Marktbericht: Konjunktursorgen schicken Deutscher Aktienindex aufwärts Talfahrt

Blick in die Frankfurter Börse.


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Stand: 09.03.2026 • 10:41 Uhr

Konjunktursorgen und die Furcht vor einer anziehenden Inflation drücken den DAX zeitweise unter die Marke von 23.000 Punkten. Vor allem der drastische Anstieg der Ölpreise macht den Investoren große Sorgen.

Rasant gestiegene Ölpreise sorgen für ein Beben an den Börsen. Der DAX büßt im frühen Handel rund zwei Prozent auf rund 23.100 Punkte ein. Den tiefsten Stand des bisherigen Tages hatte er bei 22.927 Zählern erreicht. Am Freitag war der deutsche Leitindex mit einem Minus von 0,9 Prozent auf 23.591 Punkten ins Wochenende gegangen.

Ölpreis zieht Aktien ins Minus

Vor allem der rasende Anstieg der Energiepreise schockiert die Anlegerinnen und Anleger und schürt zunehmend Inflations- und Wachstumssorgen. Der Krieg im Nahen Osten treibt den Ölpreis in immer weitere Höhen. Erstmals seit Beginn des Ukraine-Kriegs steigen die Notierungen wieder über 100 Dollar.

Das Plus liegt inzwischen bei rund 50 Prozent. Zum Vergleich: Ende Februar hatte der Preis noch bei etwa 70 Dollar pro Barrel notiert. Auch die Spritpreise sind seither deutlich gestiegen.

„Der Ölpreis schießt heute durch die Decke und zieht gleichzeitig die Aktienmärkte in die Tiefe. Die Angst davor, dass das schwarze Gold die Weltkonjunktur ausbremsen könnte, ist deutlich größer geworden“, kommentiert IG-Chefmarktanalyst Christian Henke. Die Politik schaut inzwischen ebenfalls auf den Ölpreis. Laut Financial Times beraten die G7-Finanzminister darüber, Öl aus strategischen Reserven freizugeben, um den Markt zu beruhigen.

Der Chefvolkswirt von JPMorgan, Bruce Kasman, ist der Ansicht, wenn der Ölpreis nachhaltig über 120 Dollar steigen würde, könnte das eine globale Rezession auslösen. Ein solches Szenario könnte das weltweite Wirtschaftswachstum im ersten Halbjahr um 0,6 Prozentpunkte drücken und die Verbraucherpreise um einen Prozentpunkt anheben, so Kasman.

Fallen Öl- und Gaslieferungen aus, blieben die Auswirkungen nicht auf den Energiesektor beschränkt, stellt Maximilian Wienke, Marktbeobachter beim Broker eToro, fest. „Produktions- und Transportkosten steigen, Verbraucherpreise ziehen spürbar an. Tankerversicherungen verteuern sich deutlich, Reedereien meiden die Route und Lieferketten geraten ins Stocken.“

Commerzbank-Experten prognostizieren, dass ein fortgesetzter und vor allem nachhaltiger Ölpreisanstieg die Inflation wohl wieder nach oben treiben würde. Im Euroraum wäre dann eine Teuerungsrate von drei Prozent denkbar.

Aus Sicht von Wienke würde aber auch das Risiko einer Stagflation wachsen, steigende Preise bei gleichzeitig schwächerer Konjunktur. „Für die Notenbanken wäre dies ein äußerst schwieriges Szenario.“

Wie könnte die Geldpolitik reagieren? In seinem Tageskommentar schreibt Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank, dass sich die Erwartungen an die Geldpolitik der EZB bereits deutlich verschoben hätten: „An den Terminmärkten wurde binnen einer Woche aus einer mit 55 Prozent Wahrscheinlichkeit eingepreisten Zinssenkung bis Jahresende eine Zinserhöhung um 0,25 Prozentpunkte zu 100 Prozent Wahrscheinlichkeit eingepreist.“

Die US-Futures deuten derzeit darauf hin, dass die globalen Kursverluste auch die US-Börsen treffen könnten. Am Terminmarkt liegen sowohl Dow Jones, S&P 500 als auch der Nasdaq um mehr als ein Prozent im Minus.

Auf dem Frankfurter Parkett gab es heute einen Börsengang. Der Börsen-Neuling Gabler, ein U-Boot-Ausrüster, feierte seinen ersten Handelstag. Aktien aus dem Rüstungssektor sind in diesen Zeiten der dauernden geopolitischen Konflikte gefragt. Die Titel notierten in einem extrem schwachen Gesamtmarkt gut elf Prozent über dem Ausgabepreis von 44 Euro.

Source: tagesschau.de