Marken-Strategie: Café du Cycliste-Vorsitzender des Vorstands: „Unser Ziel ist Relevanz, nicht Omnipräsenz“

Was ist unter Radfahrern gerade angesagt?
Aktuell ist ein starker „Racer-Look“ zu beobachten, der sich stark am Profi-Radsport orientiert. Selbst im Gravel-Segment, das einst als Abenteuer-Alternative zum Rennradfahren populär wurde. Darauf reagieren wir, ohne unsere Identität zu verlieren.

Sie betonen das Thema Nachhaltigkeit. Was macht es für Sie wichtig und wie transportieren Sie es?
Wir fühlen uns dem Bereich sehr verpflichtet, einfach, weil hinter jedem Produkt Menschen stehen. Unsere Materialien kommen aus Europa, unsere Produktion ist hoch technologisch, aber immer handwerklich geprägt. Und das zeigen wir bewusst, auch, weil es viele gar nicht wissen: In unseren Flagship-Stores erklären wir den Weg eines Jerseys von der Faser bis zum fertigen Produkt. Das schafft Verständnis für Qualität, Preis und Wertigkeit.

Wie relevant ist der generelle Lifestyle-Bereich abseits des reinen Radsports für die Marke?
Gasser: Lifestyle war von Anfang an Teil der Marke. Aber wir wollen keine beliebige Fashion-Brand werden. Unsere Off-Bike-Produkte sind Ergänzungen, also etwa T-Shirts, Sweatshirts, Accessoires, die oft als Erinnerung an Orte, Stores oder Erlebnisse fungieren. Auch Running- oder Fitness-Produkte sehen wir als funktionale Ergänzung für Menschen, die sich vielseitig bewegen.

Hat Café du Cycliste Ambitionen, aus der Nische heraus eine große Mainstream-Brand zu werden? Wird der fliegende Fisch das neue Krokodil?
Nein. Wachstum ist wichtig, aber nicht um jeden Preis. Wenn eine Marke zu groß wird, verliert sie oft ihre Seele. Unser Ziel ist Relevanz, nicht Omnipräsenz. Wir respektieren Marken, die diesen Weg gegangen sind – aber unser Anspruch ist ein anderer: kuratiert, glaubwürdig, nah an der Community.

Wie groß ist die Marke denn heute?
Umsatzzahlen nennen wir nicht, aber aktuell sind wir in 21 Ländern aktiv, mit starker Präsenz in Europa, den USA sowie in Märkten wie Brasilien, Mexiko, Kolumbien und China. Besonders China ist spannend, da Radfahren dort zunehmend als Lifestyle-Statement wahrgenommen wird.

Das Retail-Netz dürfte also auch weiter wachsen?
Wir sehen weiterhin großes Potenzial. In allen Bereichen, geografisch wie in der Tiefe der Marke. Wachstum wird kommen, aber kontrolliert und sinnvoll. Es gibt viel Arbeit, aber auch viel Freude an dem, was wir aufbauen.