macht jener Anleger: Können die Märkte Trump nochmals bremsen?

Donald Trump zu beeinflussen, ist relativ einfach. Die Schweizer haben ihm Goldbarren und eine Uhr gebracht, um niedrigere Zölle zu bekommen. Putin gelingt es immer wieder, Trump für sich einzunehmen. Und so unähnlich sind Putins Pläne der Landnahme in der Ukraine und Trumps Ansinnen auf Flächengewinne in Grönland, Mexiko, Kanada oder Panama auch gar nicht. Beide fühlen sich historisch im Recht.

Trump ist besonders anfällig für materielle Anreize. Das zeigten nicht nur das Schweizer Gold, auch das Flugzeug, das ihm in der arabischen Welt geschenkt wurde, gefiel dem Immobilienmagnaten sichtlich.

Insofern haben auch die Märkte einen guten Hebel. Im April war es so weit. Trumps „Freiheitstag“ trieb die Zinsen für US-Staatsanleihen auf mehr als fünf Prozent und damit einen Wert, der schmerzlich teuer würde angesichts der horrenden Staatsschulden, die Trump schon zu schultern hat und noch aufzunehmen gedenkt. Er änderte seine Zoll-Rhetorik, Aktien- und Anleihemärkte entspannten sich.

Dax und US-Anleihen mit moderaten Verlusten

Derzeit bleiben sie noch vergleichsweise ruhig. Die Renditen der US-Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit stiegen am Montag moderat auf 4,25 Prozent und lagen damit rund 0,1 Prozentpunkte höher als vor dem Wochenende, an dem die Zollspirale zwischen einigen EU-Ländern und den USA sich abermals zu drehen begann. Der Dax eröffnete rund ein Prozent im Minus. Kein Vergleich mit den Reaktionen Anfang April, als es mehrere Tage mit Verlusten von vier Prozent und mehr gab.

Der Trump-Einfluss an den Märkten hat sich abgeschwächt. Aber insbesondere an den Anleihemärkten lassen sich die Marktentwicklungen nur schwer prognostizieren. Am Aktienmarkt ist es einfacher. Solange die Verbraucher in den Industrieländern in Konsumlaune gehalten werden, ist die Welt weitgehend in Ordnung. Venezuela ist für die meisten ebenso weit weg wie Israel, die Ukraine oder gar Grönland.

An den Anleihemärkten sind die Einflussfaktoren vielfältiger. Hier sind Anleger aktiv, für die zehn Prozent mehr oder weniger in einer Währungsschwankung sehr entscheidenden Einfluss haben. Im generell schwankungsreicheren Aktienmarkt spielt das zwar auch eine Rolle, nicht aber eine derart entscheidende.

Ansichten der Fachleute gehen weit auseinander

Für Zinsanleger kommt es auf jeden Prozentpunkt an. Oft sind es Stiftungen oder Pensionskassen, die eine verlässliche Rendite brauchen. Ein Dollar, der vor einem Jahr für Ende 2025 mit 1,06 Dollar je Euro einigermaßen stabil erwartet wurde, dann aber im Jahresverlauf auf 1,17 Dollar je Euro absackte, der ist für Zinsanleger Gift. Natürlich gibt es währungsgesicherte Anleihen. Die Absicherung wird aber teurer, je schwankungsanfälliger eine Währung ist. Was also tun als Anleger mit Blick auf den wichtigsten Zinsmarkt der Welt, jenen in Dollar?

Die Meinungen der von der F.A.Z. befragten Fachleute gehen weit auseinander. Im Durchschnitt erwarten sie eine weitere Dollar-Abschwächung um etwa drei Prozent. Gemessen an den durchschnittlich erwarteten 4,2 Prozent Rendite für US-Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit bleibt da für Anleger nicht viel übrig, nach Abzug der Inflation erst recht nicht. Und für kurz laufende Anleihen ist es noch weniger. Auch die zum Teil zu erzielenden Kursgewinne würden das Dollar-Risiko kaum rechtfertigen.

