Marktbericht: Deutscher Aktienindex mitten unter von Konjunktur- und Inflationssorgen

Blick in die Frankfurter Börse.


marktbericht

Stand: 13.03.2026 • 11:10 Uhr

Seit Beginn des Iran-Krieges vor knapp zwei Wochen wechseln sich bei Anlegern zwei Sorgen ab: die um die wirtschaftliche Erholung mit der wegen steigender Preise. Heute gibt es beides.

Freitag, der 13. ist für manche ein Unglückstag – für die Börsen ist er heute die Fortsetzung einer ganzen Unglücksserie seit Beginn des Iran-Krieges vor knapp zwei Wochen. Der DAX startet mit einem Minus von gut einem Prozent bei 23.350 Punkten in den Tag.

Auf Wochensicht ist es ein ähnlich hohes Minus. Seit Beginn des Iran-Krieges sind es aktuell DAX-Verluste von sieben Prozent.

Wie der Aktienstratege Emmanuel Cau von der Barclays Bank schrieb, sind die Aktienmärkte bislang noch nicht so stark gefallen wie bei früheren Ölpreisschocks. Anleger glaubten noch an den „Trump-Put“, also die Annahme, dass der US-Präsident rechtzeitig eingreift, wenn die Märkte stärker unter Druck geraten. Sie rechnen mit einer Art Sicherungsnetz gegen fallende Kurse.

„Die Nervosität wächst jedoch täglich und je länger die Straße von Hormus geschlossen bleibt, desto stärker dürften die Märkte in Richtung Stagflation tendieren“, warnt der Experte.

Am Ölmarkt gab es noch keine Richtungsänderung. Der Preis für das Barrel (159 Liter) Öl der Nordseesorte Brent kostet am Terminmarkt weiter um die 100 US-Dollar. Das schürt Inflationssorgen, denn das teure Öl und Gas könnte schnell auf viele andere Preise durchschlagen.

Wobei dies sogar ziemlich schnell geschehen könnte, wie der Konjunkturchef des RWI-Leibniz-Instituts, Torsten Schmidt, warnt. Sollte der Krieg länger als einen Monat dauern, könnte die Inflation in Deutschland deutlich steigen, vorübergehend sogar in Richtung sechs Prozent.

Die steigenden Preise spüren momentan vor allem Autofahrer, und laut RWI ist Entspannung an der Zapfsäule erst einmal nicht in Sicht. Benzin und Diesel dürften vorerst weiter um die zwei Euro pro Liter kosten.

Die Lage bleibt äußerst angespannt, und inzwischen gibt es sogar Anzeichen für ernste Störungen in den Lieferketten, wie heute der Chemieverband VCI warnte. Die Mitglieder des Verbandes, die Unternehmen der Branche, sprächen von ersten extremen Engpässen, nicht nur bei Öl und Gas, sondern auch bei anderen Rohstoffen wie bei Düngemitteln – Ammoniak – aber auch bei Phosphat, Schwefel, Helium.

Solche Engpässe könnten viele andere Branchen treffen, das befeuert Konjunktursorgen. Die Chemieindustrie, die ohnehin schwächelt, zog jetzt ihre komplette Jahresprognose zurück.

Um die Lage am Ölmarkt etwas zu entspannen, erlauben die USA Ländern wieder zeitlich befristet den Kauf von russischem Öl. Dabei geht es nur um Öl, das sich bereits auf Schiffen befindet, teilte US-Finanzminister Scott Bessent mit. Die befristete Ausnahme von US-Sanktionen soll bis 11. April gelten.

Die steigenden Energiekosten dürften zu steigenden Preisen führen – ein Problem für die globalen Notenbanken wie die US-Notenbank Federal Reserve und die EZB. Sie hatten zuletzt ihre Leitzinsen gesenkt. Die Idee dahinter: die Konjunktur ankurbeln. Jetzt wird sogar schon wieder über eine Erhöhung der Leitzinsen diskutiert. Nächste Woche beraten EZB und Fed über die nächsten Zinsschritte.

Schwindende Hoffnungen auf eine Lösung im Krieg zwischen den USA und Israel mit dem Iran und die damit verbundenen hohen Ölpreise belasten die Börsen in Asien. In Japan gab der Nikkei 1,2 Prozent nach.

Auch die US-Börsen waren gestern auf Talfahrt. Der Leitindex Dow Jones hatte sich mit einem Minus von 1,6 Prozent bei 46.677 Punkten aus dem Handel verabschiedet. Der breit gefasste S&P 500 verlor 1,5 Prozent auf 6.672 Zähler, und die technologielastige Nasdaq gab 1,8 Prozent auf 22.311 Stellen nach.

Aus den Depots der Anleger wurden vor allem die unter hohen Kerosinkosten leidenden Airlines geworfen. Aktien von Öl- und Gasunternehmen legten dagegen zu.

Source: tagesschau.de