Management: Vier Dax-Konzerne mit 50 Prozent Frauen

Eigentlich gilt für die größten deutschen Unternehmen seit 2022 ein Mindestbeteiligungsgebot von Frauen im Vorstand, damit zumindest eine Frau im Vorstand sitzt, sobald das Gremium mehr als drei Mitglieder hat. Wer unter das Gesetz fällt, das Gebot derzeit aber noch nicht einhält, muss bei der nächsten Umbesetzung des Vorstands zwingend eine Frau berufen. Tatsächlich haben die meisten Dax-Unternehmen mittlerweile mindestens eine Frau im Vorstand – der Frauenanteil in den Vorstandsgremien ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen.

Nur zwei der 40 Dax-Unternehmen haben derzeit noch einen rein männlich besetzten Vorstand: die Stuttgarter Holding Porsche SE und der Essener Chemikalienhändler Brenntag . Während die Porsche-Holding bislang als einziges Dax-Unternehmen noch nie eine Frau im Vorstand hatte, hat sich bei Brenntag die Situation erst im Frühjahr ergeben, nachdem die bisherige Finanzchefin Kristin Neumann ihren Vertrag nicht verlängert hatte. Bei beiden Unternehmen ist der Vorstand so klein, dass das Mindestbeteiligungsgebot für sie nicht zieht. Mehr Nachholbedarf gibt es im M-Dax: Von den 50 dort gelisteten Unternehmen haben 16 Unternehmen derzeit noch keine Frau im Vorstand, viele müssen auch nicht, weil ihre Vorstandsgremien dafür zu klein sind, einige aber müssen Frauen bei der nächsten Umbesetzung berufen.

„Abschwächung der Dynamik“

In den vergangenen fünfzehn Jahren hat sich viel getan: Der Frauenanteil im Dax hat sich mehr als verdreifacht. Rund ein Viertel der Dax-Vorstände ist mittlerweile weiblich. Nach dem kontinuierlichen und starken Anstieg ist der Frauenanteil im Jahr 2025 in beiden Indizes allerdings erstmals seit Langem leicht gefallen, wie aus einer Analyse der Personalberatung Russell Reynolds hervorgeht, die der F.A.Z. vorab vorlag. In der Analyse sind alle Personalankündigungen eingeflossen, die bis zum 16. Dezember von den Unternehmen bekannt gegeben wurden. Im Dax 40 sind derzeit 25,5 Prozent der Vorstände weiblich, 0,2 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr, weil zwar sieben Frauen neu in ein Vorstandsgremium berufen wurden, acht aber ihren Posten geräumt haben. Im M-Dax ist der Frauenanteil um 0,4 Prozentpunkte gefallen auf jetzt 19,5 Prozent. Das Niveau bleibe zwar nahe dem historischen Hoch, dennoch ist in der Studie der Personalberatung von einer „spürbaren Abschwächung der Dynamik“ die Rede.

Zumindest im Dax 40 dürfte der Frauenanteil aber bald wieder steigen, denn die Berufungen von drei Frauen sind für die kommenden Monate schon angekündigt: Zum ersten März holt Bayer Judith Hartmann in den Vorstand, sie soll dort drei Monate später als Finanzchefin die Nachfolge von Wolfgang Nickl antreten, der in den Ruhestand geht. BASF beruft im Mai Mary Kurian in den Vorstand. Die gebürtige Inderin übernimmt dort die Segmente Nutrition & Health und Care Chemicals und verantwortet zusätzlich die Bereiche Petrochemicals und Intermediates von ihrem Vorgänger Michael Heinz, der sich in den Ruhestand verabschiedet. Zudem hat der Aufsichtsrat des Wohnungsbaukonzerns Vonovia gerade entschieden, dass die bisherige RWE -Managerin Katja Wünschel im Juni zur neuen Chief Development Officer (CDO) bestellt wird, sie folgt dort auf Daniel Riedl, der das Unternehmen verlässt.

Frauen oft im Personalressort

Am schlagzeilenträchtigsten war der Machtzuwachs der Frauen in den vergangenen Jahren auf den obersten Chefposten. Nachdem es Jahrzehnte gedauert hat, bis die erste Frau an der Spitze eines Dax-Konzerns stand, werden seit Herbst 2024 erstmals vier Dax-Unternehmen gleichzeitig von Frauen geleitet. Allerdings wird die Zahl der Frauen an der Spitze im kommenden Jahr voraussichtlich wieder sinken, wenn im Mai die dienstälteste Dax-Chefin Belén Garijo nach fünf Jahren ihren Posten beim Darmstädter Pharmakonzern Merck abgibt und mit Kai Beckmann dort ein Mann den Spitzenposten übernimmt. Drei Dax-Unternehmen aber bleiben weiblich geführt: neben der Commerzbank (Bettina Orlopp), Daimler Truck (Karin Rådström) und Fresenius Medical Care (Helen Giza). 2025 ist keine Frau als Vorstandsvorsitzende im Dax neu hinzugekommen, alle fünf neu zu besetzende CEO-Posionen wurden mit Männern besetzt.

In den allermeisten Vorstandsgremien sind die Männer noch in der Überzahl, allerdings haben mittlerweile vier Dax-40-Unternehmen einen Frauenanteil von 50 Prozent: Beiersdorf, Merck, MTU Aero Engines und Siemens Healthineers. Im M-Dax sind es erstmals fünf. „Diese Beispiele belegen, dass paritätisch besetzte Vorstände inzwischen durchaus realisierbar sind“, sagt der Personalberater Jens-Thomas Pietralla, Leiter der Globalen Board & CEO-Praxisgruppe von Russell Reynolds.

Auffällig ist allerdings, dass die meisten Frauen noch immer für das Personalressort berufen werden. Von den sieben im vergangenen Jahr neu berufenen Frauen im Dax 40 haben fünf das Personalressort übernommen, die anderen beiden das Finanzressort. „Keines der neuen weiblichen Vorstandsmitglieder trägt direkte Geschäftsverantwortung für zum Beispiel einen Geschäftsbereich oder eine Region“, sagt Pietralla. Er sieht darin eine bedenkliche Entwicklung, denn „ohne diese Erfahrung ist der Schritt hin zum CEO für Frauen unverändert deutlich schwieriger als für Männer“, sagt der erfahrene Personalberater. Zudem zeigt seine Analyse, dass Frauen weiterhin schneller wieder aus den Vorständen ausscheiden als Männer. Das hatte sich auch schon in den Vorjahren gezeigt. Während Männer im Schnitt rund 7,9 Jahre auf einem Vorstandsposten verweilen, sind es bei den Frauen nur 4,9 Jahre. Der Abstand hat sich allerdings verringert.