Unter der Durchschnittsbetrachtung der Befragung befinden sich aber deutliche Unterschiede im Detail. Jens Klatt, Marktanalyst des Onlinebrokers XTB, lehnt sich am weitesten aus dem Fenster. Er erwartet erhebliche Kursgewinne für US-Staatsanleihen und entsprechend niedrigere Zinsen. „Für ein Szenario mittelfristig deutlicher unter Druck geratender Zinsen spricht zweierlei“, sagt Klatt: „Zum einen der sich derzeit abzeichnende geldpolitisch lockere Kurs der Fed und zum anderen eine durch die KI-Revolution abnehmende Inflation.“

Lockerer Fed-Kurs unter neuer Führung erwartet

Mit der Ablösung von Jerome Powell als Fed-Chef dürfte ein geldpolitisch wesentlich lockerer Kurs der US-Notenbank Einzug halten, als es aktuell allgemein erwartet wird, sagt der Analyst: „Das sollte zehnjährige Zinsen deutlicher unter Druck bringen.“ Mit Kevin Hassett als potentiellem Nachfolger Jerome Powells und in Verbindung mit abnehmender Inflation durch die KI-Revolution seien im Jahr 2026 drei bis vier Zinssenkungen von jeweils 25 Basispunkten realistisch. Diese würden die zweijährigen Zinsen, die stark positiv zum Leitzins der Fed korreliert sind, in Richtung von drei Prozent drücken.

Ob sich die Sache für Anleger aus dem Euroraum lohnt, wäre die andere Frage. Klatt erwartet einen auf 1,25 Dollar je Euro abschwächenden Dollar und damit rund sechs bis sieben Prozent Abschlag zum heutigen Kurs. Es wäre Trumps Wunschszenario günstigerer Zinsen für seine Staatsschuld und ein schwächerer Dollar, der in Amerika produzierte Waren in der Welt wettbewerbsfähiger macht.

Am anderen Ende der Erwartungswerte liegt die französische Fondsgesellschaft Carmignac. Sie sieht den Zins für die amerikanischen Schuldtitel mit zehn Jahren Laufzeit auf fünf Prozent steigen und damit jenen Wert, von dem an mit Unruhe an den Finanzmärkten und bei Trump zu rechnen ist. Im ersten Halbjahr ist die DZ Bank am pessimistischsten und sieht den Zins von derzeit 4,25 auf 4,6 Prozent steigen. „Der US-Dollar bleibt angeschlagen, während der Euro weiter auf bessere Wachstumszeiten hoffen darf“, sagt Sören Hettler, Leiter Anlagestrategie und Privatkunden der DZ Bank. Er sieht den Hauptgrund für den Vertrauensschwund in den Dollar in der US-Administration, die belastend wirke.

Es ist das wesentliche Spannungsfeld, in dem sich die Anleihemärkte bewegen. Viel stärker als die Aktienmärkte sind sie von der geopolitischen Lage beeinflusst. Einer der größten Gläubiger der USA ist China. Gleichzeitig leisten sich die beiden großen Weltmächte ein Ringen um Einfluss. In Venezuela wollen beide Zugriff auf die dortigen Ölvorkommen. China versucht in vielen Ländern Südamerikas und Afrikas seine Einflusssphäre zu vergrößern.

China baut zwar US-Staatstitel ab und investiert viel Geld in Gold. Gleichzeitig kann das Land kein Interesse an einem Zusammenbruch des Dollars und der US-Anleihekurse haben. Japan als sehr großer US-Gläubiger hat zusehends heimische Finanzierungsschwierigkeiten. Auch das kann die Nachfrage nach Dollar-Anleihen schwächen. Allein der US-Staat dürfte in diesem Jahr acht Billionen Dollar unter Anlegern einwerben müssen.

