Marktbericht: Gespannte Ruhe an der Börse nach aufregender Woche
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Zum Wochenschluss hat sich der DAX nach den Grönland-Schwankungen der Vortage zwar wieder beruhigt. Trotzdem bleibt die Stimmung angespannt – was sich vor allem an der Flucht ins Gold zeigt.
Der Zollschock von Donald Trump ist zwar verdaut, zu einer erneuten schwungvollen Gegenbewegung hat es aber heute nicht gereicht an der Frankfurter Börse. Vielmehr bleiben die Anleger vorsichtig. Mit dem Beginn der Berichtssaison auch hierzulande und der Zinssitzung der US-Notenbank erwartet die Börse ab der kommenden Woche ein Fülle neuer Daten. Zudem bleiben geopolitische Risiken auf der Agenda.
In diesem wackligen Umfeld hat der DAX heute keine allzu großen Sprünge gemacht. Der deutsche Leitindex ging bei genau 24.900 Punkten um 0,18 Prozent am Ende noch leicht höher aus dem Handel. Gestern hatte die Erleichterung über das Ende des Zollstreits mit der US-Regierung überwogen und dem Index ein deutlich höheres Plus von 1,2 Prozent auf 24.856 Punkte beschert.
Für Analyst Frank Sohlleder vom Broker Activtrades ist dagegen weiterhin eine gewisse Skepsis spürbar: „Der Grönland-Thriller ist zwar entschärft, aber noch lange nicht ausgestanden.“ Und laut Marktbeobachter Andreas Lipkow bleibt die Frage offen, welches Thema von den USA als nächstes kommt oder wieder aufgewärmt wird.
Gegen Unsicherheit helfen am besten überzeugende Gewinnausweise. Die jüngste Aufwärtsbewegung vor dem Grönland-Streit war schließlich immer wieder mit der Hoffnung begründet worden, dass nach dem Krisenjahr 2025 im laufenden Jahr eine wirtschaftliche Erholung in Deutschland zu erwarten sei. Die Unternehmen müssen also nicht nur liefern, sondern vor allem die Ausblicke müssen stimmen. Was die Anleger von Adidas offenbar nicht erwarten. Die Aktie war heute DAX-Schlusslicht und verlor über fünf Prozent.
Neben dem Warten auf neue Quartalsberichte stand heute auch die Hoffnung auf Fortschritte in den Friedensgesprächen zwischen Russland und der Ukraine. Unter Vermittlung der USA wollen Unterhändler Russlands und der Ukraine in Abu Dhabi, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate, erstmals seit längerem wieder auf offizieller Ebene miteinander reden.
„Ein möglicher Durchbruch auf dem Weg zum Frieden wäre für die europäischen Märkte der ultimative Wachstumstreiber und könnte den DAX schnell wieder über die 25.000er-Marke hieven“, prognostizierte Experte Sohlleder.
In New York tendieren die großen Aktienindizes am Mittag Ortszeit uneinheitlich. Während der Leitindex Dow Jones moderat im Minus liegt, geht es an der Technologiebörse Nasdaq ebenso bergauf.
Im besonderen Fokus stehen die Papiere von Chiphersteller Intel, die um knapp 16 Prozent fallen und damit einen schwarzen Tag erleben. Allerdings hatten sie seit dem Jahreswechsel einen Kursanstieg von fast 50 Prozent hingelegt. Für JPMorgan-Analyst Harlan Sur war der Kursanstieg zu viel des Guten. Intel wird auf seinem Sanierungskurs von Lieferengpässen gebremst. Das Umsatzziel für das laufende Quartal enttäuschte die Wall Street.
Edelmetalle bleiben bei Investoren weiter stark gefragt: Der Preis für eine Feinunze Silber (etwa 31,1 Gramm) stieg heute erstmals über 100 Dollar. In den ersten Wochen des Jahres ist Silber damit um fast 40 Prozent teurer geworden und war damit sogar gefragter als Gold.
Aber auch der Goldpreis kennt derzeit nur eine Richtung und nähert sich der Marke von 5.000 Dollar je Feinunze. Geopolitische Krisen und die politischen Kapriolen der Trump-Regierung befeuern die Flucht in das als sicherer Hafen geltende Edelmetall. Das Vertrauen in die USA und deren Vermögenswerte sei erschüttert und das treibe das Kapital in Edelmetalle, sagt Kyle Rodda, leitender Marktanalyst bei Capital.com.
SAP waren heute bei den Einzelwerten größter DAX-Gewinner. Der Walldorfer Softwarekonzern eröffnet am kommenden Donnerstag die heiße Phase der Berichtssaison hierzulande. Die Spannung steigt entsprechend im Vorfeld.
Die Aktie hat zuletzt schwer gelitten. Hintergrund der Schwäche ist die Frage, ob künstliche Intelligenz (KI) womöglich komplexe Softwareprogramme leicht ersetzen kann? Die Anleger sind schon länger skeptisch, seit dem Sommer hat die SAP-Aktie mehr als ein Viertel ihres Wertes eingebüßt.
Source: tagesschau.de