Luftabwehr stoppt Raketen nicht: Zahlreiche Verletzte im Rahmen Angriffen nahe israelischer Atomanlage
Luftabwehr stoppt Raketen nichtZahlreiche Verletzte bei Angriffen nahe israelischer Atomanlage
22.03.2026, 05:29 Uhr
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Die meisten iranischen Angriffe auf Israel werden von der Luftabwehr des Landes vereitelt. Diesmal kommen Raketen durch und richten verheerende Schäden an. Bei Einschlägen in Häusern gibt es mehr als 100 Verletzte. In der Nähe liegt eine Atomanlage.
Die israelische Luftabwehr hat bei iranischen Raketenangriffen auf Südisrael die Geschosse nicht abgefangen. Die Abwehrsysteme hätten zwar ausgelöst, die Raketen jedoch nicht gestoppt, erklärte der israelische Militärsprecher Effie Defrin auf X. „Wir werden den Vorfall untersuchen und daraus lernen“, kündigte der Brigadegeneral an.
Bei den zwei bislang folgenschwersten iranischen Angriffen auf Israel seit Kriegsbeginn sind im Süden des Landes in der Nähe der Atomanlage Dimona mehr als 100 Menschen verletzt worden, mindestens zehn von ihnen schwer. In der Stadt Dimona gab es laut der israelischen Armee einen „direkten Raketeneinschlag in ein Gebäude“. Dort versorgte der israelische Rettungsdienst nach eigenen Angaben 33 Verletzte. 75 weitere Menschen mussten in der nahegelegenen Stadt Arad behandelt werden, auch hier wurden Gebäude getroffen. An beiden Orten waren auch Kinder unter den Verletzten.
„Sowohl in Dimona als auch in Arad wurden Abfangraketen gestartet, die ihre Ziele verfehlten, was zu zwei direkten Treffern durch ballistische Raketen mit Sprengköpfen von mehreren hundert Kilogramm führte“, erklärte die Feuerwehr. Drei Gebäude seien erheblich beschädigt worden, in einem Gebäude sei auch ein Brand ausgebrochen.
Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sprach nach dem Beschuss von Arad von einem „sehr schwierigen Abend im Kampf um unsere Zukunft“. „Wir sind entschlossen, unsere Feinde weiterhin an allen Fronten anzugreifen“, hieß es in einer Mitteilung seines Büros.
Iran spricht von Vergeltungsangriff
Die iranischen Revolutionsgarden teilten mit, sie hätten „militärische Anlagen“ und Sicherheitszentren im Süden Israels ins Visier genommen. Der Iran hatte Israel nach eigenen Angaben als Vergeltung für einen Angriff auf die Atomanlage Natans angegriffen. Dimona und Arad liegen in der Nähe mehrerer Militärstützpunkte, darunter der Luftwaffenstützpunkt Nevatim, einer der größten des Landes. Die Atomanlage Dimona liegt außerhalb der gleichnamigen Stadt in der Negev-Wüste. Nach offizieller Darstellung handelt es sich um ein Kernforschungszentrum. Weithin wird aber angenommen, dass die Anlage auch der Herstellung von Atomwaffen dient. Israel hat den Besitz von Atomwaffen nie offiziell bestätigt, aber auch nie dementiert.
Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) rief nach den Angriffen zu „maximaler militärischer Zurückhaltung“ auf. Sie erklärte auf X, sie habe Kenntnis von einem Raketeneinschlag in der israelischen Stadt Dimona, aber „keine Hinweise auf Schäden am Kernforschungszentrum Negev“. Erhöhte Strahlungswerte wurden in der Region demnach nicht festgestellt.
Israel hat nach eigenen Angaben am Samstag auch einen Angriff auf eine Einrichtung einer Teheraner Universität geflogen, die demnach Bauteile für Atomwaffen entwickelt. Die Malek-Aschtar-Universität unterstehe dem iranischen Verteidigungsministerium und unterliege wegen ihrer Beteiligung am iranischen Atom- und Raketenprogramm internationalen Sanktionen, erklärte die israelische Armee.
Source: n-tv.de