Manuel Göttsching ist tot: Musiker von Ash Ra Tempel und »E2-E4«
Manuel Göttsching (1952-2022)
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Thielker / ullstein bild
Der Berliner Musiker Manuel Göttsching ist am 4. Dezember gestorben. Das wurde am Montag durch eine Meldung auf seiner Website Ashra.com öffentlich gemacht. Er sei im Kreise seiner Familie friedvoll eingeschlafen, heißt es dort.
Göttsching zählt auch international zu den bekanntesten Musikern der sogenannten »Berliner Schule« und wird als Pionier für spätere musikalische Stile wie House oder Trance verehrt.
Der am 9. September 1952 in Berlin geborene Göttsching hatte klassisches Gitarrenspiel gelernt, als er im Wilmersdorfer Electronic Beat Studio in die Kreise der »Berliner Schule für Elektronische Musik« geriet.
Zusammen mit Klaus Schulze und Hartmut Enke gründete er die Band Ash Ra Tempel, deren gleichnamiges Debütalbum aus dem Jahr 1971 als Klassiker des Krautrock gilt. Aufgenommen in Hamburg mit Conny Plank, ist je ein Stück pro LP-Seite zu hören – »Amboss« und »Traummaschine«.
Schulze verließ die Band bald darauf, Göttsching und Enke veröffentlichten noch weitere Ash-Ra-Tempel-Alben mit verschiedenen Gastmusikern; auch unter dem Namen Ashra erschien Musik, so unter anderem das Album »New Age of Earth«.
1974 nahm Manuel Göttsching sein erstes Soloalbum auf, »Inventions for Electric Guitar«, dessen Echoeffekte Göttschings häufiger musikalischer Partner Lutz »Lüül« Ulbrich als »ganz nach Minimal Music« klingend bezeichnete. Die meditativen Klänge wurden Anfang der Neunzigerjahre »im Plattenregal unter ›Dancefloor‹ oder ›Trance‹ einsortiert«, wie der SPIEGEL 1992 feststellte.
Weg nach New York
Das Musikstück, mit dem Manuel Göttsching den größten musikgeschichtlichen Eindruck hinterließ, war »E2-E4«. Die auf zwei Synthesizerakkorden beruhende elektronische Improvisation, 1981 in Berlin aufgenommen, beeindruckte Göttschings damaligen Labelchef Richard Branson von Virgin Records: »Mein Baby ist sofort eingeschlafen bei dieser Platte, du wirst ein Vermögen damit machen, Manuel!«, soll er gesagt haben. Doch das Album erschien nicht bei Virgin, sondern erst drei Jahre später auf Klaus Schulzes Label Inteam. Auch 1984 interessierte sich noch kaum jemand dafür.