Deutsche Finanzierung gilt als solide

Global weniger bedeutend ist die deutsche Finanzierungslage. Sie wird zwar auch kritischer gesehen. Unter dem Strich sind Stand der Verschuldung und Ausmaß neuer Schulden aber in einem Rahmen, der an den Märkten kaum für kritisch gehalten wird. Anders als Frankreich, Großbritannien oder die USA muss Deutschland daher noch nicht bangen, Gegenstand größerer Spekulationen um die Tragfähigkeit der Staatsschulden zu werden. Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, erwartet, „dass die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen 2026 in einem Umfeld steigender Staatsschuldenquoten moderat zulegt“. Mit rund 2,8 Prozent liegt sie aber auch jetzt schon viel höher als noch vor einem Jahr erwartet.

Die Unabhängigkeit der EZB leide unter der hohen Staatsverschuldung, sagt Krämer. „Der Dollar dürfte tendenziell unter Druck bleiben. Dafür sprechen die ausgeprägten und letztlich zu weit gehenden US-Zinssenkungen, die viel mit der schwindenden Unabhängigkeit der Notenbank zu tun haben. Darüber hinaus ist der Dollar angreifbar, weil er gegenüber dem Euro deutlich über der Kaufkraftparität liegt und mithin klar überbewertet ist.“

Hettler von der DZ Bank sagt: „Aufgrund des höheren staatlichen Finanzierungsbedarfs in Deutschland, aber auch in anderen Ländern weltweit, dürfte das Renditeniveau an den Rentenmärkten moderat steigen. An der guten Reputation Deutschlands sollte dies jedoch nichts ändern. Kurz gesagt: Die Bundesregierung kann sich die zusätzlichen Schulden leisten.“

Carsten Klude, Chefvolkswirt von M.M. Warburg, sieht wenig Bewegung bei deutschen Staatsanleihen. „Unternehmensanleihen bleiben interessanter“, sagt Klude: „Unternehmen sowohl in Europa als auch in den USA weisen sehr solide Ergebniskennziffern und eine stabile Verschuldungssituation auf. Zudem sollte das konjunkturelle Umfeld dazu beitragen, dass die Ausfallraten weiterhin auf oder sogar unter ihren historischen Durchschnittswerten bleiben.“

Inflation ist kein großes Thema

Inflation ist für die meisten Beobachter kein großes Thema für 2026. Allgemein wird erwartet, dass sich der sinkende Trend fortsetzt. Klude sieht die Kerninflation in den USA auf durchschnittlich 2,3 Prozent sinken, im Euroraum auf 1,9 Prozent. Die Fachleute der Helaba sehen in China stagnierende Verbraucherpreise, in Deutschland und dem Euroraum einen Durchschnitt leicht über dem EZB-Zielwert von zwei Prozent und in den USA von 2,7 Prozent.

Angesichts der erwarteten Anleihezinsen bleibt die reale Rendite damit überschaubar. Die Helaba kommentiert dies so: „Ein steigendes Angebot an Staatsanleihen trifft auf zunehmend skeptische Investoren, die höhere Risikoaufschläge verlangen.“ Per saldo sei daher mit steileren Zinsstrukturkurven auf beiden Seiten des Atlantiks zu rechnen. Ende 2026 würden zehnjährige Staatsanleihen in Deutschland bei drei und in den USA bei 4,5 Prozent notieren. Unter anderem die Raiffeisenbank International (RBI) legt daher mit Blick auf die Anleihemärkte eine „Vorsicht bei langen Laufzeiten und Durationsrisiken nahe, und dies vor allem im Bereich der Staatsanleihen.“

Unter dem Strich bleibt es bei erhöhter Wachsamkeit der Anleger. Das Jahr 2022 war schmerzhaft für die meisten Anleihe-Investoren. Eine solch abrupte Zinswende wird sich nicht wiederholen. Aber die Situation im Herbst 2022, als der Anleihemarkt die britische Kurzzeit-Premierministerin Liz Truss wegen ihrer Etatpläne hinwegfegte, haben sich viele Anleger gut gemerkt. Wenn es ums Geld geht, wird nicht nur Donald Trump nervös. Spekulationswellen wird es daher immer wieder schnell geben können. Eine Lehre vieler Anleger daraus: lieber Gold kaufen. Die mäßigen Renditeaussichten rechtfertigen das staatsschuldenbedingt höhere Risiko aus ihrer Sicht nicht.

Source: faz.net