Marktbericht: Der Deutscher Aktienindex verliert an Kraft

Handelssaal der Deutschen Börse in Frankfurt.


marktbericht

Stand: 16.01.2026 18:21 Uhr

Der DAX bewegte sich heute lange Zeit kaum, ehe US-Präsident Donald Trump neue Drohungen in Zusammenhang mit Grönland aussprach und die Kurse noch drückte. Einen Aufreger gab es aus dem Kleinwerteindex SDAX.

Der DAX ist zum Wochenschluss leicht schwächer aus dem Handel gegangen. Am Ende verlor der deutsche Leitindex 0,22 Prozent auf 25.297 Punkte, nachdem er lange Zeit kaum verändert seitwärts tendiert hatte. Im späten Geschäft kam noch moderate Verkaufsneigung auf. Der Grund: US-Präsident Donald droht all denjenigen Ländern mit neuen Zöllen, die seine Besitzansprüche auf Grönland nicht unterstützen.

Trotz des unspektakulären Wochenausklangs: Es war eine bemerkenswerte Woche, in der der DAX bei 25.507 Punkten ein neues Rekordhoch markierte. Schon seit Jahresanfang geht es mit den Kursen am Aktienmarkt kräftig bergauf. Der DAX hat seitdem etwas mehr als drei Prozent zugelegt.

Die Anleger erwarten, dass die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr wieder Fahrt aufnimmt und decken sich mit Aktien ein. Die deutsche Wirtschaft war nach zwei Rezessionsjahren in Folge 2025 um 0,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gewachsen. Ökonomen trauen Europas größter Volkswirtschaft im laufenden Jahr ein Wachstum von etwa einem Prozent zu.

Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank, spricht aktuell von einer Verschnaufpause. Nach dem ereignisreichen Jahresbeginn an den Krisenschauplätzen Venezuela, Grönland und Iran müssten die Kapitalmärkte diese geopolitischen Entwicklungen erst einmal verdauen. „Alles zusammen ließ die Aktienmärkte zunächst auf einen Konsolidierungspfad einschwenken.“

Auch in New Yorker geht es gegen Mittag Ortszeit nach den Trump-Aussagen verhalten zu. Die großen Aktienindizes der Wall Street bewegen sich nahe ihrer Schlussstände und tendieren uneinheitlich. Die Technologiebörse Nasdaq steht dabei leicht im Plus.

Im Fokus stehen derzeit Chip-Aktien, nachdem der taiwanesische Produzent TSMC am Donnerstag überraschend gute Quartalszahlen vorgelegt vorgelegt hatte. Insgesamt erwarten die Anleger weiterhin eine durch den Boom um die Künstliche Intelligenz (KI) getriebene, hohe Chip-Nachfrage

Um den Nachschub mit modernster Chip-Technologie zu sichern, haben die USA mit Taiwan ein Handelsabkommen geschlossen: Taiwanische Chip-Konzerne sollen mindestens 250 Milliarden Dollar in den USA investieren. Die US-Zölle für Waren aus Taiwan fallen dafür von 20 auf 15 Prozent.

So soll die Lieferkette gesichert und die Produktion mehr und mehr in die USA verlagert werden. Moderne Chips sind in unzähligen Produkten des täglichen Gebrauchs verbaut, in Smartphones genauso wie in KI-Rechenzentren – und vor allem auch im militärischen Bereich. Eine Versorgungskrise, beispielsweise aufgrund von Spannungen mit Peking um Taiwan, würde die Wirtschaft an einer ihrer empfindlichsten Stellen treffen.

Gefragt waren bei den Einzelwerten im DAX Aktien von Unternehmen, die von der Energiewende und dem KI-Ausbau profitieren. Die Aktien des Energietechnikkonzerns Siemens Energy gewannen als Tagessieger rund sechs Prozent. Auch das Versorgerpapier RWE setzte seine guten Lauf fort und stieg um gut 1,4 Prozent. Den Anteilsscheinen kam zuletzt auch der Durchbruch beim geplanten Bau neuer Gaskraftwerke in Deutschland zugute.

Aus Branchensicht gaben insbesondere Chemiewerte nach. Analysten von Barclays und JPMorgan haben wenig Hoffnung auf eine starke Belebung der schon lange schwächelnden Branche. Brenntag und BASF gehörten zu den größten Verlierern.

Die geplante Übernahme durch Worthington Steel kam bei den Aktionären von Klöckner & Co gut an. Die Papiere des Stahl- und Metallverarbeiters schossen im SDAX um 28 Prozent nach oben. Der Wert der Transaktion beläuft sich insgesamt auf 2,1 Milliarden Euro. Vorstand und Aufsichtsrat empfehlen die Annahme.

Analyst Thomas Schulte-Vorwick vom Bankhaus Metzler kommentierte, er erachte die Übernahme als strategisch sinnvoll wegen eines hohen Potenzials an operativen Synergien.

Source: tagesschau.de