Martti Koskenniemi: „Das Völkerrecht existiert, solange wir daran glauben“

Martti
Koskenniemi, 72, ist einer der weltweit führenden Völkerrechtsexperten. Der
emeritierte Professor und ehemalige Diplomat lehrte zuletzt an der Universität
Helsinki. Die Festnahme des venezolanischen Staatschefs Nicolás Maduro durch US-Truppen
hält er – wie die meisten seiner Kollegen – für illegal. Versagt habe hier aber
nicht das Recht, sondern die Politik.

DIE ZEIT: Herr Koskenniemi, bedeutet
die Entführung Maduros das Ende des Völkerrechts, wie wir es kennen?

Martti
Koskenniemi:
Nicht im
Geringsten! Das Völkerrecht ist sehr viel leistungsfähiger, als es in einer
solchen hochpolitischen Situation vielleicht den Anschein hat. Internationale
Beziehungen bestehen aus Recht – angefangen bei der Frage, was ein Staat überhaupt
ist oder wie internationale Verträge geschlossen werden. Diese gemeinsamen
Grundregeln waren schon immer der zentrale Aspekt des Völkerrechts. Sie stehen
auch jetzt nicht infrage.