Marktbericht: dm steigt in den Gesundheitsmarkt ein

dm-Filiale in Berlin.


marktbericht

Stand: 15.12.2025 15:07 Uhr

In den Markt für rezeptfreie Medikamente kommt mächtig Bewegung. Die Drogerie dm, immerhin Marktführer in Deutschland, startet mit dem Versandhandel – und setzt damit die Konkurrenz unter Druck.

Der heimische Drogerie-Marktführer dm weitet sein Angebot aus und beginnt ab morgen mit dem Vertrieb von nicht verschreibungspflichtigen Medikamenten. Dies bestätigte das Unternehmen der ARD-Finanzredaktion.

Verschreibungspflichtige Medikamente wird man bei dm dagegen nicht bekommen. Dem Handelsblatt sagte dm-Chef Christoph Werner, er sehe dennoch großes Potenzial. Täglich kaufen nach Unternehmensangaben bis zu zwei Millionen Menschen in den 2.150 Filialen des Karlsruher Unternehmens ein, das aber selbst nicht börsennotiert ist.

Im Programm sind laut Handelsblatt zunächst rund 2.500 rezeptfreie Medikamente (OTC-Produkte) und rund 1.000 aus dem Bereich Hautpflege, die sich online in die dm-Filialen bestellen lassen. Versenden will die Drogeriekette demnach aus dem benachbarten Tschechien.

Die Drogeriekette will nach eigenen Angaben vor allem junge, online-affine Kunden ansprechen. Bekannt ist das Modell aus den USA, wo es durchaus üblich ist, seinen Medikamentenbedarf auch im Einzelhandel zu decken.

Gesundheitsversorgung im Fokus – die Konkurrenz erwacht

Und noch eine Marktlücke könnte dm füllen. Das Unternehmen testet derzeit auch Untersuchungen wie etwa Bluttests oder Augenscreenings. Kein Wunder, dass sich die Konkurrenz zu Wort meldet. Kritik kommt dabei aus der Ärzteschaft und den Apotheken, die vor einer Verunsicherung der Kunden warnen.

Ein hochwirksames und damit potenziell auch gefährliches Arzneimittel dürfe nur fachgerecht von einer Apotheke abgegeben und nicht „marketinggesteuert von einem Drogeriemarkt rausgehauen werden“, erklärte der Vorsitzende des Deutschen Apothekerverbandes (DAV), Hans-Peter Hubmann.

Trotzdem, für die stationären Apotheken in Deutschland dürfte der Konkurrenzdruck weiter steigen. Seit Jahren geht die Zahl der Apotheken zurück. Zuletzt waren es in Deutschland laut Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände etwa 17.000. Im Jahr 2016 gab es noch mehr als 20.000 Apotheken in Deutschland.

Auch die Börse reagiert

An der Börse haben spätestens seit Bekanntwerden der dm-Pläne im Herbst die Anleger reagiert und sich von Aktien der Konkurrenz getrennt. Etwa das im MDAX enthaltene Papier von Redcare Pharma, zu dem auch die Plattform ShopApotheke gehört, das binnen eines Jahres mehr als die Hälfte seines Wertes verloren hat.

Ähnlich stark betroffen sind auch DocMorris-Papiere, eine Schweizer Online-Apotheke. Heute erholen sich die Papiere nach anfänglicher Schwäche, bleiben aber nahe ihrer Zwölf-Monats-Tiefstände.

DAX steht etwas höher

Zum Start der letzten vollen Handelswoche erholt sich der Leitindex DAX von seinem Rücksetzer am Freitag. Der Index legt am frühen Nachmittag rund 0,3 Prozent auf knapp 24.300 Punkte zu. Händler sprechen allerdings von einem ausgedünnten Handel.

Dies reflektiere die abwartende Haltung vieler Anleger, kommentierte Marktexperte Andreas Lipkow. Es werde keinen Freifahrtschein für den DAX zum Erreichen des bisherigen Rekordkursniveaus geben, denn die Verkaufsneigung jenseits der Marke von 24.400 Punkten sei zu groß. Zudem sei das weitere Kurspotenzial durch die mäßigen Gewinnaussichten der Unternehmen im Jahr 2026 gedeckelt. „Solange sich keine erkennbaren auffallenden Konjunkturindikationen zeigen, werden die Investoren weiterhin sehr selektiv am Gesamtmarkt vorgehen“, glaubt Lipkow.

Source: tagesschau.de