Markenstrategie: Warum dieser Digitalprofi Ryzon mit Podcastern ein Pop-up macht

Neue Wege? Die Marke Ryzon geht sie, im Storytelling wie im Vertrieb.

Reden ist Silber, Retail ist …? Die Kölner Sportmarke Ryzon ist eine D2C-Brand mit starkem Digital-Schwerpunkt. Jetzt hat sie zwei Triathlon-Podcaster zu Händlern gemacht. Wie das funktioniert und was die Idee ist.

Ryzon aus Köln gilt als dynamische Sportmarke, die zunächst in der Triathlon-Szene durch ihren Mitgründer und -gesellschafter Jan Frodeno bekannt wurde, und sich jetzt mehr und mehr in den Segmenten Cycling und Running und den damit verbundenen Lifestyle etabliert. Und ihren Radius stetig erweitert.

Umsatzverdopplung 2025 geplant

Die Entwicklung des Unternehmens ist dynamisch. Mit konkreten Zahlen halten sich die Inhaber und Gründer zurück. Nur so viel: Die Umsätze liegen inzwischen im zweistelligen Millionenbereich und im laufenden Jahr soll das Wachstum bei 100% liegen.

Freud und Leid zugleich? Denn wenn es läuft, läuft es, aber was weg ist, ist erstmal weg. „Aufgrund der Prozesse in der Produktion haben wir eigentlich nie eine Chance, dass wir in der Saison noch auf größere Nachfragepeaks reagieren“, sagt Konrad. Ryzon fertigt nahezu ausschließlich in Europa. Weniger Warendruck, dafür höhere Begehrlichkeit. Eine Strategie, die man sich offenbar auch gerade wegen eines fehlenden größeren Investors leisten kann.

Dabei mangelt es den Kölnern nicht an Kreativität in der Realisierung neuer Konzepte. Und Schritten aus der Digital-Only-Blase heraus. Zum Beispiel mit stationären Pop-ups, die vor Ort und auch auf Social Media viel Widerhall finden. Ganz neu etwa hoch im Norden, in Kiel, geführt von Lasse und Holger Popken, den Hosts des Triathlon-Podcasts „Plattfuß“.

Warum überhaupt Pop-ups?

Ryzon ist vor allem eine D2C-Brand mit starkem Fokus auf den E-Commerce. Eigene Läden gibt es dennoch, und zwar in der Heimatstadt Köln sowie in München. Zudem ist die Brand regelmäßig mit temporären Stores präsent, etwa auf Mallorca. Im ersten Halbjahr 2025 gab es nun eine erste „Pop-up-Store Tour“ mit Stops in Hamburg, Berlin, Wien und Freiburg. Welchen Mehrwert hat das für eine Marke, die im Digitalen zu Hause ist?

„Die Tour war für uns als D2C-Brand ein voller Erfolg – vor allem, weil wir in allen Städten sehr viel Andrang hatten und intensiv mit unserer Community in Kontakt kamen“, sagt Denis Möllers, Marketing Team Lead bei Ryzon. „Das direkte Gespräch ist für uns extrem wertvoll – wir erfahren viel über Wünsche, Feedback, Produkterfahrungen. Und es ist einfach schön, bekannte Gesichter wiederzusehen, die uns von Triathlon- und Radsport-Events kennen.“ Auch das physische Erleben der Produkte haben die Kölner als sinnstiftend wahrgenommen.

Ryzon-Pop-up von Plattfuß in Kiel

Möllers: „Viele, die uns bisher nur digital kannten, haben hier zum ersten Mal gespürt, was uns in Sachen Material, Verarbeitung und Anspruch wichtig ist. Für uns ist das eine zentrale Brücke zwischen Online-Marke und physischer Erfahrung.“ Und es soll keine einmalige Sache bleiben. Aufgrund des positiven Feedbacks sei man bereits in den Vorbereitungen für eine weitere Pop-up-Store Tour im Herbst.

„Nähe, nicht nur Reichweite“

Für Ryzon gehe es bei der Frage nach digitalem oder stationärem Geschäft nicht um ein „entweder oder“. Vielmehr hätten die unterschiedlichen Vertriebswege unterschiedliche Rollen.

„Natürlich generieren wir auch Umsatz – aber das ist nicht das Hauptziel“, sagt Möllers gegenüber der TW. Die Stores seien „ein Mix aus Begegnung, Markenerlebnis und einem Ort, an dem man gerne Zeit verbringt – mit Frodissimo-Espresso, lockerer Atmosphäre und kleinen Community-Rides oder Runs“. Es gehe um „Nähe, nicht nur um Reichweite“.

Macht es klick?

Dennoch seien positive Effekte auf Online-Sales in den Regionen, in denen Ryzon mit einem Pop-up präsent war, zu sehen. „Vermutlich, weil viele Kund:innen die Stores zur Anprobe und zum Austausch nutzen, den Kauf dann aber lieber später online abschließen“, resümiert Möllers. „Das passt für uns gut zusammen.“

Plattfuß-Pop-up

Das nun gestartete Pop-up mit dem Plattfuß-Team kommt nicht aus dem Nichts, vielmehr arbeitete man schon länger zusammen – etwa als Partner der sogenannten „Matschfuß“-Events oder als Ausstatter des „Plattfuß Racing Squad“, mit dem die Brüder dieses Jahr bei dem Triathlon „Challenge“ Roth gestartet sind.

Möllers: „Über die Zeit ist daraus eine enge Beziehung und ein starkes Vertrauen entstanden. Als sie ihren Community Place in Kiel eröffnet haben, kamen sie mit der Idee auf uns zu.“

Und weiter: „Für uns ist das ein guter Rahmen, um eine neue Form der Zusammenarbeit zu testen. Es geht nicht darum, Retail als strategischen Kanal aufzubauen – aber wir sehen am POS ganz klar einen Mehrwert im Gesamterlebnis. Die ersten Tage in Kiel liefen vielversprechend an.“