Marktbericht: Pessimisten nach sich ziehen die Oberhand
marktbericht
Von Entspannung im Nahen Osten kann keine Rede sein – die Ölpreise steigen wieder. Verbraucher werden pessimistischer, auch die Anleger scheuen heute das Risiko.
Der DAX ist mit einem deutlichen Minus in den Handelstag gestartet. Er notiert im frühen Handel mehr als ein Prozent tiefer bei rund 22.670 Punkten.
Für bessere Stimmung bei den Anlegern hatten zuletzt Bemühungen der USA um eine Deeskalation der Lage am Golf gesorgt. Einem hochrangigen iranischen Vertreter zufolge hat Pakistan einen Vorschlag der USA an Iran übermittelt. Teheran hat bisher öffentlich bestritten, mit der US-Regierung zu verhandeln. Medien hatten berichtet, Washington habe dem Iran einen 15-Punkte-Vorschlag unterbreitet.
Allerdings bleibt die Lage unklar, was die Nervosität bei den Investoren steigen lässt. „Die Schlagzeilen deuten auf einen konstruktiveren Ton hin, aber die Märkte sind unsicher, welchen Signalen sie vertrauen sollen“, sagte Chris Weston, Forschungsleiter bei Pepperstone.
Auch Christian Henke, Marktbeobachter bei IG Markets, ist skeptisch: „Ruhe an den Märkten kehrt nicht ein. Zwar scheinen im Augenblick die USA eher an einem Kriegsende interessiert zu sein als der Iran. Die befürchteten ökonomischen Auswirkungen des Krieges vermiest den Anlegern die Laune“, so der Experte. Sie hielten sich deshalb zurzeit mit Engagements zurück.
Nicht nur die Aktienmärkte sind nervös, der Iran-Krieg und die Sorge vor weiter steigenden Energiepreisen drücken auch die Stimmung bei Verbraucherinnen und Verbrauchern. Nach einer in Nürnberg veröffentlichten Studie der Konsumforschungsinstitute GfK und NIM ist der Indikator für das Konsumklima im April auf minus 28,0 Punkte gefallen.
Besonders pessimistisch sind viele Menschen was ihre Einkommenserwartungen angeht. Begründet wird das unter anderem mit der Sorge vor wieder anziehenden Inflationsraten. Auch die Konjunkturaussichten für die kommenden zwölf Monate sehen Verbraucherinnen und Verbraucher deutlich negativer.
Der Iran-Krieg bremst nach Ansicht des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) das Wirtschaftswachstum in Deutschland. Für 2026 könne das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 0,9 Prozent wachsen – allerdings nur für den Fall, dass der Iran-Krieg nicht über den Sommer hinaus andauere, wie das zur gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung gehörende Institut mitteilte. Damit setzte das IMK seine Prognose von Dezember um 0,3 Prozentpunkte herab.
„Im Februar haben wir noch darüber nachgedacht, die Prognose für 2026 anzuheben, weil zunehmend positive Signale kamen, bis hin zu den Industrieaufträgen“, erklärte der wissenschaftliche Direktor des IMK, Sebastian Dullien.
Die vage Hoffnung auf eine Deeskalation im Nahen Osten hat sich bislang nicht nachhaltig auf die Ölpreise ausgewirkt. Der Preis für Öl der Nordseesorte Brent steigt wieder über 100 Dollar pro Fass und liegt damit weiterhin um fast 40 Prozent über dem Niveau von vor dem Kriegsausbruch im Nahen Osten.
„Der Optimismus hinsichtlich eines Waffenstillstands ist geschwunden“, sagte Tsuyoshi Ueno vom NLI Research Institute. Die Ölpreise dürften je nach Verlauf des Krieges oder der Verhandlungen in den kommenden Wochen weiter stark schwanken.
Der deutsche Chemiekonzern BASF hat seinen neuen Verbundstandort in China eröffnet. Ein Verbundstandort ist ein Produktionskomplex. Produktionsanlagen, Energieflüsse und Logistik sind eng vernetzt. Nebenprodukte einer Fabrik können direkt als Rohstoffe für eine andere Fabrik verwendet werden. Das Ziel: Ressourcen sparen und Abfälle minimieren.
Mit dem neuen Standort will BASF seine Position im Chemie-Markt der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt verbessern. Bislang erwirtschaftet BASF lediglich rund 14 Prozent seines globalen Umsatzes in China.
Der südkoreanische Autobauer Hyundai Motor will seinen Absatz in China mittelfristig mehr als verdoppeln. Man strebe an, jährlich 500.000 Fahrzeuge in China zu verkaufen, sagte Konzernchef Jose Munoz. Zudem wolle Hyundai bis 2030 insgesamt 36 neue Modelle in Nordamerika einführen.
Die Expansionspläne könnten den Wettbewerb für deutsche Autobauer wie Volkswagen, BMW und Mercedes-Benz verschärfen, die in beiden Märkten stark vertreten sind.
Source: tagesschau.de