Marktbericht: Infineon hinauf Erholungskurs

Firmengebäude von Infineon, hinter Erdhaufen auf der Fläche für ein neues Werk.


marktbericht

Stand: 20.03.2026 • 13:56 Uhr

Die zuletzt abgestrafte Infineon-Aktie startet zum Wochenschluss einen Erholungsversuch. Die Anleger wittern nach positiven Expertenempfehlungen wieder Morgenluft.

Der Krieg im Nahen Osten hatte auch die jüngste Erfolgsgeschichte des Münchener Chipherstellers Infineon relativ abrupt beendet. Bis auf 48,23 Euro war das Papier im Februar gestiegen, ein Mehrjahreshoch, ehe es um rund 20 Prozent bergab ging.

Der Kursverfall endete zuletzt erst an der bei etwas über 38 Euro liegenden 200-Tage-Linie, einem wichtigen markttechnischen Unterstützungsniveau und gleichzeitig dem Kursniveau aus dem Dezember 2025. Heute nun startet die Aktie eine Gegenbewegung und gehört zu den größten Gewinnern im Leitindex DAX, den sie auch anführt.

Anders als in den USA sind auf dem deutschen Kurszettel kaum Technologievertreter oder gar Weltmarktführer vertreten. Die Musik spielt hier an der US-Technologiebörse Nasdaq, wo die großen Weltmarktführer, die sogenannten „Magnificent Seven“, zu Hause sind. Das sind Nvidia, Alphabet, Microsoft, Meta, Amazon, Tesla und Apple.

Infineon spielt in diesem billionenschweren Konzert mit einer Börsenbewertung von rund 50 Milliarden Euro zwar nur eine vergleichsweise kleine Rolle – gehört aber gleichwohl auch zu den Profiteuren des scheinbar nicht enden wollenden Booms um das Thema Künstliche Intelligenz (KI).

Konkret wird der heutige Aufschwung durch eine Studie von JPMorgan-Analyst Sandeep Deshpande getragen. Er erwartet für die Infineon-Aktie ein Kursziel von 48 Euro und traut dem Papier damit die Rückkehr an das Jahreshoch vom Februar zu.

Die Münchner seien einer der größten Profiteure des immensen Energiebedarfs beim KI-Einsatz, schrieb Deshpande. Infineon bietet Lösungen für mehr Energieeffizienz in den Rechenzentren. Dank neuer Systemarchitekturen dürfte die Bedeutung zum Ende des Geschäftsjahres 2026 hin noch zunehmen. Zudem setzt Deshpande darauf, dass der Tiefpunkt im Geschäft mit der Autobranche erreicht ist und nun eine Stabilisierung folgen kann. Die Autobranche ist traditionell ein wichtiger Infineon-Kunde.

Infineon ist somit Teil einer Entwicklung, die vom rasanten Ausbau der künstlichen Intelligenz bestimmt wird – von autonomen Autos über humanoide Roboter bis zu den Rechenzentren, die unsere Daten verarbeiten.

Bei humanoiden Robotern arbeitet Infineon dabei mit KI-Platzhirsch Nvidia zusammen. Während die Amerikaner das „Gehirn“ liefern, kommen aus München Sensoren, Steuerung und Energieversorgung. Ein zentraler Punkt ist der enorme Stromhunger, der mit KI-Anwendungen verbunden ist. Denn Energie ist knapp und teuer; genau hier setzt Infineon an. Die Chips der Münchner machen Rechenzentren effizienter – sprich: weniger Strom, mehr Leistung.

Dazu passt, dass die Bundesregierung den Ausbau von Rechenzentren in Deutschland deutlich beschleunigen will. Bis 2030 sollen die Kapazitäten verdoppelt werden. Ein wichtiger Knackpunkt sind dabei die in Deutschland vergleichsweise hohen Stromkosten.

„Rechenzentren sind ganz einfach gesagt die Fabriken des 21. Jahrhunderts“, sagte Digitalminister Karsten Wildberger (CDU). „Damit werden zunehmend immer mehr Prozesse auch des wirtschaftlichen Lebens gesteuert: von KI-unterstützten Diagnosen im Medizinbereich, Fernwartung und Steuerung von Industrieanlagen, autonome Logistik et cetera.“

Der DAX hat am frühen Nachmittag eine Großteil seiner Gewinne aus dem frühen Geschäft wieder abgegeben. Der Index fällt wieder unter die Marke von 23.000 Punkten und steht nur noch leicht im Plus. Im Fokus bleibt weiterhin die angespannte Lage am Persischen Golf, die sich stündlich ändern kann. Die Schwankungen bleiben damit im Index hoch.

Source: tagesschau.de