Marktbericht: Deutscher Aktienindex mit Schwung darüber hinaus 25.000

Nasdaq Gebäude am Times Square in New York


marktbericht

Stand: 18.02.2026 18:30 Uhr

Schnäppchenjäger sind in den USA am Werk und stürzen sich ganz besonders auf die sieben bedeutendsten Technologiewerte der USA, die sogenannten Magnificent 7. Dem DAX hat das heute ein paar Extra-Punkte beschert.

Schon am Morgen hatte der Deutsche Aktienindex mit einem guten Plus den Handel eröffnet. Am Nachmittag sorgte frischer Wind von der Wall Street für zusätzlichen Schub. Am Ende standen 25.278 Punkte an der DAX-Tafel und ein Tagesgewinn von 1,1 Prozent.

Die runde Marke von 25.000 Punkten ist zu einer wichtigen Hürde für Chart-Experten geworden. Denn sie erwies sich in den zurückliegenden Wochen als zäher Widerstand – zumal geopolitische Spannungen, Zinsunsicherheit, Befürchtungen um Disruptionen in der Wirtschaft durch Künstliche Intelligenz (KI) und Sorgen wegen hoher Bewertungen im US-Technologiesektor belastet hatten.

Doch dieser Widerstand könnte nun überwunden sein: „Mit dem Sprung über das Hoch aus der Vorwoche bei knapp 25.250 Zählern hat sich das technische Bild im DAX wieder deutlich verbessert“, konstatierte Analyst Andreas Lipkow von CMC Markets. Sollte dieses Niveau in den kommenden Tagen halten, rücke auch das Allzeithoch wieder in greifbare Nähe, so Lipkow.

Martin Utschneider, Kapitalmarktexperte beim Broker RoboMarkets, sieht das wichtigste deutsche Börsenbarometer mittelfristig weiter in einer Konsolidierung. Die langfristige Tendenz zeige indes einen intakten Aufwärtstrend.

Besonderes Augenmerk verdiente heute auch der Ölpreis nach den abrupt beendeten Friedensgesprächen zwischen der Ukraine und Russland. Die Nordseesorte Brent kletterte um rund drei Prozent auf 69,37 Dollar je Fass. Seit Wochen kommt es zu Unterbrechungen der russischen Öllieferungen durch die Ukraine in die Slowakei und nach Ungarn. Kiew macht dafür einen russischen Angriff vom 27. Januar verantwortlich. Die unter US-Vermittlung stehenden Friedensgespräche zwischen der Ukraine und Russland in Genf gingen nach zwei Tagen ohne Aussicht auf einen Durchbruch zu Ende.

Dazu kommt der Konflikt zwischen dem Iran und den USA, der Sorgen über die zeitweilige Sperrung von Teilen der Straße von Hormus verstärkte. Die Meerenge ist Teil der weltweit wichtigsten Routen für den Öltransport.

Für gute Stimmung sorgten steigende Kurse im Rüstungssektor nach einem überraschend starken Geschäftsbericht des Londoner Konzerns BAE Systems. Die BAE-Aktie legte zeitweise um sechs Prozent zu. Nach oben ging es auch für Rivalen – darunter die deutschen Unternehmen Rheinmetall, Hensoldt und Renk – was den europäischen Branchenindex um fast zwei Prozent ins Plus hievte.

Bayer bekommt als eine der schwächsten DAX-Aktien mit rund vier Prozent Kursminus heute erneut Aufmerksamkeit. Nach einem positiven Glyphosat-Urteil in den USA hatte der Kurs gestern deutlich zugelegt. Doch dieser Schwung ist vorbei – die Aktie tauchte tief ins Minus. Das sind einerseits Gewinnmitnahmen – andererseits bleiben rechtliche Risiken.

Brenntag rutschten als zweitschwächster DAX-Wert nach Bayer ab. Sie reagierten damit auf die schwachen Geschäfte des niederländischen Chemikalienhändlers IMCD. Ein Analyst kommentierte, es sei angesichts des schwachen Wirtschaftsumfelds zwar mit einem mauen Jahresende zu rechnen gewesen, es sei aber noch etwas schlimmer gekommen als gedacht. Die IMCD-Aktie brach 15 Prozent ein.

