Luftqualität: Deutschland hält EU-Grenzwerte zu Gunsten von Feinstaub und andere Schadstoffe in dieser Luft ein

Die Luft in Deutschland ist sauberer geworden, aber noch nicht sauber genug, um negative Auswirkungen auf die Gesundheit auszuschließen. So lassen sich neue Zahlen zur Luftqualität zusammenfassen, die das Umweltbundesamt (UBA) am Mittwoch ver­öffentlichte.

Nach den vorläufigen Messdaten des Jahres 2025 wurden alle EU-Grenzwerte für die Luftqualität eingehalten. Zwar war die Belastung mit Feinstaub und Stickstoffdioxid aufgrund ungünstiger Witterungsbedingungen höher als in den beiden Vorjahren. Dennoch blieb der Wert für Feinstaub schon das achte Jahr in Folge unter dem kritischen europäischen Grenzwert; für Stickstoffdioxid war es das zweite Jahr.

Veraltete europäische Grenzwerte

„Es bedarf dennoch weiterer Anstrengungen zur Verbesserung der Luftqualität“, mahnte UBA-Präsident Dirk Messner. Denn die EU-Grenzwerte, die mehr als 20 Jahre alt sind, entsprechen nicht mehr dem wissenschaftlichen Erkenntnisstand über die Wirkung von Luftschadstoffen auf die menschliche Gesundheit.

Zieht man die deutlich strengeren Richtwerte der Weltgesundheits­organisation (WHO) heran, trübt sich das Bild zur Luftqualität: Die WHO-Richtwerte für kleinere Feinstaubpartikel, die tiefer in den Körper eindringen können und deswegen gesundheitlich riskanter sind als größere Partikel, wurden 2025 an allen deutschen Messstationen verfehlt. Die WHO-Richtwerte für Stickstoff wurden nach den vorläufigen Daten des UBA an 78 Prozent aller Stationen gerissen.

Verlust an gesunden Lebensjahren

Betrachtet man den Verlust an gesunden Lebensjahren aufgrund von chronischen Lungenerkrankungen in Deutschland, so sind die entsprechenden gesundheitlichen Einbußen nach Zahlen des UBA für das Jahr 2021 zu fünf Prozent auf Feinstaub zurückzuführen. In absoluten Zahlen sind dies etwa 33.200 verlorene Jahre gesunden Lebens aufgrund von Krankheit, Behinderung oder vorzeitigem Tod.

Die EU-Grenzwerte für die Luftqualität sollen schrittweise an die WHO-Richtwerte angepasst werden. Von 2030 an wird die Schwelle für Stickstoffdioxid von aktuell 40 auf 20 Mikrogramm je Kubikmeter im Jahresmittel herabgesetzt. Der Grenzwert für kleinere Feinstaubpartikel wird von 25 auf zehn Mikrogramm je Kubikmeter sinken.

Von 2030 an gelten strengere Grenzwerte

Die künftigen Vorgaben werden nach den Messergebnissen für 2025 noch nicht erfüllt. Für Stickstoffdioxid wurden an rund 39 Prozent der Messstationen höhere Werte gemessen, für Feinstaub an etwa 18 Prozent der Stationen. Diese Überschreitungen haben Signalwirkung: Werden die neuen Grenzwerte im kommenden Jahr überschritten, müssen die Mitgliedstaaten Pläne erstellen, mit welchen Maßnahmen sie dafür sorgen wollen, dass die Luftqualität 2030 den Vorgaben entspricht. Ist das nicht machbar, kann eine Fristverlängerung bei der EU-Kommission bis höchstens 2037 beantragt werden.

Nach Schätzungen des UBA sollte es Deutschland bis 2035 gelingen, flächendeckend alle neuen Grenzwerte einzuhalten. Im Jahr 2030 sei für Feinstaub und Stickstoffdioxid noch vereinzelt mit Überschreitungen zu rechnen. Die größte Quelle für Stickstoffdioxid ist der Straßenverkehr. Durch moderne Verbrenner und den Umstieg auf ­E-Autos wird die Belastung aber sinken. Allerdings sind E-Autos schwerer als Verbrenner. Sie verursachen so tendenziell mehr Feinstaub durch Reifenabrieb.