perry, The Weeknd oder Ariana Grande zu großen Erfolgen. Sein jüngster Erfolg: „The Fate of Ophelia“ mit Taylor Swift. Auf YouTube wurde allein das Video zum Song mehr als 300 Millionen Mal aufgerufen.

„Sie haben meine Tarnung auffliegen lassen“

2016 erhielt Martin den inoffiziellen Musik-Nobelpreis. Bei der Preisverleihung zum schwedischen Polar Music Prize witzelte der Songwriter und Produzent: „Ich habe mich 20 Jahre lang im Keller hinter meinen Boxen versteckt. Jetzt haben Sie hier meine Tarnung auffliegen lassen.“

Als Karl Martin Sandberg kam der auf großer Bühne schüchtern wirkende Martin 1971 in Stenhamra in der Nähe von Stockholm zur Welt, als Sohn einer Lehrerin und eines Polizisten. Diese Preisverleihung war einer der wenigen Momente, in denen er sich in die Öffentlichkeit begeben hat. Seine Zurückhaltung ist dabei nicht nur eine Charaktereigenschaft, sondern Teil seiner Philosophie. Ihm geht es um den Song, nicht um die Person dahinter. Produzenten sind dazu da, die Künstlerinnen und Künstler glänzen zu lassen. Er sieht sich eher als Hit-Architekt denn als Popstar.

Dutzende von Hits über 30 Jahre

Um sich diesem Phänomen zu nähern, hilft es zu verstehen, wie die Musikindustrie hinter der Popmusik funktioniert. Gerade bei Solo-Künstlerinnen und -Künstlern ist es zu Beginn ihrer Karriere selten der Fall, dass sie ihre Songs selbst schreiben. Wenn sie etabliert sind, dürfen sie während der Produktion im Studio durchaus einen gewissen Einfluss ausüben. Nicht immer ist der Produzent maßgeblich beteiligt. Letztlich stehen hinter vielen Hits einzelne Songwriter und Produzenten.

Nicht selten sogar ganze Teams, die zusammenarbeiten, um den perfekten Song für die jeweiligen Künstlerinnen und Künstler aufzunehmen. Dass aber jemand so regelmäßig Hits produziert wie Martin, ist einzigartig. Viele schaffen in ihrer Karriere gerade einmal einen Hit zu schreiben, wenn überhaupt – und nicht gleich Dutzende über 30 Jahre hinweg. Das hat auch damit zu tun, dass er sich immer wieder mit jungen Talenten umgibt und mit ihnen zusammenarbeitet. So kann er stets neue Einflüsse und Trends in seine eigene Arbeit mit aufnehmen.

Vom Hardrock-Sänger zur Hitmaschine

Dass aus dem ehemaligen Sänger einer schwedischen Glam- und Hardrock-Band Ende der 80er-Jahre eine Hitmaschine für die Popindustrie wurde, liegt an einem anderen Schweden: Denniz Pop. Anfang der 90er-Jahre hat der Produzent in den Stockholmer Cheiron-Studios einen Sound entwickelt, der den internationalen Mainstream komplett verändert hat.

Interpreten wie Ace of Base stehen für diese Pionierzeit. Sie prägten eine Hitformel, die sich stark auf die Melodie konzentriert. Durch das Eindampfen auf wenige wesentliche musikalische Elemente schafft diese größtmögliche Wiedererkennbarkeit. Das bedeutet auch, einen Song immer wieder umzuschreiben, bis nur noch das Wesentliche bleibt.

Erfolgsformel: Eingängigkeit und explosive Refrains

Durch Martins Hardrock-Band It’s Alive wurde sein späterer Mentor Denniz Pop auf den begabten Sänger aufmerksam. Dabei fand er nicht dessen Rockgeste interessant, sondern sein Gespür für Melodien. Durch diese Zusammenarbeit lernte der aufstrebende Produzent hinter den Reglern im Studio, was seine späteren Songs zu Hits machte: klare Strukturen, explosive Refrains, kompromisslose Eingängigkeit.

Denniz Pop starb viel zu früh im Alter von 35 Jahren an einer Krebserkrankung. Aber seine Idee von Popmusik lebt weiter in der Arbeit von Martin. Im Laufe der Jahre hat er die Struktur perfektioniert: über eine eingängige Strophe zu einem absolut explosiven Refrain hinzuleiten. Der hat immer einen musikalischen Kern, eine Hook, die jeder sofort mitsingen kann.

Fast so erfolgreich wie Beatle Paul McCartney

Der Songwriter und Produzent hat inzwischen so viele Hits, dass aus ihnen ein Musical hervorgegangen ist. 2019 entstand unter seiner Mitwirkung das Jukebox-Musical „&Juliet“ (auf deutsch „&Julia“). Mit Bon Jovis „It’s My Life“ über Katy Perrys „Roar“ bis hin zu Kelly Clarksons „Since U Been Gone“ erzählt das Stück die Geschichte von William Shakespeares Romeo und Julia neu: Julia überlebt und feiert ihr Leben als eine poppige Selbstermächtigungsgala. Neben vielen Musical-Theatern in den USA war das Stück in London und Australien zu sehen. Es hat bis Anfang Februar 2026 in Hamburg gastiert.

Mit seinen 55 Jahren ist Martin der erfolgreichste Hitproduzent in den Billboard Hot-100-Singles: mit 26 Nummer-1-Hits. Gefolgt vom legendären Beatles-Produzenten George Martin mit 19 Nummer-1-Hits. Allerdings kann ihm ein Beatle noch den Rang ablaufen – in der Kategorie Nummer-1-Songwriter. Da ist ihm Paul McCartney mit 32 Hits noch vier Songs voraus. Aber Martin hat noch ein paar Jahre Zeit aufzuholen und weiter Musikgeschichte zu schreiben: als der erfolgreichste Unbekannte der Popgeschichte.

Der nächste Hit kommt bestimmt

Martin feiert heute seinen 55. Geburtstag. Ob er ihn im Kreise seiner Familie und mit Freunden in Stockholm oder in seinem Wohnsitz in Los Angeles in den Hügeln von Beverly Hills feiert, bleibt sein Geheimnis. So wie das meiste seines Lebens bei diesem Phantom der Pop-Charts sich im Verborgenen abspielt.

Kein Geheimnis allerdings dürfte es sein, dass viele bald wieder mit einem Ohrwurm im Kopf herumlaufen, der aus der Feder von Max Martin stammt. Auch wenn sie es nicht wissen.

Source: tagesschau.de