Martin Schröder: „Wählen Sie das Jahr 2026!“

1946 erschien die erste Ausgabe DIE ZEIT. Wir feiern mit Menschen, Dingen und Ideen, die genauso alt sind wie wir – und die Welt bis heute bewegen.

DIE ZEIT: Herr Schröder, Ihr Buch trägt den Titel Warum es uns noch nie so gut ging und wir trotzdem ständig von Krisen reden. Was macht Sie angesichts all der tatsächlichen Krisen so zuversichtlich?

Martin Schröder: Die Zahlen sind eindeutig. Vergleicht man die Welt von heute mit der von 1946 und den Jahrzehnten danach, zeigt sich ein enormer Fortschritt: Die Armut hat sich weltweit mehr als halbiert, 1981 lebten noch 44 Prozent der Weltbevölkerung in extremer Armut, 2015 waren es nur noch etwa 10 Prozent. Die durchschnittliche Lebenserwartung ist extrem gestiegen, die Kindersterblichkeit gesunken. 1960 starb weltweit fast jedes fünfte Neugeborene innerhalb der ersten fünf Lebensjahre, heute ist es weniger als jedes 20. Selbst das Risiko, einem Krieg zum Opfer zu fallen, ist seit 1950 um mehr als 90 Prozent gesunken. Auch wenn Putins Überfall auf die Ukraine die Zahl der Kriegstoten wieder in die Höhe trieb. Und die Menschen sind insgesamt klüger geworden. Wer heute als durchschnittlich intelligent gilt, hätte vor 80 Jahren zu den Schlauesten gezählt.