Manfred Knof: Ehemaliger Commerzbank-Chef hätte oben Treffen mit Orcel informieren sollen

Der ehemalige Commerzbank-Vorstandsvorsitzende Manfred Knof hätte ein Treffen mit Unicredit-Chef Andrea Orcel offenbar anzeigen sollen. „Es ist zwar kein ganz eindeutiger Fall“, sagt der Corporate-Governance-Fachmann Christian Strenger im Gespräch mit der F.A.Z. „Der guten Ordnung halber und zur Vermeidung eines falschen Augenscheins wäre es angezeigt gewesen, den Aufsichtsratsvorsitzenden zeitnah über den Besuch zu informieren“, sagte Strenger. Knof war zum Zeitpunkt des Treffens noch Vorstandsvorsitzender der Commerzbank, hatte allerdings schon seinen Rückzug bekannt gegeben.
In den vergangenen Tagen hatte es Berichte gegeben, dass sich Knof und Orcel bei einem informellen Treffen über die Möglichkeiten eines Zusammenschlusses ausgetauscht hätten. Das „Manager Magazin“ hatte als Erstes darüber berichtet.
Dem Vernehmen nach soll sich nun der Aufsichtsrat der Commerzbank über mögliche Konsequenzen aus diesem Treffen beraten. Offiziell bestätigt wird dies allerdings nicht. Knof soll sich Ende September 2024 mit Orcel getroffen haben, wenige Wochen nachdem die italienische Großbank überraschend bei der Commerzbank eingestiegen war. Pflichtverletzungen könnten haftungsrechtliche Ansprüche nach sich ziehen, wenn der Bank dadurch ein Schaden entsteht.
Was wurde besprochen?
Über den Inhalt des Gesprächs gibt es unterschiedliche Darstellungen. Das „Manager Magazin“ zitiert einen Insider, die beiden hätten bei dem Treffen in Knofs Haus am Starnberger See informell, aber konstruktiv über einen möglichen Zusammenschluss der Commerzbank mit der Unicredit-Tochter HypoVereinsbank (HVB) gesprochen. Knof sagte einem Sprecher zufolge, Orcels Auftritt sei „ohne jeden Erkenntniswert“ gewesen. „Eine überzeugende Argumentation blieb er schuldig. Und daran hat sich bis heute nichts geändert. Ich wünsche der Commerzbank unverändert, dass sie selbständig bleibt.“
Knofs Sprecher sagte, dieser habe sich nie mit Orcel verabredet. Der Unicredit-Chef habe sich vielmehr „unabgestimmt einem uns gemeinsam bekannten Bankier angeschlossen“, der sich mit Knof treffen wollte. Warum er die Bank über das Treffen mit Orcel nicht informiert hatte, wollte er nicht kommentieren.
Die Commerzbank wehrt sich vehement gegen Bestrebungen Orcels, die Commerzbank zu übernehmen. Unicredit hält inzwischen fast 30 Prozent an der Commerzbank.
Source: faz.net