MAGA nachdem IRAN-ANGRIFF: „Was zum Teufel macht ihr Verrückten da??“

Nach dem amerikanischen Militärschlag auf Iran stehen sich unter Donald Trumps „Make America Great Again“-Anhängern zwei Wahrheiten unversöhnlich gegenüber. Für die einen hat der Präsident damit sein Vermächtnis von „Amerika zuerst“ verraten. Für die anderen gibt es keinen patriotischeren Akt als den Angriff auf ein Regime, das seit Jahrzehnten den „Tod Amerikas“ beschwört. Beide Seiten liefern sich nun eine erbitterte Debatte.
Es war keine Überraschung, dass Marjorie Taylor Greene sich als erste aus der Deckung wagte. Vormals glühende Verteidigerin Trumps, ist die frühere Kongressabgeordnete dieser Tage zu einer der schärfsten Kritikerinnen des Präsidenten geworden. Zu einem Beitrag über getötete Schüler in Iran schrieb sie auf X: „Was zum Teufel macht ihr Verrückten da???“ Dafür habe sie nicht gestimmt, das Versprechen habe „America First und NULL Kriege“ gelautet. Was gerade passiere, sei nicht das, „was wir uns unter MAGA vorgestellt haben“. Vom früheren Fox-News-Moderator Tucker Carlson, der Trump jüngst noch im Weißen Haus besucht hatte, hieß es wenig später, er finde die Entscheidung des Präsidenten „absolut widerwärtig und böse“.
Trump kennt die Kritiker aus den eigenen Reihen und war schon vor dem Militärschlag zum Gegenangriff übergegangen. So kommentierte er frühere Kritik Carlsons mit den Worten, er habe „Amerika zuerst“ entwickelt – also liege es wohl an ihm zu entscheiden, wie das aussehe.
Welches Ziel verfolgt Trump?
Auch Vizepräsident J.D. Vance hat sich mehrfach darum bemüht, den Unterschied zu vorherigen „ewigen Kriegen“ der Amerikaner im Nahen Osten hervorzuheben: Trump gehe Bedrohungen diszipliniert an, sagte er im vergangenen Jahr vor Absolventen der Militärakademie in Annapolis. Man werde Soldaten nur „mit einem sehr genauen Ziel im Kopf“ in den Krieg schicken.
Doch über genau diese Frage streitet die MAGA-Bewegung nach dem Angriff auf Iran. Der rechte Podcaster Matt Walsh warf Trump in einem länglichen Beitrag auf X vor, der Militärschlag diene in keiner Weise dem Interesse der amerikanischen Bevölkerung. Stattdessen spreche der Präsident davon, man bringe den Iranern Freiheit. Das liege jedoch nicht in der Verantwortung der Amerikaner, argumentierte Walsh. Es sei keine „Panikmache oder Illoyalität“, wenn man grundlegende Antworten darüber verlange, wie amerikanisches Steuergeld ausgegeben und möglicherweise auch amerikanische Leben geopfert würden.
Unter den Kritikern überwog das Gefühl, Trump verkaufe seine Anhänger für blöd. Trump habe Lügen erzählt, sei seinen treuesten Anhängern in den Rücken gefallen, habe die Amerikaner getäuscht – die Liste der geäußerten Vorwürfe am Samstag war lang. Grund dafür ist auch die Behauptung des Weißen Hauses nach dem Militärschlag gegen Iran im vergangenen Juni, das Atomprogramm des Landes sei „ausgelöscht“ worden. Wenn das der Fall gewesen sei, wie könne dann jetzt eine unmittelbare Gefahr von Teheran ausgehen?
Gefahr im Jahr der Kongresswahl
Dasselbe galt für die Behauptung, man werde sich nicht auf einen langen Konflikt einlassen. Der rechte Podcaster Walsh schrieb, man höre von einem schnellen und einfachen Ende dieses Kriegs, weil Iran machtlos sei. „Aber das ist auch seltsam, denn wenn Iran so ein Papiertiger ist, wie konnte es dann überhaupt eine Gefahr für uns darstellen?
Viel geteilt wurde auch eine Bemerkung des im vergangenen Jahr ermordeten Aktivisten Charlie Kirk, der sich gegen einen Angriff auf Iran ausgesprochen hatte. Der MAGA-Kommentator Jack Posobiec schrieb dazu, Kirk habe darauf hingewiesen, dass die jüngere Generation Amerikaner viel mehr an Innenpolitik interessiert sei als an internationalen Konflikten. „Das dürfen wir in einem Jahr mit Zwischenwahl nicht vergessen.“ Für viele republikanische Abgeordnete ist das eine reale Gefahr. In neun Monaten muss die Partei ihre knappe Mehrheit in beiden Kongresskammern verteidigen.
Den Isolationisten stand am Samstag jedoch auch der Block der „Realisten“ und streng proisraelischen MAGA-Anhänger gegenüber, die den Angriff begeistert oder mindestens verständnisvoll kommentierten. Der rechte Talkradio-Star Mark Levin machte es sich am Samstag zur Aufgabe, jegliche Kritiker des Präsidenten zu beleidigen. So taufte er Carlson in „Qatarlson“ um und behauptete, der werde in einigen Wochen „von einem Großteil der westlichen Zivilisation verachtet“.
Andrew Kolvet, Produktionsleiter der „Charlie Kirk Show“, versuchte es mit einem Erklärungsansatz. Er verstehe den Ärger über fehlende Erklärungen aus Washington. Aber offenbar sei die Sorge über „dreckige Bomben“ und chinesische Überschallraketen für Iran immer weiter gewachsen. Wenn das stimme, sei es „leicht zu verstehen“, warum der Präsident seine Meinung bezüglich eines Angriffs geändert und schnell gehandelt habe. Diese Argumentation dürfte die meisten Kritiker jedoch nicht besänftigen. Die fordern Auskunft. Vom Präsidenten selbst.
Source: faz.net