Marktbericht: Deutscher Aktienindex mit verhaltenem Auftakt
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Die Kurskapriolen der vergangenen Handelstage haben sich beruhigt, doch der DAX beginnt den Handel zur Wochenmitte erhalten. Infineon sorgt für gute gute Nachrichten. Die Aktie erobert die DAX-Spitze.
Es ist ein moderater Handelsstart heute in Frankfurt. Doch nach dem Abverkauf bei Tech-Aktien in den USA war Schlimmeres zu befürchten. Die Nervosität lässt nach. Der Auftakt gelingt mit einem Plus im DAX von 0,3 Prozent auf 24.864 Zähler. Am Dienstag hatte der deutsche Leitindex 0,07 Prozent auf 24.781 Punkte verloren.
„Kurzfristig wird KI für den DAX vom Segen zum Fluch“, schätzt Jochen Stanzl, Chefanalyst der Consorsbank, die Lage ein. „Anleger richten einen bangen Blick auf die runde Marke von 25.000 Punkten, nachdem der Index bei überdurchschnittlichen Handelsumsätzen einen Fehlausbruch aufs Parkett legte.“
Zwar hätten sich in den vergangenen Tagen mehrere fundamentale Rahmenbedingungen verbessert, doch kämen ausgerechnet die Zugpferde im Index nicht so richtig in Fahrt – allen voran SAP. Die Marke von 25.000 DAX-Punkten sei ein vielbeachteter Widerstand.
Ein Kursrutsch bei Technologie-Aktien hatte die US-Börsen am Dienstag ins Minus gedrückt. Der US-Standardwerteindex Dow Jones verlor 0,3 Prozent auf 49.241 Punkte. Der technologielastige Nasdaq gab 1,4 Prozent auf 23.255 Zähler nach und der S&P 500 büßte 0,8 Prozent auf 6.918 Stellen ein.
Vor allem Datenanalyse- und Softwareaktien machten mit fallenden Kursen von sich reden. Auslöser war die Sorge über die Fortschritte bei Künstlicher Intelligenz nach der Einführung eines Zusatzmoduls für den Chatbot Claude des KI-Unternehmens Anthropic. Dabei handelt es sich um ein Tool, mit dem sich das Sprachmodell für juristische Aufgaben einsetzen lässt. Die US-notierten Titel des kanadischen Medienkonzerns Thomson Reuters, zu dem neben der Nachrichtenagentur Reuters auch die juristische Datenbank Westlaw gehört, rutschten um 15,6 Prozent ab.
Die Aktien von Softwareunternehmen wie Microsoft, Oracle, Salesforce, ServiceNow und Adobe fielen zwischen 2,8 bis 7,3 Prozent. „Softwareunternehmen galten eigentlich als Gewinner des KI-Booms“, sagte Lars Skovgaard, Stratege bei der Danske Bank. „Aber plötzlich kommt die Sorge auf, ob sich die Investitionen überhaupt wieder einspielen – und ob man nicht von neuen Entwicklungen überholt wird.“
Aus dem Stand sind Infineon-Aktien heute an die DAX-Spitze gestiegen, nachdem Infineon seine Quartalszahlen veröffentlicht und einen optimistischen Ausblick gegeben hatte. Der Chiphersteller erfährt mehr Nachfrage nach Chips für KI-Rechenzentren. Dadurch sind Umsatz und Gewinn im abgelaufenen Quartal gewachsen.
Infineon geht davon aus, mit solch leistungsstarken KI- Chips im laufenden und nächsten Geschäftsjahr deutlich mehr Geld umzusetzen als bisher und investiert dafür auch mehr als bisher geplant. An der Börse kommt die Bilanz gut an.
Der Konsumgüter-Konzern Henkel will sein Geschäft mit Beschichtungen ausbauen. Deshalb kauft er für 2,1 Milliarden Euro das Luxemburger Unternehmen Stahl Parent. An der Börse wird der Milliarden-Kauf wohlwollend betrachtet: Henkel-Aktien steigen deutlich stärker als der Gesamtmarkt.
Auf dem internationalen Parkett gab es sehr positive wie sehr düstere Unternehmensnachrichten zur Berichtssaison: In der Schweiz berichtete die Großbank UBS bereits von einem gestiegenen Gewinn und niedrigeren Kosten für das vergangene Jahr und stellte den Aktionären eine Dividendenerhöhung von 22 Prozent in Aussicht. Zudem peilt der Konzern Aktienrückkäufe von drei Milliarden Dollar an, wenn möglich sollen es sogar mehr sein. Die Kursreaktion ist am Morgen positiv.
Der dänische Pharmakonzern Novo Nordisk hatte am Dienstag nach Handelsende Anleger mit einem unerwartet düsteren Ausblick für 2026 negativ überrascht – die Aktie war eingebrochen. Der Hersteller der Abnehmspritze Wegovy rechnet für dieses Jahr mit einem Umsatz- und Gewinnrückgang von fünf bis 13 Prozent – im vergangenen Jahr war der Umsatz währungsbereinigt noch um zehn Prozent gestiegen. Analysten hatten für dieses Jahr im Schnitt lediglich ein Minus von rund zwei Prozent erwartet. Die in den USA notierten Anteilsscheine von Novo Nordisk brachen um fast 15 Prozent ein.
In den USA legt die Google-Mutter Alphabet Quartalszahlen vor. Hier geht es vor allem um die Frage, inwieweit sich die hohen KI-Investitionen bereits auszahlen. Der Konzern gilt als großer Gewinner des Booms um Künstliche Intelligenz, dementsprechend hoch sind die Erwartungen.
Analysten sagen: Verfehlt Alphabet ebenfalls die Erwartungen, dürften Kursverluste die Folge sein. Ähnlich war es bereits dem Software-Unternehmen Microsoft in der vergangenen Woche ergangen.
Die Gold- und Silberpreise haben sich von ihren Verlusten der vergangenen Tage etwas erholt. Gold kostet wieder deutlich mehr als 5.000 Dollar je Feinunze. In den vergangenen Tagen war das Edelmetall nach langer Rally erheblich unter Druck geraten.
Source: tagesschau.de