In den USA hatten die Standard-Aktien zur Handelsmitte Gewinne verbucht. Der Leitindex Dow Jones legte leichte 0,3 Prozent zu – bleib aber unter der Marke von 50.000 Punkten. Die Sorgen über belastende Auswirkungen von KI auf die Geschäftsmodelle von Unternehmen und ganzen Branchen lastete zuletzt auf den Börsen. „Die Aktienmärkte scheinen die Widerstandsfähigkeit der Unternehmen angesichts der durch KI verursachten Umbrüche auf die Probe zu stellen“, schrieb Axel Botte, Chefstratege des Investmenthauses Ostrum Asset Management. Die Risikoscheu nehme zu, die Märkte reagierten wie so oft reflexartig auf Abwärtsrisiken für die Aktienkurse und wendeten sich risikofreieren Anlagen zu.

Die größten Gewinne unter den sieben Tech-Größen verbuchten Aktien des KI-Chipspezialisten Nvidia. Sie profitierten davon, dass der Social-Media-Riese Meta in den nächsten Jahren eine Millionenzahl von Nvidia-Prozessoren einsetzen möchte. Experten sehen darin einen Schritt, um die bereits enge Beziehung der beiden Unternehmen weiter zu festigen.

Die New York Times-Aktie legte zu, weil Berkshire Hathaway rund fünf Millionen Anteile gekauft hat. Ein Investment der Holding gilt als Ritterschlag, auch nach dem Chefwechsel von Warren Buffett zu Greg Abel.

Für ordentliche Kursausschläge sorgen die Pläne der italienischen Bank Monte dei Paschi (MPS), die Konkurrentin Mediobanca vollständig zu übernehmen. Die Aktien beider Institute kletterten – vor allem aber die von Mediobanca. MPS will die vollständige Kontrolle über Mediobanca übernehmen und die Investmentbank von der Börse nehmen.

In den USA waren Moderna-Aktien gefragt – das hängt mit der US-Arzneimittelbehörde FDA zusammen. Sie will den Grippeimpfstoff von Moderna nun doch prüfen. In der vorigen Woche hatte sie den Zulassungsantrag vorerst abgelehnt. Als Grund nannte sie die Wahl des Vergleichspräparats in der für die Zulassung entscheidenden Studie. Den nun überarbeiteten Antrag nahm die FDA aber zur Prüfung an. Eine Entscheidung soll bis zum 5. August fallen, könnte also bereits in der Grippesaison 2026/27 verfügbar sein.

Eine gesenkte Gewinnprognose hat den Aktien der IT-Sicherheitsfirma Palo Alto zu schaffen gemacht. Die Papiere des kalifornischen Unternehmens rutschen deutlich abwärts. Palo Alto hat seine Gewinnziele wegen erhöhter Kosten im Zusammenhang mit Firmen-Übernahmen im KI-Bereich runtergeschraubt. Generell sehen Experten das Unternehmen als langfristigen Gewinner, während sich der Wettbewerb im KI-Sicherheitsmarkt verschärft.

Für Gesprächsstoff sorgen heute auch die Notenbanken – diesseits wie jenseits des Atlantiks. Derzeit kursieren nämlich Berichte über einen möglichen vorzeitigen Rückzug von Christine Lagarde an der Spitze der EZB. Offiziell ist nichts entschieden, und an den Märkten bleibt die Reaktion bislang verhalten. Es könnte mehr als eine geldpolitische Geschichte sein: Es steckt nämlich viel Politik darin.

Für neue Impulse könnte am Abend das Protokoll der jüngsten Sitzung der US-Notenbank sorgen. Um 20 Uhr deutscher Zeit veröffentlicht die Federal Reserve (Fed) ihre sogenannten Minutes.

Nachdem die Europäische Zentralbank zuletzt signalisiert hatte, mit ihrem geldpolitischen Kurs zufrieden zu sein, richten sich die Zinshoffnungen vieler Anleger auf die USA. Allerdings hatten robuste Arbeitsmarktdaten die Erwartungen an baldige Zinssenkungen zuletzt gedämpft. Nun hoffen Marktteilnehmer auf Hinweise aus dem Protokoll – gewissermaßen ein Blick in den Rückspiegel, um die künftige Zinspolitik besser einschätzen zu können.

Source: tagesschau.de